Mann vor Whiteboard mit Erdball

Patentanwalt: Gehalt, Berufsbild, Studium

Für das Patentrecht braucht es kein Staatsexamen, sondern technisches Verständnis

Was haben die amerikanische Freiheitsstatue, Playmobil-Figuren aus Mittelfranken und das Pistolenmodell Colt gemeinsam? Im ersten Moment – offen gestanden – sehr wenig, außer vielleicht ihre weitreichende Bekanntheit. Vielmehr jedoch verbindet sie, dass ihre ›Erfinder‹ sich ihre Innovation durch ein Patent haben schützen lassen, um sich vor übereifrigen Nachahmern zu schützen.

Ob Samuel Colt 1836 mit seiner Erfindung zu einem Patentanwalt gegangen ist, entzieht sich unserer Kenntnis, aber heutzutage würde er dies sicherlich tun. Wie auch viele andere, die ihre Idee »entweder vor Nachahmung schützen oder Geld für deren Nutzung verlangen wollen«, weiß Petra Knüfermann, Pressesprecherin vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA).

Patentanwalt: Gehalt

Wie immer ist das Gehalt eines Patentanwaltes stark abhängig von der Berufserfahrung und der Reputation. Einsteiger, die noch keine Berufserfahrung als Patentanwalt haben, können mit rund 3.000 Euro Gehalt rechnen. Je nach Einsatzgebiet und Unternehmen, kann das Einstiegsgehalt auch bis zu 6.000 Euro betragen.

Später steigert sich das Gehalt eines Patentanwalts selbstverständlich - Spitzenverdiener in diesem Beruf erhalten Gehälter bis hin zu 13.000 Euro monatlich.

Patentanwalt: Aufgaben und Studium

Die Aufgabe von Patentanwälten ist es, die Mandanten dabei zu unterstützen, ihre Erfindung bis zum Patent zu bringen. Entgegen der weitläufigen Meinung, die über 3.000 deutschen Patentanwälte wären, wie der Name suggeriert, Juraabsolventen, arbeiten vielmehr Chemiker, Biologen und Maschinenbauer in diesem Beruf.

Klassisch seien Abschlüsse in den Naturwissenschaften Chemie, Biologie, Physik sowie in den Ingenieurwissenschaften wie Maschinenbau und Elektrotechnik. Es ist zwar eine juristische Tätigkeit, aber Voraussetzung für die 36 Monate dauernde Ausbildung zum Patentanwalt ist ein Master- oder Diplomabschluss einer Universität mit Promotionsrecht in einem überwiegend technisch oder naturwissenschaftlichen Studium sowie ein Jahr praktisch-technischer Tätigkeit, erklärt Dr. Doris Walter, Leiterin des Referats Patentanwalts- und Vertreterwesen des DPMA.

Dr. Isabelle Exius, Patentanwältin in der Patentanwaltskanzlei Gottschald, hat einen Abschluss in Physik und sieht in der Arbeit als Patentanwalt die perfekte Möglichkeit, neueste Technik mit (Fremd-)Sprachenkenntnissen zu verbinden. Denn Sprache ist mitunter das wichtigste Werkzeug der Anwälte, schließlich ist die Aufgabe die Beratung der Mandanten zur Erlangung und Durchsetzung möglicher Schutzrechte, Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Ausarbeitung von Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen.

Patentanwalt: Sprache und Verständnis wichtig

Besonders wichtig ist die Formulierung der Erfindung, damit ein erteiltes Patent einen größtmöglichen Schutzumfang gewährt. Bis so eine Patentanmeldung auf Patentfähigkeit geprüft ist, kann einige Zeit vergehen, denn es gilt zum Beispiel, weltweite Datenbanken zu durchforsten, um den Stand der Technik zu recherchieren und zu entscheiden, ob ein europaweites Patent sinnvoll ist. »Das Anspruchsvolle dabei liegt darin, das Wesen der Erfindung zu verstehen«, fasst die Referatsleiterin zusammen.

Gerade aus diesem Grund wird ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium vorausgesetzt. Das juristische Handwerk lernen die Anwärter während der Patentanwaltsausbildung. Exius hat sich bereits 2007 zum Ende ihrer Diplomarbeit für die dreijährige Ausbildung entschieden, die mindestens 26 Monate bei einem Patentanwalt oder Patentassessor in der Patentabteilung eines Unternehmens, zwei Monate beim DPMA und sechs Monate beim Bundespatentgericht umfasst.

Seit Juli 2014 ist sie als Patentanwältin tätig und betreut nicht nur Patentanträge im Bereich Physik, sondern auch Erfindungen aus der Medizintechnik, der Elektronik und dem Maschinenbau. Zwingend notwendig ist eine Zusammenarbeit mit einem Patentanwalt für die Anmeldung des Patentes zwar nicht, aber gerade bei wertvollen Erfindungen ist das Heranziehen eines Patentanwalts sinnvoll.

Besonders im Hinblick auf die durchaus kompliziert anmutenden Anmeldungsunterlagen, die folgende Punkte beinhalten müssen: einen Antrag auf Erteilung des Patents, in dem die Erfindung kurz und genau bezeichnet ist, einen oder mehrere Patentansprüche, in denen angegeben ist, was als patentfähig unter Schutz gestellt werden soll, eine Beschreibung der Erfindung sowie Zeichnungen, auf die sich die Patentansprüche oder die Beschreibung beziehen. »Der wichtigste Bestandteil sind die Patentansprüche und sollten daher sehr präzise formuliert werden«, fügt Knüfermann vom DPMA hinzu. Gerade hier lohnt sich der Kontakt zum Patentanwalt.

Patentanwälte: Erfindergeist soll sich lohnen

Von der Einreichung einer Patentanmeldung bis zur Erteilung oder Zurückweisung dieser können zwei bis drei Jahre vergehen. »Nach meinem Wissensstand hat ein Prüfer gerne mal 200 Anmeldungen auf dem Tisch, die er nach und nach zu bearbeiten hat«, fügt Exius hinzu. Aber der Aufwand lohnt sich, schließlich soll erfinderischer Geist auch honoriert und geschützt werden. Dann kann eine Erfindung auch zum Erfolg werden – wie die des deutschen Physikers Stefan Hell: In den 1990er Jahren ließ er das Verfahren zur hochauflösenden Lichtmikroskopie patentieren (DE 44 16 558 C2), im Dezember bekommt er für sein darauf aufbauendes Mikroskop, das STED-Nanoskop (Stimulated Emission Depletion), den Nobelpreis für Chemie.

 

 


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