ICE
Bombardier, Deutsche Bahn

Nachwuchs für deutsche Bahntechnik

Trotz regelmäßiger Negativschlagzeilen ist die Bahnindustrie ein attraktiver Arbeitgeber für Ing.-Absolventen.

Der Grund: Deutsche Bahntechnik ist weltweit führend und wird vor allem in Asien realisiert. Die Branche braucht flexiblen und mobilen Ingenieur-Nachwuchs.

Er wird der schnellste Zug sein, der jemals gebaut wurde: der ›Zefiro 380‹ der Firma Bombardier. Bis zu 380 Kilometer pro Stunde soll die Superschnellbahn auf den Tacho bringen, derzeit werden 80 Exemplare des ›Zefiro‹ der Klasse 380 in Südchina gebaut. »Das Projekt steckt mitten in der detaillierten Konstruktionsphase«, berichtet Daniela Pötsch, die regelmäßig Statusberichte über den Stand des ›Zefiro 380‹ an die Leitung des Bombardier-Konzerns schreibt. »Es ist schon aufregend, an der Entstehung eines so innovativen Produkts unmittelbar beteiligt zu sein.«

Pötsch genießt es, die Entstehung des ›Zefiro 380‹ hautnah mitzuerleben. Dabei hatte sie mit Schienenverkehr gar nicht so viel am Hut, als sie vor sechs Jahren ihr Maschinenbaustudium an der Universität Magdeburg abschloss.

»Bahnindustrie – da hatte ich sofort alte Lokomotiven und quietschende Räder vor Augen. Die Autobranche erschien mir damals ungleich attraktiver«, erzählt die heute 29- Jährige.

Doch nach einigen Jahren Berufserfahrung, einem Auslandsaufenthalt und einem Aufbaustudium im Bereich Qualitätssicherung änderte Daniela Pötsch ihre Meinung.

»Mir war klar geworden, dass die Bahnindustrie eine hoch innovative Branche mit High-Tech-Produkten ist, die zudem noch umweltverträglich sind und ein tolles Design bieten.«

Also stieg sie 2008 als Trai nee bei Bombardier Transportation ein, der Bahntechnik- Sparte des kanadischen Bombardier- Konzerns mit Sitz in Berlin. Am Standort im brandenburgischen Hennigsdorf erstellt Daniela Pötsch unter anderem technische Angebote für einzelne Projekte, zuletzt für eine Reihe von U-Bahn-Zügen für die Stadt Shanghai.

Bahnindustrie bietet zahlreiche Möglichkeiten für Ingenieure

Ingenieure in der Bahnindustrie wie Daniela Pötsch arbeiten an neuesten Technologien und gestalten dabei die Zukunft der Bahntechnik. Sie entwickeln Hochgeschwin digkeitszüge und U-Bahnen, Bahnhöfe und neue Strecken, elektronische Stellwerke und Signaltechnik, Infrastrukturlösungen und alternative Antriebskonzepte. Obwohl Bahnunternehmen regelmäßig in Negativschlag zeilen geraten, sucht die Branche ebenso händeringend Ingenieursnachwuchs wie andere In - dustrien: »Die Krise hat sich so gut wie gar nicht negativ auf den Arbeitsmarkt für Ingenieure in der Bahnindustrie ausgewirkt«, sagt Professor Dr. Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB).

»Für 2011 sehen wir einen Bedarf von mehr als 600 Ingenieuren und Fachkräften, mit steigender Tendenz.«

Der Grund für diese positiven Aussichten: Deutsche Bahntechnik gilt weltweit als führend und wird derzeit vor allem nach Asien exportiert.

»Um diese Stellung zu halten und weiter ausbauen zu können, sind qualifizierte Ingenieure die Grundlage – ohne diese geht nichts«, stellt Pörner klar.

Die Bahnindustrie sucht nach neuen Nachwuchskräften

Nicht nur Spezialisten mit verkehrstechnischem Schwerpunkt werden in der Branche gesucht. »Auch Maschinenbau-Experten, Elektrotechnikern und Informatikern ebenso wie Wirtschaftsingenieuren stehen die Türen in die Welt der Bahntechnik offen«, sagt Ronald Pörner. Neben den fachlichen Qualifikationen seien Fremdsprachenkenntnisse und immer häuf iger auch betriebswirtschaftliches Verständnis gefragt.

