Gerechtigkeitsstatue
Karriere in der Mittelstandskanzlei

Karriere im Kanzleimittelstand: Team schlägt Geld

Kollegialität, intensiver Kontakt mit Mandanten – die Karriere in der Mittelstandskanzlei hat viel zu bieten. Außerdem haben wir in der Praxis nachgefragt: Wer stellt ein in 2016?

Kürzere Kommunikationswege, mehr persönlicher Gestaltungsspielraum sowie größere unternehmerische Beteiligungsmöglichkeiten – die Vorzüge einer mittelständischen Kanzlei mit etwa 20 bis 100 Berufsträgern liegen auf der Hand. Knapp ein Drittel der in einer Erhebung des trendence Insituts aus dem Jahr 2015 befragten Juraabsolventen würden ihre berufliche Laufbahn am liebsten in einer mittelständischen Kanzlei beginnen – nach dem Öffentlichem Dienst und den Großkanzleien Rang Drei auf der Beliebtheitsskala juristischer Arbeitgeber. Natürlich ist die Frage nach der Organisationsform einer Kanzlei auch eine Frage des Geldes für Berufseinsteiger. Fakt ist, im Salär zeigt sich ein deutlicher Unterschied vom Kanzleimittelstand zum großen Bruder Großkanzlei: Hier können Absolventen derzeit mit einem Jahresbruttogehalt von 38.000 bis 55.000 Euro rechnen, deutlich weniger als in Groß- und Wirtschaftskanzleien. Aber: Geld ist eben nicht alles. In mittelständischen Kanzleien kennen sich die Anwälte besser als in riesigen Kanzleien mit anonymen Großraumbüros.

Matthias Nordmann, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht und Partner der Kanzlei SKW Schwarz, weiß die Arbeit im Kanzleimittelstand zu schätzen: »Wir arbeiten in kleinen Teams. Die Zusammenarbeit mit dem mandatsführenden Partner ist dabei direkt und intensiv.« In der Kanzlei sei ein reger Austausch zwischen den Teammitgliedern, begonnen beim Briefing, über Rückfragen, den Bericht über den Fortgang der Sache bis hin zum Feedback selbstverständlich, berichtet Nordmann weiter. »Die Türen stehen bei uns stets offen. Zudem gibt es immer die Möglichkeit, sich auch innerhalb der Praxisgruppe mit anderen Anwälten auszutauschen.« Gerade Berufseinsteiger können von der kollegialen Arbeitsweise und der steilen Lernkurve im Kanzleimittelstand profitieren. Die rührt vor allem daher, dass junge Anwälte in mittelständischen Kanzleien häufig recht schnell eigenverantwortlich Mandate betreuen können und dabei von Anfang an in Kontakt mit den Mandanten stehen.

Etwas weniger strikt als in Großkanzleien sind die Anforderungen bezüglich juristischer Formalqualifikationen von Bewerbern. Eine Promotion ist keine zwingende Einstellungsvoraussetzung. Das sieht auch Nils Greve, Rechtsanwalt bei der Schindhelm Rechtsanwaltsgesellschaft so: »Es kommt sicher nicht nur auf die Noten im Examen an, wobei nach meiner Einschätzung ein Fokus auf dem zweiten Staatsexamen liegt. Ob eine Promotion erforderlich ist, muss jede Kanzlei für sich selbst definieren. Ich selbst bin nicht promoviert und hatte auch nie das Gefühl, dass dies ein Nachteil für mich ist.«

Wir haben nachgefragt: Welche Kanzleien stellen 2016 ein?

Wie viele Neueinstellungen von Bewerbern aus den Rechtswissenschaften planen Sie bis Ende 2016?

»Noerr plant auch 2016 wieder 50 bis 60 Berufseinsteiger einzustellen. Daneben suchen wir jährlich je 100 Referendare, 100 Praktikanten und 50 bis 60 wissenschaftliche Mitarbeiter oder Studenten in Nebentätigkeit.« Dr. Thorsten Reinhard, Partner Noerr LLP

»Wir planen mit 40 Neueinstellungen für das Jahr 2016.« Petra Freud, Referentin Human Resources Heuking Kühn Lüer Wojtek

»Bis Ende 2016 gehen wir aktuell von einem Einstellungsbedarf von 40 bis 50 Associates und cira 180 Nachwuchsjuristen aus. Davon suchen wir jeweils etwa 60 Praktikanten, 60 wissenschaftliche Mitarbeiter und 60 Referendare.« Sebastian Argast, HR Marketing Officer Allen & Overy LLP

»Bis Ende 2016 planen wir, voraussichtlich 50 Volljuristen in unseren vier deutschen Büros einzustellen.« Claudia Trillig, HR Director Baker & McKenzie Deutschland und Österreich

»Wir planen bis Ende des Jahres sechs Anwälte im Baurecht, Öffentlichen Recht und Kartellrecht einzustellen.« Dr. Michael Winkelmüller, Partner Redeker Sellner Dahs

»Wir bieten pro Jahr circa 20 Referendarsplätze, etwa 20 Praktikumsplätze sowie fünf bis zehn Positionen für Berufseinsteiger.« Valerie Gundlach, LL.M., Rechtsanwältin im Bereich Gesellschaftsrecht/M&A Menold Bezler Rechtsanwälte Partnerschaft mbB

»Für 2016 gedenken wir, acht bis zehn Volljuristen, 25 Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter sowie 15 Praktikanten einzustellen.« Myriam Schilling, Partnerin Oppenhoff & Partner 


Anzeige

Anzeige