Blick aus einem Bürogebäude
al ghazali/Unsplash

5 Ing-Projekte mit Trendfaktor

Wir stellen dir fünf Projekte aus unterschiedlichen Branchen vor, die voll im Trend liegen

Gedruckte Fühler

Darum geht's: »Das ›((rfid))-Digital Void Label‹ ermöglicht einen elektronischen Manipulations- und Erstöffnungsnachweis durch das Zerstören eines gedruckten ›Fühlers‹. Das Zerstören wird hierbei durch das Auslösen eines Void-Effekts realisiert. Der Labelzustand kann mit einem Smartphone per NFC ausgelesen werden.«
Trendfaktor: »Dieses Projekt zeigt deutlich, dass die Digitalisierung auch in der Druckbranche voranschreitet und einen immer wichtigeren Beitrag zum Produktportfolio leistet.«
Challenge: »Den Kern des Labels stellt die Kombination aus gedruckter NFC-Antenne und Siliziumchip dar. Der Silberdruck der Antenne und des ›Fühlers‹ auf ein temperatursensibles Material ist hierbei einer der Knackpunkte.«
Spaßfaktor: »Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus verschiedenen Fachrichtungen macht am meisten Spaß. Das Projekt bündelt eine Vielzahl technologischer Kompetenzen: gedruckte Elektronik, Integration von RFID Chip und Antenne, eine Void-Folie zum optischen Manipulationsnachweis und ein digitales Informationssystem, das mit einer Datenbank verknüpft ist und zum Beispiel Geotracking als Monitoring-Funktion bietet.«
Mitbringen: »Kenntnisse der gedruckten Elektronik und der Elektrotechnik sowie ein hohes Maß an interdisziplinärem Denken und Teamfähigkeit.«
Dr.-Ing. Kurt Kugler, Product and Process Coordinator, Schreiner LogiData

Prothesenträger perfekt betreuen

Darum geht's: »Aktuell entwickeln wir ein Gerät, das es ermöglicht, die Versorgung für Prothesen- und Orthesenträger zu optimieren. Dazu entwickeln wir ein mobiles Ganganalysesystem, das Gangparameter aus Messdaten generiert. Es soll dem Orthopädietechniker das Einstellen von Prothesen und Orthesen erleichtern. Wir integrieren dazu ­unsere ganze Biomechanikkompetenz in eine Expertensoftware.«
Innovationsfaktor: »Mit diesem Projekt leisten wir einen entscheidenden Beitrag im Bereich Internet of Things und Big Data. Dazu wenden wir im stark regulierten Umfeld der Medizintechnik agile Methoden an und unterstützen auch bei der Erstellung von geeigneten Geschäftsmodellen.«
Challenge: »Mit der eingesetzten Inertial Measurement Unit-Technologie und innerhalb unserer sehr spezialisierten Industrie betreten wir Neuland. Daher müssen wir wie ein Start-up denken, sind aber an die Konzernlogik gebunden. Das ist gleichsam spannend und anstrengend – wir stehen vor technischen und organisatorischen Herausforderungen.«
Ausblick: »Es wird noch viel Projektmarketing notwendig sein, um alle Entscheidungsinstanzen voll von einer Investition in ein riskantes Thema zu überzeugen. Da Ottobock aber ein sehr innovatives Unternehmen ist, gehe ich davon aus, dass wir es schaffen werden.«
Erik Albrecht-Laatsch, Abteilungsleiter Embedded Systems bei Ottobock

Am Transportieren tüfteln

Darum geht's: »Wir beschäftigen uns mit intelligent vernetzten und emissionsfreien Logistikkonzepten. Derzeit arbeiten wir an der Weiterentwicklung einer elektrisch angetriebenen Achse namens eTransport für innerstädtische Lieferfahrzeuge.«
Die Innovationsleistung: »… liegt in der achsintegrierten Motorgetriebeeinheit, die sowohl eine optimale Auslegung des elektrischen Antriebssystems als auch eine Optimierung des Bauraums und des Gesamtgewichts ermöglicht.«
Besonderheit: »Über ein Zwei-Motoren-Konzept mit integriertem Torque Vectoring kann jedes Rad einzeln angesteuert werden. Das ermöglicht eine optimale Manövrierfähigkeit und bietet zusätzliche Fahrsicherheit. Dank seiner kompakten Bauweise kann eTransport in verschiedene Fahrzeugmodelle eingebaut werden.«
Trendfaktor: »Mit diesen Ideen reagieren wir auf die massiv zunehmenden Anforderungen an die Stadt der Zukunft. Durch die steigende Urbanisierung und das veränderte Einkaufsverhalten benötigen wir völlig neue ­Logistikkonzepte im urbanen Kontext. Daneben werden die gesetzlichen Bestimmungen, etwa zu Abgasnormen, immer strenger.«
Motivation: »Obwohl das Thema Elektromobilität derzeit in aller Munde ist, fehlt es noch an seriell gefertigten Lösungen. Hier gehen wir gänzlich neue Wege. Das wollen wir mit unseren neuen Fahrzeugkonzepten ­zeigen.«
Theresa Hoell, Ingenieurin für das Geschäftsfeld Inner-City/Elektromobilität bei BPW

