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Kanzleileben

Wie verläuft der Einstieg, wie gut bereiten Uni und Referendariat wirklich vor und: Anwaltsserien vs. Alltag

Sandy Riemer arbeitet für die Kanzlei Fischer Rechtsanwälte in den Bereichen Familien- und Strafrecht

Frau Riemer, was sind Ihre Aufgaben als Anwältin für Familienrecht?

Ich stehe unseren Mandanten sowohl gerichtlich als auch außergerichtlich bei. Hierbei muss es sich nicht immer um Konfliktsituationen handeln, da wir ebenfalls in puncto Eheschließung beraten und helfen, Vorkehrungen zu treffen, beispielsweise durch das Erstellen eines Ehevertrags. Sofern es sich um eine Scheidungsangelegenheit handelt, gilt es, sämtliche hiermit zusammenhängende Themen wie den Versorgungsausgleich und finanzielle Angelegenheiten zu klären. Darüber hinaus ist es besonders wichtig, bei gemeinsamen Kindern der Beteiligten eine einvernehmliche Lösung hinsichtlich des Sorge- und Umgangsrechts der Eltern zu finden.

Das sind schwierige Themen. Wie gut waren Sie durch Uni und Referendariat auf die Realität vorbereitet?

Familienrecht spielte eher eine untergeordnete Rolle im Studium und auch im Referendariat. Mit den dort erlernten Basics konnte ich jedoch gut arbeiten und Wissen aufbauen. Letztlich gilt es jedoch, nicht nur in der Realität Wissen zu vermitteln, sondern den Mandanten auch zu helfen, die einzelnen Vorgänge zu verstehen. Dies benötigt meines Erachtens Praxiserfahrung, die selbstredend weder im Studium noch im Referendariat vermittelt werden kann.

Realität oder Fiktion: Wie nahe kommen Anwaltsserien dem Alltag?
Anwaltsserien sind nicht sehr realistisch. Sie vermitteln häufig ein falsches Bild des anwaltlichen Berufsfeldes. Völlig absurd ist die Darstellung, dass der Anwalt rund um die Uhr nur einem Mandanten zur Verfügung steht und mit diesem auch häufig spektakuläre Auswärtstermine wahrnimmt. Dies ist praktisch nicht möglich, da täglich mehrere Mandate parallel bearbeitet werden müssen. Dennoch möchte ich besonders bei amerikanischen Serien einen gewissen Unterhaltungswert nicht in Abrede stellen.


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Martin Weiß ist als Rechtsanwalt und Steuerberater Associate Partner bei Rödl & Partner

Herr Weiß, wie verlief der Einstieg in die Kanzlei?

Nach dem schriftlichen zweiten Examen wollte ich aus Neugierde eine größere Kanzlei kennenlernen. In Nürnberg ist Rödl & Partner mit inzwischen über 800 Mitarbeitern der ›Platzhirsch‹ in der Beratungsbranche, aber trotzdem ein Familienunternehmen – das fand ich spannend. Seit 2008 arbeitete ich in einem Steuerrechtsteam zunächst als Rechtsanwalt. 2010 habe ich dann noch zusätzlich das Steuerberaterexamen gemacht. Ich bin eher zufällig im Steuerrecht gelandet, habe mich aber sofort wohlgefühlt und bin dabei geblieben.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Mein Arbeitstag startet zwischen 8 und 9 Uhr. Als Strukturberatungsteam streiten wir seltener vor Gericht, sondern helfen unseren Mandanten in der Regel, Projekte ohne steuerliche Nachteile über die Bühne zu bringen. Praktisch bedeutet das viel interdisziplinäre und oft auch internationale Teamarbeit. Feierabend mache ich meistens gegen 19 Uhr.

Das klingt anstrengend. Was gefällt Ihnen denn besonders an Ihrem Job?
Sehr viel Spaß macht mir die Zusammenarbeit mit großartigen Kollegen an immer wieder neuen, spannenden Fällen und das gemeinsame Finden von Lösungen für die oft kniffligen Fragen unserer Mandanten.

Welchen Tipp geben Sie einem angehenden Juraabsolventen für einen erfolgreichen Berufseinstieg?
Finde ein Team, das zu dir passt: Eine motivierende Mannschaft ist die Grundlage für erfolgreiches Arbeiten. Versuche außerdem, nach den vielen Semestern, in denen du im Gutachtenstil geschrieben hast, unternehmerisch zu denken – welche Antworten und Informationen braucht der Mandant? Und bleibe in alle Richtungen hin neugierig und offen!