Berufsbild: Anwalt für Arbeitsrecht

William Cho / pixabay.com unter CCO Public Domain

Als juristisches Spezialgebiet ist das Arbeitsrecht von einem besonderen Reiz für Jura-Studenten und solche, die es werden wollen: Es ist gleichzeitig lebensnah, dynamisch und vielfältig. Denn jeder Erwerbstätige gerät automatisch mit dem Arbeitsrecht in Kontakt. Daher handelt es sich um eines der größten und umfangreichsten Rechtsgebiete in Deutschland. Außerdem gehört Jura, eigentlich Rechtswissenschaften genannt, zu den beliebtesten Studienfächern. Wir verraten dir, was du über den Beruf als Anwalt für Arbeitsrecht alles wissen musst und wie das Jura-Studium aufgebaut ist.

Was macht ein Anwalt für Arbeitsrecht?

Wie wichtig das Arbeitsrecht wirklich ist, wird vielen erst bewusst, wenn sie in Konflikt mit ihrem Arbeitgeber geraten. Ein Anwalt für Arbeitsrecht hilft den Betroffenen dabei, die Sache zu klären und steht für ihre Rechte ein, er ist also für den Schutz von Arbeitnehmern zuständig. Das kann außergerichtlich oder vor dem Arbeitsgericht erfolgen.

Generell teilt sich der Aufgabenbereich eines Arbeitsrechtsanwaltes in zwei Teilgebiete auf, in das Individualarbeitsrecht und das Kollektivarbeitsrecht. Ihnen lassen sich mehrere Bereiche zuordnen, was das Berufsfeld eines Anwaltes für Arbeitsrecht sehr abwechslungsreich und vielfältig macht. Bei einem spezialisierten Fachanwalt wie diesem sind im Rahmen des individuellen Arbeitsrechtes die Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Mandanten.

Das individuelle Arbeitsrecht befasst sich beispielsweise mit Arbeitsverträgen, Gehaltsregelungen und Arbeitszeiten. Ein Anwalt für Arbeitsrecht geht unter anderem gegen schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung oder Mobbing an. Außerdem behandelt er Sachverhalte, die das Bewerbungsverfahren oder die Kündigung betreffen.

Das kollektive Arbeitsrecht regelt die rechtlichen Beziehungen zwischen Gewerkschaften, Betriebsräten auf der einen sowie Arbeitgeberverbänden und Arbeitgebern auf der anderen Seite. Dazu gehören das Arbeitskampfrecht, Mitbestimmungsrecht und Tarifvertragsrecht. Es geht dabei nicht um individuelle Sachverhalte zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern um einen weiter gefassten Rahmen.

Welche Voraussetzungen gibt es für diesen Beruf?

Wenn du Rechtsanwalt werden möchtest, musst du zunächst erfolgreich ein Studium der Rechtswissenschaften absolvieren. Dass dies nur an Universitäten möglich ist, wird in der Regel ein Abitur vorausgesetzt. Für einen erfolgreichen Hochschulabschluss müssen Studenten die Prüfungen des ersten und zweiten Staatsexamens bestehen. Danach erfolgt die Zulassung durch die Rechtsanwaltskammer.

Der Aufbau der juristischen Ausbildung sieht folgendermaßen aus: Bis zum ersten Staatsexamen dauert es für gewöhnlich etwa neun Semester. Diese teilen sich auf in ein Grundstudium von vier Semestern und ein Hauptstudium von fünf Semestern. Während des Grundstudiums gibt es Pflichtfächer, die jeder belegen muss, und im Hauptstudium Schwerpunktfächer wie Internationales Recht oder Strafrecht, die nach eigenen Interessen gewählt werden können. Zu den Pflichtfächern gehören unter anderem das Bürgerrecht und das Arbeitsrecht.

Darauf folgen weitere vier Semester, in denen sich die Studenten im Rahmen eines Referendariats, auch Vorbereitungsdienst genannt, auf das zweite Staatsexamen vorbereiten. Das ist der praktische Teil der juristischen Ausbildung, bei dem du auch eine Vergütung erhältst. Hier kannst du erste berufliche Erfahrungen sammeln. Dein Referendariat solltest du bei einem Fachanwalt absolvieren, dessen Spezialisierung deinem Schwerpunktfach entspricht. Das gleiche gilt für Praktika.

Mit dem bestandenen zweiten Staatsexamen bist du Volljurist und kannst Anwalt, Notar oder Richter werden. Um den Titel „Fachanwalt für Arbeitsrecht“ führen zu dürfen, muss ein Anwalt nach § 10 der Fachanwaltsordnung (FAO) bestimmte theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen vorweisen können. Außerdem ist ein jährlicher Nachweis über Fortbildungsmaßnahmen erforderlich. Der ist beispielsweise dann erbracht, wenn der Anwalt einen wissenschaftlichen Text publiziert hat.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sind gefragt?

