Roboterhand hält Autoschlüssel

Trendbranche im Visier: Arbeitgeber Automobilbranche

Elektromobilität, autonomes Fahren, Digitalisierung – die Automotive-Branche wandelt sich. Fokuswechsel und neue Berufsprofile

Kraftfahrzeuge made in Germany sind weltweit beliebtes Statussymbol und bescherten Autobauern hierzulande Umsätze im dreistelligen Milliardenbereich, so Statista. Doch jüngst erstrahlen mit Tesla oder Google neue Sterne am Auto-Himmel und Car-Sharing verändert grundlegend das Nutzerverhalten. »Wir stehen vor einer Entwicklung, die die Automobilbranche neu gestalten wird. Es wird die größte Änderung seit das Auto auf der Straße ist«, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft und Leiter des Centers Automotive Research an der Uni Duisburg-Essen.

Deutsche Autobauer reagieren auf die Trends aus den USA und Asien und verwenden gut zehn Prozent ihres Umsatzes auf die Innovationsentwicklung in den Bereichen E-Mobility, autonomes Fahren und Digitalisierung, so der Branchenreport des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zu Innovationen im Fahrzeugbau 2015.

Die automobile Zukunft wird elektrisch und fahrerlos

Der Verbrennungsmotor hat ausgedient. Zu laut ist in Zeiten des Klimawandels der Ruf nach umweltbewussten Alternativen. So geht Dr. Roland Krüger, Leiter Entwicklung elektrischer Antriebsstrang bei Ford-Werke davon aus, dass »Elektrofahrzeuge mit der übernächsten Generation durchaus konkurrenzfähig zu hochwertigen Dieselfahrzeugen sein werden, wenn wir uns die Gesamtkostenbilanz ansehen.« Das neue Premium definiert sich nicht mehr über Motorleistung und Fahrvergnügen. Für Digital Natives hat das Auto als Statussymbol ausgedient – im Gegensatz zum dauerhaft genutzten Smartphone. Zum Glück haben Fahrzeuge das Potenzial zum ultimativen Mobilgerät. Sensorik, Rechenleistung und Übertragungstechnik werden immer effizienter und kosten günstiger. Autos kommunizieren untereinander und mit der Umwelt. Autonomes Fahren und Digitalisierung verändern die Infrastruktur: weniger Staus und Unfälle, dafür mehr Komfort und Freiraum für Kommunikation, Unterhaltung und Shopping während der Fahrt. Die neue Freiheit wird aktuell noch von IT-Dienstleistern wie Google oder Apple dominiert.

Automotive-Unternehmen reagieren hier aber bereits, um Herr im eigenen Haus zu bleiben. Ingenieure brauchen im Mobilitätszeitalter 4.0 ein breiteres Fachwissen, nicht nur in Mechatronik-Systemen, sondern auch in Softwareimplementierung. Ebenfalls gewinnen Kommunikations- und IT-Skills an Bedeutung. Da ist sich Prof. Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik sicher. Auch wenn die Entwicklung in Richtung Elektrik, Elektronik und Software geht, werden aber nicht weniger Maschinenbauer gebraucht, versichert Ford-Entwicklungsleiter Krüger, denn Sensorik und Steuergeräte müssen auch verbaut werden.

Der Trend hin zur intelligenten Fahrzeugnutzung

Allerdings erobern auch neue Geschäftsmodelle die Branche. Car-Sharing und E-Hailing – Mitfahrgelegenheiten per App – sättigen zunehmend den Mobilitätsbedarf. Individuelle Neuwagenkäufe nehmen ab. Ähnlich wie bei Flugzeugreisen ist zunehmend nicht mehr der Hersteller entscheidend, sondern das Transportunternehmen. Automobilbauer würden dann zu Zulieferern im B2B-Massengeschäft.

Nachwuchsbedarf besteht in allen Unternehmensbereichen

Wenngleich die Mehrzahl der offenen Stellen im technischen Bereich angesiedelt ist, illustriert Frank Heger, Recruitingverantwortlicher für Deutschland bei der Dräxlmaier Group, dass auch Mitarbeiter anderer Fachrichtungen gesucht werden: zum Beispiel im Einkauf, Vertrieb und in der Rechtsabteilung. In der Entwicklung arbeiten außerdem Mathematiker und Physiker Hand in Hand mit Ingenieuren und IT-Experten an der Mobilität von morgen.


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