Mann vor Laptop arbeitet in Gruppe

Spannende Projekte für Ingenieure im Mittelstand

Tunnel, Drohnen und Transport – im Mittelstand 
erwarten Berufseinsteiger spannende Projekte, die die Welt von morgen mitbestimmen

Miniatur-Flugzeug als Leuchtturmprojekt

»Beim Quadrocopter handelt es sich um ein Miniatur-Flugzeug, das mit vier separat steuerbaren Propellern ausgestattet ist. Es entstand im Rahmen der Vorlesung ›Modellbildung elektrischer und mechanischer Systeme‹ an der Hochschule Heilbronn. Bei der Projektarbeit können die Studierenden ihre kreativen Fähigkeiten in Sachen Luft- und Antriebstechnik ausbauen. Ein Leuchtturmprojekt, mit dem gute Studenten für das Unternehmen geworben und Kreativität gefördert werden soll. Das Projekt läuft bereits seit drei Jahren. Mit jedem neuen Studenten, der sich für das Projekt interessiert, entwickelt sich der Quadrocopter kontinuierlich weiter. Die Forschungsschwerpunkte sind dabei noch lange nicht ausgeschöpft. Zur Zeit beschäftigen wir uns etwa besonders mit dem autonomen Fliegen, dem Transport großer Lasten, der Flugsicherheit sowie mit energieeffizientem Fliegen. Studierende, die das Projekt gerne weiter voranbringen möchten, sollten im besten Fall Kenntnisse in den Disziplinen Regelungstechnik, elektrische Maschinen, Leistungselektronik, Nachrichtentechnik und Mikroprozessortechnik mitbringen.« 

Ralph Wystup, Leitung Ausbildung der Elektrotechnikstudenten bei ebm-papst

Am Transportieren tüfteln 

»Wir beschäftigen uns mit intelligent vernetzten und emissionsfreien Logistikkonzepten. Derzeit arbeiten wir an der Weiterentwicklung einer elektrisch angetriebenen Achse namens eTransport für innerstädtische Lieferfahrzeuge. Die Innovationsleistung liegt in der achsintegrierten Motorgetriebeeinheit, die sowohl eine optimale Auslegung des elektrischen Antriebssystems als auch eine Optimierung des Bauraums und des Gesamtgewichts ermöglicht. Über ein Zwei-Motoren-Konzept mit integriertem Torque Vectoring kann jedes Rad einzeln angesteuert werden. Das ermöglicht eine optimale Manövrierfähigkeit und bietet zusätzliche Fahrsicherheit. Dank seiner kompakten Bauweise kann eTransport in verschiedene Fahrzeugmodelle eingebaut werden. Mit diesen Ideen reagieren wir auf die massiv zunehmenden Anforderungen an die Stadt der Zukunft. Durch die steigende Urbanisierung und das veränderte Einkaufsverhalten benötigen wir völlig neue Logistikkonzepte im urbanen Kontext. Daneben werden die gesetzlichen Bestimmungen, etwa zu Abgasnormen, immer strenger. Obwohl das Thema Elektromobilität derzeit in aller Munde ist, fehlt es hier noch an seriell gefertigten Lösungen. Hier gehen wir gänzlich neue Wege. Das wollen wir mit unseren neuen Fahrzeugkonzepten zeigen.« 


Theresa Hoell, Ingenieurin für das Geschäftsfeld Inner-City/Elektromobilität bei BPW

Prothesenträger perfekt betreuen 

»Aktuell entwickeln wir ein Gerät, das es ermöglicht, die Versorgung für Prothesen- und Orthesenträger zu optimieren. Dazu entwickeln wir ein mobiles Ganganalysesystem, das Gangparameter aus Messdaten generiert. Es soll dem Orthopädietechniker das Einstellen von Prothesen und Orthesen erleichtern. Wir integrieren dazu unsere ganze Biomechanikkompetenz in eine Expertensoftware. Mit diesem Projekt leisten wir einen entscheidenden Beitrag im Bereich IoT und Big-Data. Dazu wenden wir im stark regulierten Umfeld der Medizintechnik agile Methoden an und unterstützen auch bei der Erstellung von geeigneten Geschäftsmodellen. Mit der eingesetzten Inertial Measurement Unit-Technologie und innerhalb unserer sehr spezialisierten Industrie betreten wir Neuland. Daher müssen wir wie ein Start-up denken, sind aber an die Konzernlogik gebunden. Das ist gleichsam spannend und anstrengend – wir stehen vor technischen und organisatorischen Herausforderungen. Es wird noch viel Projektmarketing notwendig sein, um alle Entscheidungsinstanzen voll von einer Investition in ein riskantes Thema zu überzeugen. Da Ottobock aber ein sehr innovatives Unternehmen ist, gehe ich davon aus, dass wir es schaffen werden.« 

Erik Albrecht-Laatsch, Abteilungsleiter Embedded Systems bei Ottobock

Tunnelbohrer zwischen Europa und Asien 

106 Meter unter dem Bosporus schafft der Eurasia-Autotunnel in Istanbul eine neue Verbindung zwischen den Kontinenten Asien und Europa – erstellt mit einer Tunnelbohrmaschine von 13,7 Meter Durchmesser, bei einem Druck bis zu elf Bar, in äußerst schwieriger vielschichtiger Geologie. Mit gerade einmal 31 Jahren wurde Özgür Yurtaydin Herrenknecht-Projektmanager in diesem Großprojekt. Der studierte Bauingenieur fällt effizient Entscheidungen und geht keiner Aufgabe aus dem Weg: »Ich bin einfach nicht der Typ, der sagt: Das ist nicht mein Problem.« Gut so, denn es kann auch zu erheblichen Schwierigkeiten kommen – so auch beim Tunneldurchbruch in Istanbul: Nach etwa der Hälfte der Wegstrecke wurde an Rechen und Zangenbrecher, die sich vorne in der Abbaukammer befinden und unter hohem Druck stehen, Materialverschleiß festgestellt. Die Komponenten mussten rasch repariert werden, bevor die Maschine wieder anfahren konnte. »Dass wir eine so heikle Situation gemeinsam gelöst haben, hat das gesamte Team noch enger zusammengeschweißt. Spätestens nach dieser Erfahrung waren wir wie eine große Familie«, sagt Yurtaydin.

Luxusyacht am Fließband produzieren 

»Um unsere Yachten schneller bauen zu können, arbeiten wir derzeit an einem Transportsystem für die schiffbauliche Rohrvorfertigung. Dieses soll als Fließprinzip in unser Fertigungshallenlayout integriert werden. Das Besondere ist, dass wir gebogene Rohre transportieren, die unterschiedliche Geometrien, Wandstärken und Durchmesser aufweisen. Für einen solchen Anwendungsfall gibt es keine Standardlösung am Markt. Viele mögliche Transportmittel mussten wir aufgrund der Kosten-Nutzen- beziehungsweise Machbarkeits-Betrachtung bereits ausschließen. Schwierig ist auch, dass wir das Projekt im laufenden Fertigungsgeschehen durchführen und in die gegebenen Räumlichkeiten integrieren müssen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir diese Herausforderungen gut meistern werden.« 

Tim Hohaus, Dualstudent Maschinenbau bei Fr. Lürssen Werft  


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