Im Prinzip gibt es zwei Menschentypen, die sich für den Beruf interessieren. Die einen wollen sich um die Belange der Arbeitnehmer einsetzen. Die anderen sehen im Arbeitsrecht ein interessantes Rechtsgebiet, in dem sie anspruchsvolle, gut bezahlte Arbeit leisten. Doch zu welchem Typ du auch gehörst, sind bestimmte Eigenschaften gefragt, um als Anwalt für Arbeitsrecht erfolgreich zu sein.

Als Rechtsanwalt musst du grundsätzlich eine große Überzeugungskraft mitbringen. Denn es geht in dem Beruf auch darum, das Vertrauen des Richters, der Staatsanwälte und der Menschen im Allgemeinen zu gewinnen, um sie zu überzeugen. Dazu ist die Fähigkeit wichtig, einen Menschen richtig einschätzen und sich in andere hineinversetzen zu können. Das gelingt vor allem mit sozialen Kompetenzen, einer guten Rhetorik und das Wissen, wie die Informationen präsentiert werden müssen, um ihre Wirkung zu erzielen. Auch der allgemeine Umgang mit Menschen ist bedeutend. Schließlich haben es Anwälte für Arbeitsrecht oftmals mit Menschen in schwierigen Situationen zu tun.

Aus diesem Grund ist Einfühlungsvermögen und ein großes Interesse an der Arbeit mit Menschen gefragt. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du diese Voraussetzungen erfüllst, solltest du vor oder auch während deines Studiums ein Praktikum absolvieren, um den Berufsalltag eines Anwaltes zu erleben.

Zum Berufsfeld eines Anwaltes für Arbeitsrecht gehört es auch, Informationen auszuwerten und eine umfassende Analyse der Aktenlage durchzuführen. Um dabei erfolgreich zu sein, ist es erforderlich, die Problematik und die Anforderungen des Mandanten nachvollziehen zu können.

Wo arbeitet ein Anwalt für Arbeitsrecht und was verdient er?

Anwälte, die sich auf ein bestimmtes Themengebiet spezialisiert haben, arbeiten vor allem in Rechtsanwaltskanzleien, bei Berufsorganisationen, Abreitgeberverbänden oder in der öffentlichen Verwaltung. Das können zum Beispiel Rechtsabteilungen von Behörden sein. Um ihre Tätigkeiten auszuüben, arbeiten sie in Kanzlei- oder Büroräumen, in Gerichtssälen und Besprechungszimmern.

Da die meisten Anwälte selbstständig arbeiten und nicht angestellt sind, gibt es für diese Berufsgruppe keine tariflichen Verträge. Der Verdienst der Anwälte wird stattdessen als Honorar bezeichnet. Die Höhe des Honorars hängt von der Art und Weise des Rechtsstreites ab. Unterschieden wird zwischen Fällen vor Gericht und außergerichtlichen Verständigungen. Für die jeweilige Vergütung liegen der zuständigen Anwaltskanzlei feste Sätze vor, die entweder für pauschale Tätigkeiten oder nach Arbeitsstunden ausbezahlt werden.

Ein Beitrag des externen Autoren Tobias Neubauer

Artikelsuche

Studienfinanzierung:

Hier findest du mehr zum Thema Studienfinanzierung!

Video: Wie finanziere ich mein Studium?

So kannst du Geld sparen:

Nutze konsequent die Vergünstigungen, die dir als Student zustehen:

  • günstigerer Eintritt ins Theater, Museum, Schwimmbad...
  • GEZ-Befreiung für Studenten nutzen
  • Studentenrabatte, zum Beispiel beim Girokonto oder bei Fahrkarten nutzen

Weitere Spartipps für Studenten

Studienkredite

Ein Studium kann Geld verschlingen. Damit du trotz Studiengebühren und hoher Miete entspannt über die Runden kommst, gibt es viele Finanzierungsmöglichkeiten. Aber: Nicht jede ist für jeden geeignet. Lies hier, welcher Finanzierungstyp du bist. Von wegen ‘laues Studentenleben’:

Ab dem 1. August 2016 sollen die Länder das Konzept umgesetzt haben, das für Studierende sowie Verwaltungsangestellte eine große Erleichterung der alten BaföG-Prozesse bringen kann: eine elektronische BaföG-Anstragstellung inklusive elektronischer Identifikation. Durch die vollständige...

Die Zahl der BAföG-Empfänger sinkt stetig. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass im Jahr 2015 870.000 Personen in Deutschland Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erhielten. Damit fiel die Zahl der BAföG-Empfänger gegenüber 2014 um etwa 5,9 %. Eine Besserung ist erst...