Mobile Molkerei

Darum geht's: »Wir haben als Start-up von GEA eine mobile Engineering-Lösung entwickelt, die Milch sammelt, verarbeitet und transportiert – und zwar direkt an dem Ort, wo sie gewonnen wird. Dadurch verkürzt sich die Lieferkette zwischen Erzeuger und Verarbeiter.«
Besonderheit: »Wir wollten mit dem Produkt da ansetzen, wo es durch keine durchgängigen Kühlketten noch große Probleme mit der Rohmilchqualität gibt: in Entwicklungs- und Schwellenländern.«
Challenge: »Vier Monate lang haben wir alles geteilt: Arbeitsraum, Wohnung, Fortschritte, gedankliche Sackgassen beim Tüfteln, eine gehörige Portion Adrenalin und natürlich viel Spaß. Wir kämpften in Workshops, Bootcamps und Präsentationen vor knapp 200 internationalen Mentoren und Investoren. Das war jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.«
Spaßfaktor: »Das Produkt täglich weiterzuentwickeln und zu sehen, wie unsere Lösung langsam marktfähig wurde. Und zu lernen, unsere Pläne mit den Augen von Unternehmern zu sehen.«
Mitbringen: »Durchhaltevermögen, ein breit aufgestelltes, gut ausgebildetes und vor allem harmonisches Team und die Fähigkeit, um die Ecke zu denken.«
Die vier Ingenieure Alexander Schwenker, Bünyamin Akay, Peter Peters und Jannik Desel sind MilkBuddy-Gründer und beim Technologiekonzern GEA im Bereich Product Engineering & Development tätig.

Luftfahrt mit System

Darum geht's: »Ich baue ein neues Forschungsinstitut auf, das Systemarchitekturen in der Luftfahrt erforscht. Dabei geht es um die Zusammenhänge in der Luftfahrt mit ihren verknüpften Teilsystemen vom Transportsystem, über die Luftfahrzeuge und deren Komponenten bis hin zur Produktion.«
Besonderheit: »Die fortschreitende Digitalisierung in allen Teilsystemen ermöglicht es heute, die Luftfahrt als ganzheitliches System der Systeme wissenschaftlich zu betrachten. Der Komplexität dieser Aufgabe begegnen wir mit IT-Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Multidisziplinärer Optimierung. Von besonderer Bedeutung sind die Schnittstellen zwischen realer und digitaler Welt, wo wir den Einsatz von Technologien der virtuellen Realität betrachten.«
Challenge: »Das zugrundeliegende System ist enorm umfangreich, heterogen und hat sehr viele Wechselwirkungen. Viele der Teilsysteme lassen sich außerdem nur mit relativ aufwendigen Modellen hinreichend genau simulieren. Deshalb ist das Arbeiten im Verbund mit spezialisierten Forschungsinstituten notwendig.«
Spaßfaktor: »Wir erschließen ein ganz neues Forschungsfeld. Die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Spezialisten und die immer umfassenderen Modelle führen bei allen Beteiligten immer wieder zu überraschenden Einblicken.«
Mitbringen: »Da die Arbeit in einem Netzwerk von disziplinären Spezialisten erfolgt, ist es hilfreich, in einer der relevanten Disziplinen selbst entsprechende Erfahrungen gesammelt zu haben. Von der Forschung bis zur Integration ist Fachwissen über die Luftfahrt mit ihren Technologien genauso notwendig wie Kompetenzen in der numerischen Simulation sowie im Managen großer Teams und Projekte.«
Björn Nagel, Gründungsdirektor DLR-Institut für Systemarchitekturen in der Luftfahrt


Anzeige

Anzeige