Zukunftsmusik: Den Trends auf der Spur

EU-Jugendbotschafter und Trendforscher Ali Mahlodji macht deutlich, wie sich die Arbeit von Ingenieuren verändern wird – und was das für Nachwuchskräfte bedeutet.

Ali, wie entstehen Trends und welche sind in der Ingenieurbranche derzeit besonders deutlich? 
Der Microsoft-Gigant Bill Gates hat 1993 gesagt: »Das Internet ist nur ein Hype.« Damit demotivierte er wahrscheinlich nicht nur seine Mitarbeiter, sondern er verkannte auch einen bedeutenden Trend. Trends sind in den meisten Fällen von gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Bedürfnissen getrieben, wie in der Industrie zu sehen ist: Gerade um Geld zu sparen und Arbeitsabläufe zu vereinfachen, setzen sich Trends wie die Automatisierung durch. Natürlich spielt das auch in der Ingenieurbranche eine große Rolle, ebenso wie das Thema Vernetzung – Technologien, die bereits vorhanden sind, müssen miteinander verknüpft werden, um die Ergebnisse weiter zu optimieren. Ein weiterer Trend ist das Thema Nachhaltigkeit. Wir brauchen globale Lösungen, um verantwortungsvoll mit der Umwelt umzugehen. Dass das bei Konzernen und Verbrauchern angekommen ist, zeigt die Haltung in Sachen Autos. Früher hieß es: Hauptsache groß und viel Power, heute liegt der Fokus mehr auf der Umwelt.

Wie wird sich die Arbeitsweise von Ingenieuren in den nächsten Jahren verändern? 
Ingenieure müssen sich jetzt darauf konzentrieren, nicht nur Experten in ihrem Fachbereich zu sein und alleine am PC zu sitzen. Es kommt immer mehr darauf an, stark in Teams arbeiten zu können, die Wirtschaft zu verstehen und emotional intelligent zu handeln. Laut einer Studie des World Economic Forums, die sich unter anderem mit den aktuell wichtigsten Fähigkeiten von Ingenieuren befasst, liegen Sozialverhalten und Führungsskills deutlich vor Kenntnissen in Technologie und Design. Ingenieure sollten entwicklungsfähig bleiben und als Übersetzer zwischen User und Technologie fungieren, weil die Ansprüche an sie immer komplexer werden. Heutzutage werden ja sogar schon Häuser aus dem 3D-Drucker erstellt! Lebenslanges Lernen ist und bleibt also ein Thema.

Inwiefern trägt der Megatrend Globalisierung zu diesem Mechanismus bei? 
Stell dir vor, du entwickelst in Deutschland eine Technologie und irgendwo anders auf der Welt kommt jemand auf die gleiche Idee und setzt diese etwas besser um als du. Ingenieure arbeiten immer gegen die Zeit – eine neue Technologie wird schneller alt als je zuvor. Es gibt international zahlreiche innovative Start-ups und Unternehmen, die eine direkte Konkurrenz darstellen. Das hat für Ingenieure die Konsequenz, dass sie immer auf dem neusten Stand der Technik sein müssen, um mithalten zu können. Gleichzeitig birgt die Globalisierung allerdings auch einen enormen Vorteil: Ingenieure finden wirklich überall auf der Welt einen Job.

Welcher Bereich der ING-Branche ist derzeit verstärkt auf der Suche nach Nachwuchskräften? 
Es werden dringend fähige Softwareentwickler gesucht. Viele kommen aus Indien und China, Deutschland möchte in diesem Wettbewerb mithalten. In Österreich gibt es die Meinung, dass Softwareentwicklung schon in der Schule als dritte Fremdsprache unterrichtet werden sollte. Da sich alles noch viel mehr digitalisieren wird, müssen Kinder ein Interesse und Verständnis für Technologien entwickeln. In Amerika gibt es ein Sprichwort: ›Software is eating the world‹. Das stimmt in gewisser Weise, denn dieser Bereich ist für Ingenieure ein wahnsinniger Wachstumsmarkt.

 

Ali Mahlodji ist Trendforscher beim Zukunftsinstitut, Persönlichkeitsentwickler, EU-Jugendbotschafter und Gründer der Berufsorientierungsplattform watchado. 
Der Wiener mit persischen Wurzeln hatte bereits 40 Jobs – unter anderem arbeitete er als Ingenieur im Bauwesen und Softwarebereich.  


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