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Interview: Perfekter Einstieg in der Großkanzlei

Wie kann der Einstieg in einer Großkanzlei gelingen und warum gibt's im Himmel keine Anwälte? Juristin Dr. Ann-Christin Wiegemann (LL.M.) hat Antworten.

Frau Dr. Wiegemann, warum haben Sie sich gerade für eine juristische Laufbahn entschieden?

Als ich die Entscheidung damals getroffen habe, waren meine Beweggründe, dass ich später international arbeiten wollte und gerne Fremdsprachen lerne beziehungsweise nutze. Direkt nach dem Abitur konnte ich mir auch noch vorstellen, zum Auswärtigen Amt zu gehen. Ich habe mich dann aber für ein Jurastudium entschieden, eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung gemacht und bis zur Zwischenprüfung auch Politikwissenschaften studiert.

Im Studium habe ich dann gemerkt, wie facettenreich Jura ist. Man lernt eine andere Sicht der Dinge anzunehmen und wird mit den unterschiedlichsten Lebenssachverhalten und Konflikten konfrontiert, für die man adäquate Lösungen finden muss. Das fand ich sehr spannend und es hat bewirkt, dass ich dann den Beruf der Rechtsanwältin gewählt habe.

Wie sind Sie zu Linklaters gekommen?

Ich hatte bei einer Recruitingveranstaltung am Europakolleg mit einer Partnerin aus dem Brüsseler Büro von Linklaters gesprochen, die mir für den Bereich ›regulierte Märkte‹, für den ich mich interessierte, Berlin empfohlen hat.

Als dann noch zufällig eine Freundin genau im Berliner Büro ihre Anwaltsstation gemacht und nur Positives berichtet hat, habe ich mich ebenfalls für meine Anwaltsstation dort beworben. Die hat mir wiederum so gut gefallen, dass ich dann das Angebot von Linklaters angenommen und als Rechtsanwältin im Energiewirtschaftsrecht angefangen habe.

Was reizt Sie an der Arbeit in einer Großkanzlei?

Mich reizt besonders die Größe und Internationalität der Mandate. Ich arbeite an Fällen mit, über die man sonst nur über die Presse erfährt, in denen große Unternehmen oder Finanzinstitute vertreten werden. Zudem spielen sich viele Fälle in mehreren Jurisdiktionen ab. Dadurch komme ich regelmäßig mit Kollegen aus anderen Ländern in Kontakt und kann über den Tellerrand des deutschen Rechts hinausblicken. Dabei bin ich Teil eines großen Teams und sitze nicht als Einzelkämpfer im stillen Kämmerlein.

Auf welches Rechtsgebiet haben Sie sich spezialisiert?

Ich bin dabei mich im Energiewirtschaftsrecht zu spezialisieren. Das ist ein Bereich, mit dem man im Studium eher selten in Berührung kommt. Mein Interesse wurde durch einen Kurs geweckt, den ich während meines Masterstudiums am Europakolleg belegt hatte. In der Anwaltsstation konnte ich das Gebiet in der Praxis ausprobieren. Besonders spannend finde ich, dass das Energiewirtschaftsrecht sehr politisch ist, viele europarechtliche Bezüge hat und sich zudem rasant fortentwickelt.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Fall erinnern?

Bei Linklaters wurde ich von Anfang an intensiv in die Mandatsarbeit involviert. So war ich etwa mit eingebunden, als wir die australische Investmentbank Macquarie beim Kauf von Thyssengas, dem deutschen Gasfernleitungsnetz des RWE-Konzerns, beraten haben. Hierbei war besonders spannend für mich, dass ich als Teil eines internationalen Teams eine solche hochkarätige, grenzüberschreitende Transaktion miterleben konnte.

Worin sehen Sie im Umgang mit Mandanten die größte Herausforderung?

Als Rechtsanwältin sollte man neben den Fachkenntnissen auch das nötige Fingerspitzengefühl für den Umgang mit den unterschiedlichsten Mandanten haben. Wichtig ist auch, Mandanten richtig einschätzen zu können und im Gespräch den richtigen Ton zu treffen. Vor allem muss man in der Lage sein, komplexe juristische Sachverhalte vereinfacht darzustellen, so dass sie auch für Nichtjuristen verständlich sind.

Welche Aufstiegsmöglichkeiten bietet Ihnen Ihre Arbeit bei Linklaters?

Nach dem Einstieg als Associate kann man nach drei bis vier Jahren zum Managing Associate ernannt werden. Zu dieser Funktion gehört etwa, den Partner bei der Geschäftsentwicklung und Leitung des Teams zu unterstützen und Mandate auch eigenständig zu steuern. Nach drei bis vier weiteren erfolgreichen Jahren ist mit der Aufnahme in die Partnerschaft der nächste Karriereschritt möglich.

Haben Sie einen Lieblingswitz über Anwälte?

Die Grenze zwischen Himmel und Hölle ist von Unbekannten beschädigt worden. Der Teufel schickt folgendes Telegramm an Gott: »Unsere Anwälte hier unten meinen, dass der Himmel die Reparatur vornehmen muss.« Gott antwortet: »Müssen wir wohl. Können nämlich hier oben keinen Rechtsanwalt finden.«

Welche Tipps können Sie Jura-Absolventen geben?

Was Großkanzleien bei Bewerbern immer gerne sehen, sind im Ausland erworbene Englischkenntnisse. Zudem glaube ich, dass es für die eigene Zufriedenheit mit der Berufs- und Kanzleiwahl am wichtigsten ist, zuvor über wissenschaftliche Mitarbeit oder Referendarsstationen Einblicke in das Tätigkeitsfeld zu bekommen, für das man sich interessiert, sowie insbesondere auch die Leute in der jeweiligen Kanzlei besser kennenzulernen. Ob eine Kanzlei in einem bestimmten Rechtsgebiet interessante Fälle bearbeitet, kann man etwa einschlägigen Zeitschriften entnehmen. Was am besten zu einem passt, wird man verlässlich ›im Praxistest‹ herausfinden.



Linklaters LLP

ist eine weltweit tätige Wirtschaftskanzlei mit 26 Büros in 19 Ländern. Mit rund 540 Partnern und 2.400 Anwälten berät die Kanzlei Unternehmen, Finanzinstitute und Regierungen bei Fragen im Wirtschafts- und Steuerrecht. In Deutschland ist Linklaters an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt a.M. und München vertreten.


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