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Kennenlernen auf der Jobmesse: Personaler und Einsteiger erzählen

Das Vorstellungsgespräch der anderen Art: Auf der Jobmesse kannst du erste Kontakte knüpfen, einen positiven Eindruck vermitteln und so den Weg zum ersten Job ebnen

Die Erwartungen an einen Jobmessebesuch können sich unterscheiden: Die einen möchten vor allem hilfreiche Tipps für die Jobsuche, andere wollen sich über potenzielle Arbeitgeber informieren, wieder andere freuen sich am meisten auf die praktischen Give-aways.

Ausstellern wie der Generali Deutschland Gruppe geht es auf Messen neben dem direkten Mitarbeiterrecruiting auch »um den ersten Kontakt zu den Studierenden, mit dem Ziel, ihnen unser Unternehmen mit seinen Möglichkeiten vorzustellen, damit sie sich bei späteren Stellenausschreibungen an die Gespräche mit uns erinnern und sich bewerben«, berichtet Nicole Markus, Human Resources-Expertin bei der Generali Deutschland Holding.

Erstes Bewerbungsgespräch auf der Jobmesse

Die Jobmesse kann aber auch als eine Art erstes Bewerbungsgespräch auf eine bestimmte Stelle genutzt werden. So wie bei Kathrin Finke, die beim Firmenkontaktgespräch gezielt an den Stand der Generali Deutschland Gruppe gekommen ist. »Da ich nach einer Traineestelle gesucht habe und bei der Vorrecherche in den Ausschreibungen der Generali Versicherungen fündig geworden bin, habe ich auf der Messe gezielt nach Frau Markus, der Ansprechpartnerin, gefragt, um mich persönlich bei ihr vorzustellen.«

Mit Erfolg, denn heute ist Finke Trainee in der Personalentwicklung. Das Gespräch verlief »von Beginn an ausgesprochen positiv«, so HR-Expertin Markus. Auch Finke empfand das Treffen als sehr angenehm: »Man nahm sich viel Zeit, meine Fragen zu beantworten, außerdem konnte ich am Stand noch mit aktuellen Trainees sprechen und erhielt somit einen guten Gesamteindruck«, so die 29-Jährige. Und dann ging alles sehr schnell. Ihre Bewerbungsmappe konnte Finke gleich überreichen und kurze Zeit später wurde sie zum persönlichen Einzelgespräch mit Unternehmensvertretern aus dem Fachbereich und zu einem Assessmentcenter eingeladen. »Und dann kam auch schon der erfreuliche Anruf, bei dem mir die Traineestelle angeboten wurde«, fügt Finke hinzu.

Messebesuch mit positiven Folgen

Ähnlich positiv verlief für Andreas Kolb der Besuch auf der Unternehmenskontaktmesse ›Smile‹ an der Fachhochschule Schmalkalden. Auf der Suche nach einem Praktikum in Asien hat der Wirtschaftswissenschaftler den Stand der Leoni AG, Anbieter von Drähten, optischen Fasern, Kabeln, Kabelsystemen und der dazugehörigen Dienstleistungen für die Automobilbranche, entdeckt. Schnell kam der 28-Jährige mit Robert Manger, Leiter Global Recruiting und HR Marketing, ins Gespräch. »Zuerst war ich interessiert, mehr von meinem Gesprächspartner zu erfahren, anschließend zeigte ich die Möglichkeiten auf, die Leoni als international tätiges Unternehmen bieten kann«, berichtet Manger. Glücklicherweise hatte Leoni eine zu Kolb passende Stelle zu besetzen, für die er sich dann per E-Mail beworben hat. »Den Praktikumsvertrag habe ich etwa eine Woche nach dem ersten Kennenlernen unterzeichnet«, so der 28-Jährige.

