Strommasten im Abendlicht
Ingenieure dürfen in der Energiebranche mit einem vielfältigen Jobangebot rechnen. Foto: @fresonneveld/unsplash

Trendcheck Energiebranche

Die Energiebranche bringt spannende Arbeitsfelder hervor – besonders im Bereich der erneuerbaren Energien

Wie selbstverständlich funktionieren Licht und Herd rund um die Uhr und wir haben immer eine warme Dusche. Ohne die Energiebranche würde in Deutschland jedoch kaum etwas funktionieren. Einer von denen, die die Energieversorgung der Bundesrepublik am Laufen halten, ist Diplom-Ingenieur Artur Borger. Er leitet beim digitalen Stromanbieter Fresh Energy das Business Development und verantwortet das Wachstum mit Geschäftspartnern und Partnerschaften mit Energieversorgern. Seine Aufgaben haben mit einem klassischen Ingenieursjob nicht mehr viel zu tun. Denn die Digitalisierung verändert Berufsbilder von Ingenieuren wie Borger: Von Smart Grids, Smart Meter, Blockchain und Big Data bis hin zu E-Mobilität oder Smart Home – neue Technologien, der Netzausbau und digitale Daten eröffnen neue Tätigkeitsbereiche und Aufgaben. »Meine aktuelle Position gäbe es ohne die Digitalisierung nicht«, sagt Borger. Heute gehe es viel mehr um kundenorientierte Ansätze. Dazu brauche es technisches aber auch wirtschaftliches Verständnis. »Dies hilft, um Innovationen aus beiden Blickwinkeln, sowohl der technischen Machbarkeit als auch dem Kostenaspekt, zu evaluieren«, erklärt Borger. Ähnlich sieht das auch Dr.-Ing. Christian Bogatu, CEO von Fresh Energy: »Früher dachte die Energiebranche eigentlich nur in Zählernummern; Kundenzufriedenheit war ein Fremdwort«, erklärt er. »Die Ingenieure müssen heute in jedem Fall lernen, den Kundennutzen immer in den Fokus ihrer Arbeit zu stellen.«

Neben der Digitalisierung krempelt die Energiewende die Branche derzeit kräftig um: Bis 2025 sollen 40 bis 45 Prozent unserer Energie aus regenerativen Quellen stammen, bis 2050 mindestens 80 Prozent. Ein mächtiges Vorhaben der Politik. Die Nachfrage nach Ingenieuren im Bereich der Erneuerbaren Energien ist entsprechend groß. Alexander Knebel von der Agentur für Erneuerbare Energien erklärt: »Ingenieure müssen sich hier verstärkt auf neue Anlagen-typen mit neuem Design einstellen. In der Solarforschung werden höhere Wirkungsgrade von Solarzellen erzielt. Hierbei müssen Entwicklungsingenieure die Wirtschaftlichkeit der Produkte berücksichtigen.« Einstiegsmöglichkeiten gibt es viele, in der Windbranche sind beispielsweise Bauingenieure, Maschinenbauer und Mechatroniker begehrt, in der Bioenergie vor allem Agraringenieure.  

Wer als Praktikant oder Werkstudent in entsprechende Unternehmen reinschnuppert und regelmäßig Branchennews liest, ist immer auf dem neuesten Stand der sich rasch wandelnden Branche. Es lohnt sich auch, einen Blick auf Karrierepfade abseits der klassischen, stabilen Anstellung bei Stadtwerken oder Netzbetreibern zu werfen. Gerade Start-ups bieten verantwortungsvolle Positionen, in denen Ingenieure direkt an Innova-tionen mitarbeiten können, auch wenn das Gehalt meist etwas geringer ist, als bei den großen Playern. Wer nicht nur technisches Verständnis mitbringt, sondern sich auch in Geschäftsmodelle eindenken kann, hat besonders gute Karten. Christian Bogatu von Fresh Energy kann die Energiebranche nur empfehlen: »Mir gefällt, dass wir dafür sorgen, dass die Menschen sich wohl fühlen. Strom ist zwar selbstverständlich für uns, aber ohne Strom wäre das Leben ein anderes. Wir haben also eine sehr große Verantwortung.«

Arbeiten in der Energiebranche: Stimmen aus der Praxis

Wie arbeitet es sich als Ingenieur in einem Energieunternehmen – wir haben mit Florian Tischer, Wirtschaftsingenieur für Erneuerbare Energien und Mitarbeiter im Bereich Energiewirtschaft beim nergieversorger Polarstern gesprochen:

»Ich kümmere mich vor allem um Energiehandel, Tarifgestaltung sowie Projekte in den Bereichen Mieterstrom und Energieliefer-Contracting. Dabei geht es zum Beispiel um die Begleitung von dezentralen Energieversorgungsprojekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, also von der Planung geeigneter Anlagen bis hin zu Tarifstrukturen. Ich habe mich ganz bewusst für ein Studium im Bereich der Erneuerbaren Energien entschieden. Weil ich die neuen Technologien in diesem Umfeld spannend finde und mit der Energiewende gleichzeitig den Energiemarkt der Zukunft aktiv mitgestalten kann. Außerdem ist das Thema Energie gemessen an seiner Bedeutung in meinen Augen viel zu schwach in unserem Alltag präsent. Das möchte ich ändern und auch die Aufmerksamkeit für den Klimawandel stärker in den Fokus unserer Gesellschaft rücken. Meine Aufgaben bei Polarstern sind sehr abwechslungsreich und jedes dezentrale Energievorhaben auf seine eigene Art und Weise eine Herausforderung. Das beginnt mit der Kombination geeigneter Erzeugungsanlagen und endet mit der tatsächlichen Umsetzung des Projektes in den einzelnen Phasen. Außerdem macht es Spaß mit der eigenen Arbeit seinen persönlichen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels zu leisten.«
 

Fakten zur Energiebranche

  • 44 Milliarden Euro werden nach Schätzungen der Netzbetreiber bis 2025 in das Übertragungsnetz Onshore und Offshore investiert.
  • 6,9 Prozent mehr Gewinn machten die kommunalen Energieversorgungsunternehmen im Jahr 2015. Damit stieg die Rentabilität auf den höchsten Wert seit 2010.
  • 330.000 Menschen arbeiten insgesamt in der Branche der Erneuerbaren Energien. Die Windkraft gehört mit 143.000 Arbeitsplätzen in Deutschland zu den Wachstumsmotoren der Branche.
  • Bundesweit gibt es über 300 Studiengänge im Bereich der Erneuerbaren Energien. Auf dem Informationsportal www.studium-erneuerbare-energien.de gibt es einen Überblick über diese Studiengänge. Mehr zu Einstiegsmöglichkeiten und Arbeitsmarkt findest du auf www.erneuerbare-karriere.de.
  • In Deutschland kümmern sich knapp 980 Unternehmen um die Energieversorgung, mit mehr als 220.000 Beschäftigten. Die Elektrizitätsversorgung kommt auf etwa 770 Unternehmen mit rund 195.000 Beschäftigten. Allein hier wird ein Umsatz von 462 Millionen Euro erzielt. Danach kommt die Gasversorgung mit 14.000 Beschäftigten und die Wärme-/Kälteversorgung mit rund 10.000 Beschäftigten.

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