Mann schreibt neben Laptop auf Notizblock
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So klappt es mit dem Kanzlei-Einstieg

Diese Fähigkeiten sollten Juristen in spe für ihre Karriere mitbringen

»Wir suchen nicht Germany’s Next Top Lawyer, sondern Charakterköpfe und Anwaltspersönlichkeiten«, antwortet Dr. Christoph Nolden auf die Frage, welche Soft Skills ihm bei Bewerbern besonders wichtig sind. Selbstverständlich, so der Rechtsanwalt bei SZA Schilling Schutz & Anschütz in Frankfurt, würden sie sich über Sprachkenntnisse, wirtschaftliche Zusatzqualifikationen oder wissenschaftliche Publikationen freuen. Allerdings seien auch die Kandidaten spannend, die die Sydney-Hobart-Regatta gesegelt, Bundesligaschiedsrichter oder Romanautoren sind.

Gutes Examen oder super Soft Skills? Beides!

Um Umkehrschluss bedeutet dies aber nicht, dass Noten weniger zählen: »Wir nehmen die Qualifikation unserer Anwälte durch zwei Prädikatsexamen mit der Note ›vollbefriedigend‹ sehr ernst. Eine fachlich passende Promotion oder ein Masterabschluss sind ebenso wie eine wissenschaftliche Tätigkeit an einem Lehrstuhl eher eine Ergänzung als eine Kompensation«, erklärt Nolden weiter. Sehr gute Noten sind auch bei SKW Schwarz eine Voraussetzung. Wünschenswert sind auch hervorragende Englischkenntnisse, Promotion oder der LL.M. »Ausschlaggebend sind für uns aber auch eine unternehmerische Anwaltspersönlichkeit mit hohem Engagement, Leistungswillen und Praxisnähe«, sagt Dr. Matthias Nordmann, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht und Partner bei SKW Schwarz in München. Punkten können Bewerber dabei aber immer beim persönlichen Gespräch.

Das erste Kennenlernen

Das persönliche Gespräch: Es kommt nicht selten vor, dass dem Bewerber mehr als eine Person gegenübersitzt. Wie das Gespräch letztlich abläuft, hängt von den Gesprächspartnern und Unternehmen ab. Bei Schaffer & Partner in Nürnberg beispielsweise dauert das Gespräch zwischen einer und eineinhalb Stunden, in dem nicht nur fachliche Themen zur Sprache kommen. Als ein »formloses Gespräch« bezeichnet Dr. Horst Schaffer, Gründungspartner der Kanzlei, das erste persönliche Kennenlernen.Bei SZA Schilling, Zutt & Anschütz lernen die Bewerber beim ersten Gesprächsterminen in der Regel zwei bis drei Partner sowie einige Associates aus den Teams kennen: »Häufig schließt sich an das Gespräch ein weiteres Gespräch an, in dem die Kandidaten mit weiteren Partner oder angestellen Anwälten sprechen oder die Gelegenheit nutzen, ein weiteres Büro kennenzulernen«, erläutert Nolden.

Wie sieht es aus mit Assessment Center und Fallstudien? Darauf würden sie verzichten, so der Anwalt. Das Ziel der Gespräch sei eher das wechselseitige Kennenlernen und der Austausch über eine gemeinsame Tätigkeit in der Kanzlei. Kommunikations- und Teamfähigkeit ist hier wohl eine der meistgenannten Soft Skills, die Bewerber mitbringen sollten. Schließlich arbeite man nicht »gegeneinander, sondern miteinander«, wie Schaffer betont. Nordmann von SKW Schwarz fügt noch hinzu, dass Selbstbewusstsein einen wichtigen Punkt bei Einstellungen darstelle. Wer überzeugt hat, kann in den meisten Fällen auch davon ausgehen, dass er in den ersten Monaten eine intensive Einarbeitung erlebt. Ob dies nun in Form von Mentoren-Programmen, Ausbild der Soft Skills oder die Teilnahme an internen und externen Fachanwaltskursen stattfindet, ist abhängig von der jeweiligen Kanzlei. »Wir versuchen, die Neuen an der Hand zu nehmen«, sagt Dr. Schaffer und fügt hinzu: »Dumme Fragen sind erwünscht.« 


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