Prof. Dr. Regina Palkovits
Prof. Dr. Regina Palkovits

Regina Palkovits: MINT-Botschafterin

30 Jahre, Forscherin und Themenbotschafterin für das Wissenschaftsjahr 2010: Chemieingenieurin Regina Palkovits – unser MINT-Vorbild.

Ausgerechnet die Schuhe machten Regina Palkovits während ihres Praktikums in der Werkstatt eines Aufzugbauers Probleme. Dabei hat doch Frau höchst selten Schwierigkeiten mit Pumps, Chucks & Co. – sagt zumindest das Klischee. »Ich war dort die einzige Frau«, erzählt Palkovits und fügt hinzu: »Mein damaliger Chef musste daher spezielle Sicherheitsschuhe in einer passenden Größe bestellen. Diese hatten dann leider, extra für Frauen, pinkfarbene Streifen.«

Da musste die Chemieingenieurin durch, wie auch durch den ein oder anderen Schlagabtausch mit den Kollegen. »Das war aber eine gute Übung. Derjenige, mit dem ich mich am meis ten gekabbelt habe, hat mir am Schluss sein Seidenmalereiset geschenkt.«

Nicht zu früh aufgeben, tough sein – damit ist Regina Palkovits schon des Öfteren gut gefahren. Die Nachwuchswissenschaftlerin ist gerade erst 30 geworden, leitet aber schon am Max-Planck-Institut (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr eine zehnköpfige Arbeitsgruppe. Hier befasst sie sich mit der Nutzung erneuerbarer Energien – und das so erfolgreich, dass sie bereits mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Beispielsweise ernannte das Bundesforschungsministerium sie zur ›Themenbotschafterin‹ des Wissenschaftsjahres 2010 ›Zukunft Energie‹. »Zum einen hatte ich gute Lehrer und meinen Vater als Vorbild, der ebenfalls einen technischen Beruf ausübt«, begründet Regina Palkovits ihre Liebe zu den Naturwissenschaften. »Zum anderen war ich auf einer Mädchenschule und mir hat keiner gesagt, dass ich in Mathe und Chemie nicht gut sein soll.«

Nach dem Abitur entschied sich Palkovits für das Studium des Chemieingenieurwesens an der TU Dortmund. »Nur Chemie wäre mir zu einseitig gewesen. Ich wollte ein Fach an der Schnittstelle der Disziplinen«, sagt sie. 2006 promovierte sie am Kohlenforschungs-MPI und beschäftigte sich hier bereits mit ihrem jetzigen Forschungsgebiet: den Katalysatoren. Mit ihrem Team sucht Palkovits aktuell danach, gewöhnliches Pflanzenmaterial in Produkte mit einem gesteigerten Wert umzuwandeln, insbesondere in Hinblick auf Chemikalien, Kraft- oder Kunststoffe. »Vielleicht können wir ja in Zukunft Colaflaschen aus Zucker herstellen. Ein Molekül auf Zuckerbasis ähnelt stark dem Molekül, das bei PET-Flaschen zum Einsatz kommt«, beschreibt die Wissenschaftlerin begeistert. Ihre Leidenschaft für die Naturwissenschaften will Regina Palkovits speziell als Themenbotschafterin für das Wissenschaftsjahr an junge Menschen weitergeben.

In dieser Funktion stellt sie auf Veranstaltungen ihre Projekte vor, nimmt an Diskussionen teil oder besucht Schulen. Auch Kampagnen gehören dazu – auf ihrem Imageposter prangt etwa das Statement: »Mit 14 habe ich beim Karate alles aus mir herausgeholt. Heute mache ich das mit Kohle.« Karate trainiert Regina Palkovits immer noch, sie besitzt sogar den braunen Gürtel. »Der Ausgleich zum Job ist mir sehr wichtig«, erzählt die 30-Jährige und ergänzt: »Ich bin auch kein Langarbeiter-Vorbild, da ich keinen Sinn darin sehe, 20 Stunden am Tag im Labor zu verbringen – irgendwann geht die Konzentration flöten.« Die Wissenschaftlerin scheint damit den richtigen Mix aus Freizeit und Arbeit gefunden zu haben: Auch ohne nächtliche Überstunden geht ihre Karriere steil bergauf. Erst kürzlich verlieh ihr die Robert-Bosch- Stiftung die Juniorprofessur ›Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen‹ verbunden mit einer Million Euro Fördergeld.

»Das war ein harter Bewerbungsprozess. In der letzten Stufe mussten alle Kandidaten beim Stiftungsgremium unter Vorsitz von Klaus Töpfer, dem ehemaligen Bundesumweltminister und Direktor des UN-Umweltprogramms, ihre Projekte vorstellen«, schildert Palkovits. 

Erfahrung als Lehrende hat die Wissenschaftlerin ebenfalls schon gesammelt, bisher hielt sie Vorlesungen an der Ruhr-Universität Bochum. »Der Austausch mit den Studenten ist sehr spannend, da sie Fragen stellen, auf die man selbst gar nicht mehr kommt. Dadurch entsteht ein neuer Blickwinkel«, beschreibt die Forscherin. Fragt sich, was nach all den Erfolgen für Regina Palkovits noch kommen kann – der Nobelpreis?

»Das ist zwar eine große Ehre, aber diese Auszeichnung möchte ich gar nicht«, gibt sie zu. »Mir wäre es lieber, wenn ich einen Katalysator entwickle, der im großen industriellen Maßstab produziert wird.«


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