Mann läuft an Unternehmen vorbei
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Ab in die Wirtschaft

Junge Juristen sind nicht mehr nur in Kanzleien tätig. Viele entscheiden sich bewusst für eine Karriere im Unternehmen

Der Blick nach links und rechts während des Jurastudiums lohnt sich, denn Großkanzleien sind längst nicht mehr der einzige Karriereweg. Im Gegenteil: Die Arbeitsmarktsituation für Unternehmensjuristen ist rosig: Vereine, Verbände, staatliche Einrichtungen und Unternehmen haben einen großen Bedarf an Absolventen und bieten eine Alternative zu Kanzlei und Staatsdienst.

Auch Dr. Christian Arleth stellte während seines Praktikums bei PETA fest: »Ein Zurück in eine normale Kanzlei oder gar eine Behörde beziehungsweise ein Gericht kommt nicht mehr in Frage.« Er arbeitet nun als Syndikusanwalt bei der Tierrechtsorganisation. Viele Fähigkeiten, die er für seine tägliche Arbeit braucht, eignete er sich allerdings erst im Laufe der Zeit an. »Neben möglichst breit gefächerten juristischen Grundlagen ist auch ein ausgeprägtes Interesse an Spezialgebieten, die in den Examina nicht geprüft werden, wie Tierschutz-, Naturschutz-, Jagd- und Umweltschutzrecht Voraussetzung«, so Arleth. »Wenn wir beispielsweise Staatsanwaltschaften davon überzeugen wollen, dass der Einsatz des Elefantenhakens in Zoos oder das Veranstalten von Taubenwettflügen Tierquälerei sind, betreten wir juristisches Neuland und müssen schon aus diesem Grund mit Widerständen rechnen.«

Auch Fabian Piltz, Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz bei Zalando, mochte keinen klassischen Karriereweg einschlagen: »Ich wollte in einem modernen und international agierenden Unternehmen tätig sein, das sich ständig bewegt, seine bestehenden Geschäftsmodelle vorantreibt und neue Geschäftsideen entwickelt.« Heute erstellt er als Syndikusanwalt Risikoanalysen, bei denen er neben den rechtlichen Sachverhalten auch die allgemeinen Chancen des Unternehmens berücksichtigt – in Projekten arbeitet er dabei mit internationalen Kollegen zusammen.

Viele junge Juristen gehen inzwischen diesen Weg. Denn Unternehmen punkten mit mehreren Vorzügen: Oft bieten sie eine bessere Work- Life-Balance. Auch hier kann die Woche mal lang werden, es gibt dafür aber auch genug Tage, an denen es tatsächlich um fünf Uhr nach Hause geht. Und nicht nur das, auch der Einstieg kann leichter sein. Zwar legen viele Unternehmen Wert auf zwei vollbefriedigende Examen, bei Mittelständlern reicht aber manchmal auch eine durchschnittliche Note. Das soll natürlich keine Aufforderung zum Schludern sein, denn die Einstellungskriterien sind dennoch anspruchsvoll. Immerhin liegt das Gehalt für Syndikusanwälte zwischen 48.000 und 60.000 Euro, bis zu 90.000 können es bei Großkonzernen sein.

Ein gutes Verständnis für wirtschaftliche und unternehmerische Zusammenhänge ist für einen Syndikusanwalt ein Muss. »Studenten sollten die während des Studiums angebotenen Möglichkeiten nutzen, um Verhandlungsgeschick, rhetorische Fähigkeiten und Präsentationssicherheit aufzubauen«, so Rechtsanwalt Konrad Klimek, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der AG Syndikusanwälte im Deutschen Anwaltverein. Ergänzend sei die Fähigkeit zum schnellen Erfassen von unternehmensspezifischen Sachverhalten für die tägliche Arbeit unerlässlich. Hier gelte es auch, einem Nichtjuristen juristische Bewertungen einfach und verständlich zu erklären, ergänzt Bina Brünjes. Sie leitet beim Personaldienstleister Hays den Bereich Legal, der Volljuristen an Unternehmen und Kanzleien vermittelt. Auch gute Englischkenntnisse seien ein Muss, da die Tätigkeit selbst zunehmend internationaler wird. »Ein LL.M.- Studium wäre daher für eine Inhouse-Position einem Promotionsstudium vorzuziehen.«

Mit diesem Handwerkszeug sind Absolventen gut für eine Karriere im Haifischbecken der freien Wirtschaft gerüstet – und dürfen sich auf ein dynamisches und spannendes Arbeitsleben freuen.

Das kannst du verdienen:

Das Einstiegsgehalt eines Unternehmensjuristen kommt stark auf Branche und Unternehmensgröße an – auch eine Promotion kann dir auf dem Gehaltsscheck noch einmal eine Steigerung einbringen. Im Durchschnitt verdienen Einsteiger im Mittelstand 48.000 bis 60.000 Euro Jahresgehalt, Großkonzerne bieten 75.000 bis 90.000. Am besten entlohnt werden Unternehmensjuristen in der Pharmaindustrie, wo das Jahresgehalt auf bis zu 113.500 Euro steigen kann.

Was Unternehmen gerne sehen wollen:

Auch Unternehmen legen wert auf einen guten Abschluss. Dax-Konzerne erwarten von dir meist zwei ›Vollbefriedigend‹, auch eine Promotion oder ein LL.M. sind gerne gesehen. Bei Mittelständlern sind die Einstiegsbedingungen eventuell lockerer – das spiegelt sich aber auch im Gehalt wider.

Zukunft in Recht! 

Welcome to the future!

Legal Tech nennt sich eine noch relativ neue Branche, in der sich per Software Verträge auslesen und Rechtsfragen digital bearbeiten lassen. Ein Tipp für junge Juristen: Es mag zwar mühsam sein, sich Wissen in Data Science oder Informatik eigenständig anzueignen – wird sich aber in Zukunft bezahlt machen.

Examen versemmelt?

Ja, große Konzerne legen Wert auf das Staatsexamen, sind heute aber nicht mehr das einzige Karrieresprungbrett für junge Juristen. Bleibt das Vollbefriedigend aus, lohnt sich ein Blick auf Verbände, Kammern, diverse Ämter oder europäische und international agierende Organisationen.


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