»Unsere Unternehmen erwarten von ihren Nachwuchskräften eine gewisse regionale Flexibilität und die Bereitschaft, schon frühzeitig Verantwortung zu übernehmen«, erklärt der VDB-Hauptgeschäftsführer.

 

Über 40.000 Menschen beschäftigt die deutsche Bahnindustrie. Zu den Herstellern von Bahntechnik gehören hierzulande große Sys temhäuser wie Bombardier, Alstom und Siemens, aber auch ein weites Spektrum spezialisierter Unternehmen aus dem Mittelstand – Firmen, die Voith Turbo Lokomotivtechnik GmbH oder SGW Schaltgerätewerk Werder GmbH heißen und von denen es etwa 100 gibt. Rund 60 Prozent von ihnen haben laut VDB Probleme, ihre Stellen zu besetzen und erhalten so gut wie nie Initiativbewerbungen.

Größter Arbeitgeber der Branche und Auftraggeber für Systemhäuser wie Dienstleister und Zulieferer ist natürlich die Deutsche Bahn AG. Hier arbeitet Torsten Schnaase bei der Güterverkehrstochter DB Schenker Rail. Der 29-Jährige ist als Planungs- und Steuerungsleiter für den Schienengüterverkehr in Norddeutschland verantwortlich, speziell für den Einzelwagenverkehr.

»Man muss sich das ein bisschen so vorstellen wie die Sortierung und Zustellung von Briefen bei der Post«, erklärt Schnaase, der Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefung Maschinenbau in Dortmund studiert hat. »Es geht darum, Einzelwagen in der Zugbildungsanlage zu Zügen zu bündeln und dann dafür zu sorgen, dass die Güter zum richtigen Zeitpunkt, mit dem optimalen Ressourceneinsatz am richtigen Ort eintreffen.«

Logistische Fragestellungen hätten ihn schon während des Studiums interessiert, erzählt Schnaase. In seiner ersten Führungsposition bei der Deutschen Bahn kämen nun auch Kostenplanung, Mitarbeiterführung und Geschäftsstrategie als Aufgaben hinzu.

»Mich fasziniert die Gestaltungsfreiheit, komplexe Prozesse eigenverantwortlich zu optimieren«, sagt der Wirtschaftsingenieur. »Vor dem Hintergrund, dass der Schienengüterverkehr europaweit ausgebaut wird, ist die Weiterentwicklung des Güterverkehrs im Norden Deutschlands für mich eine tolle Herausforderung.«

 

Auf seinen Arbeitgeber wurde Torsten Schnaase über einen begeisterten Freund aufmerksam, über das Traineeprogramm ›TrainTec‹ stieg er dann bei der Bahn ein. »Der Bedarf im technischen Nachwuchsbereich ist seit mehreren Jahren konstant hoch«, bestätigt Heidi Palm, Leiterin Personalmarketing und Nachwuchsgewinnung bei der Deutschen Bahn AG.

»In diesem Jahr bieten wir insgesamt rund 350 Ingenieuren über Trainee- und Direkteinsteigerprogramme einen Arbeitsplatz bei der DB an.«

Bau- und Elektroingenieure werden bei der Deutschen Bahn vorrangig im Ressort Infrastruktur in den Bereichen Bauüberwachung, Projektmanagement, Produktionsplanung und Instandhaltung eingesetzt. Ingenieure aus dem Bereich Maschinenbau finden vor allem im Personenverkehr in den Bereichen Qualitätsmanagement und Fahrzeuginstandhaltung Einsatzmöglichkeiten. Verkehrsingenieure können, je nach ihrer Spezialisierung, im gesamten DB-Konzern eingesetzt werden. Und das auch in Zukunft:

»Nach unseren Planungen werden die Bedarfe an technischen Nachwuchskräften auch bedingt durch den demographischen Wandel weiter ansteigen «, sagt Bahn-Recruiterin Palm.


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