Eigentlich hatte der Wirtschaftswissenschaftler nur geringe Erwartungen an den Messebesuch, da ein Großteil der Jobmessen an Fachhochschulen vorzugsweise an angehende Ingenieure oder Absolventen diverser technischer Studiengänge gerichtet ist. »Deshalb war es schön zu sehen, wie sich Leoni auch um andere Fachrichtungen bemüht hat«, fügt Kolb hinzu. Und das mit positiven Folgen, denn nach Ende des Praktikums und erfolgreichem Studienabschluss ist Kolb heute fest als Associate Project Manager Business Activity Robotics bei Leoni beschäftigt. Aber auch wenn es nicht um ein konkretes Stellenangebot geht, kann ein Gespräch auf der Messe für eine spätere Bewerbung hilfreich sein. Das kann Dr. Yvonne Brunsch bestätigen. Eher spontan besuchte sie beim ›junges Chemie Symposium‹ den Stand der Evonik Industries AG, ein Unternehmen der Spezialchemie, über dessen Arbeit sie schon viel wusste. Ganz klassisch hat sie sich dort über Einstiegsmöglichkeiten und das übliche Vorgehen beim Bewerbungsprozess bei Evonik informiert. »Ich war sehr entspannt und habe das Gespräch als Informationsaustausch empfunden«, erinnert sich die 28- Jährige.

Vorbereitung muss sein

Da Brunsch ihre Promotion in technischer Chemie zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen hatte, empfahl ihr Daniel K. Berndt, Employer Branding Manager bei Evonik, sich in absehbarer Zeit über das Evonik-Karriereportal online auf eine Stelle im Bereich Verfahrenstechnik und Engineering zu bewerben. Da »ich nach dem Gespräch auf der Messe den Eindruck hatte, dass Evonik Berufseinsteiger wie mich sucht«, so Brunsch, hatte sie große Hoffnungen in ihre Bewerbung gesetzt und diese wurden nicht enttäuscht – seit Juli 2013 ist sie bei Evonik tätig und arbeitet derzeit als Prozessingenieurin in der Reaktionstechnologie. Erfolgsversprechend kann ein Gespräch aber immer nur dann verlaufen, wenn sich die Studenten im Vorfeld über das entsprechende Unternehmen informiert haben, sind sich die Aussteller einig.

»Ein Blick in die aktuell ausgeschriebenen Positionen vermittelt den Absolventen zudem einen Überblick über die gesuchten Tätigkeitsprofile, woraus sich ein guter Anknüpfungspunkt für ein Gespräch am Messestand ergeben kann. »Ich möchte schon in Erfahrung bringen, ob Interesse an uns als Unternehmen besteht oder ob der Absolvent im Gießkannenprinzip von Stand zu Stand geht«, ergänzt Manger von Leoni.

Markus von der Generali Deutschland Holding erwartet von den Standbesuchern eine möglichst konkrete Vorstellung zu den beruflichen Zielen und Erwartungen in Kombination mit einem deutlichen Interesse am Unternehmen. Um dies zu signalisieren, sollten Interessenten Fragen zu Vita, Studienschwerpunkten und -leistungen sowie Praxiserfahrung, persönlicher Motivation und Karriereerwartungen souverän beantworten können. Letztendlich zählt der Gesamteindruck.

Sei du selbst!

Berndt von Evonik ist generell der Meinung, »ein gutes Gespräch findet immer dann statt, wenn sich zwei Gesprächspartner auf Augenhöhe begegnen, neben einer guten Vorbereitung geht es dabei vor allem auch um den ersten Eindruck, den man als Person vermittelt«. Natürlich legt jedes Unternehmen andere Schwerpunkte und stellt andere Erwartungen an ein Gespräch auf einer Messe, dennoch können wir an dieser Stelle einige allgemeine Tipps zum Messegespräch geben. Vielleicht einer der wichtigsten Ratschläge – nicht nur für Messebesuche – ist, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Auch wenn ein Gespräch nicht so verläuft, wie man es erhofft hat, kann man daraus für das nächste Treffen lernen. Kolb rät, möglichst natürlich aufzutreten, »da man sich später im Beruf ja auch nicht verstellen will«, so der 28-Jährige. Außerdem sollten sich Standbesucher trauen, die Fragen zu stellen, die sie ernsthaft interessieren. Genauso sollten Interessierte aber auch »keine Angst vor ungewöhnlichen Fragen haben und bereit sein, im Gespräch auch mal zu fordern und gefordert zu werden«, so Berndt.

Auch wenn nicht nach jedem Messegespräch ein Stellenangebot winkt, ist der Besuch auf Jobmessen eine Bereicherung für beide Seiten. Schließlich haben Absolventen so die Chance, Unternehmen kennenzulernen, die sie vorher nicht kannten oder nicht als Arbeitgeber in Betracht gezogen haben. Umgekehrt gilt dies selbstverständlich auch für die Aussteller: »Jobmessen eignen sich gut, um das Unternehmen einem breiten Publikum im Detail bekannter zu machen«, resümiert Berndt.


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