Mann steht auf senkendem Boden vor waagrechter Wand
Schieflage: Insolvenzrechtler helfen Saimen / Quelle:PHOTOCASE

Insolvenzrecht: Berufsbild für Juristen

In eine Schuldensituation geraten ist nicht schwer, herauszukommen umso mehr. Insolvenzrechtler helfen dabei - eine Karrierechance für Juristen

Nicht wenige von uns denken beim Begriff ›Insolvenz‹ an einen grauhaarigen, bebrillten Herrn, der seinen Mandanten zur besten Sendezeit auf einer Flipchart vorrechnet, wie sie aus ihrer finanziellen Notlage herauskommen können. Insolvenzen haben aber weit größere, rechtliche Dimensionen. Diesen widmet sich ein eigenes Rechtsgebiet. »Das Insolvenzrecht«, erklärt der Juraprofessor Stephan Madaus von der Universität Regensburg, »regelt den Umgang mit Unternehmen ab dem Zeitpunkt, in dem diese zahlungsunfähig oder überschuldet sind. Im Regelfall kümmert es sich um gescheiterte Unternehmen, die den Markt mangels Erfolg verlassen müssen. Dieser Marktaustritt wird durch das Insolvenzrecht in geordneter und gerichtlich überwachter Form abgewickelt.« Dabei allein bleibt es aber nicht. »Neben dieser klassischen wirtschaftspolitischen Aufgabe übernimmt das Insolvenzrecht andere Aufgaben. So hat es Instrumente erhalten, um Krisenunternehmen einen Neuanfang zu ermöglichen, indem sie in einem Insolvenzverfahren entschuldet und saniert werden.«

Dafür zuständig sind sie: Anwälte, die sich auf Insolvenzrecht spezialisiert haben. Wie Andre Kraus. Der selbstständige Rechtsanwalt aus Köln berät Privatpersonen, Unternehmer und Betriebe, wenn diese in finanzielle Schieflage geraten. »Die finanzielle Krise ist eine der herausforderndsten Situationen, denen ein Mensch oder ein Unternehmen ausgesetzt sein kann. Bei der Beratung eines gefährdeten Mandanten gilt es, ihm alle Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und den für ihn optimalen Weg zu empfehlen. Dabei hat die Reaktionsfähigkeit des Anwalts einen nicht geringen Anteil an der Beantwortung der Frage nach dem finanziellen Weiterbestehen.« Gleiches, erklärt Kraus, gelte für die Tätigkeit des Insolvenzverwalters, der sich in vollem Umfang für das insolvente Unternehmen einzusetzen habe. Insolvenzanwälte übernehmen aber auch Mandate bei der Gläubigervertretung. »Dort«, so Kraus, »geht es um die Wiederherstellung von Gerechtigkeit, etwa wenn ein Gläubiger gegen einen unredlichen Schuldner vertreten werden muss, der Vermögensgüter beiseite geschafft hat oder eine einträgliche Erwerbstätigkeit verschleiern will.« Doch nicht nur die Vielzahl unterschiedlichster Mandanten und Fälle sind für Insolvenzrechtler herausfordernd – auch das Rechtsgebiet an sich ist komplex, wie Professor Madaus erklärt: »Es ermöglicht verschiedenste Verfahrensergebnisse und hat Rückwirkungen auf viele Rechtsfragen.« Insolvenzrecht ist zudem Verfahrensrecht. »Das Insolvenzverfahren ist ein Ort, an dem Verteilungskämpfe tatsächlich ausgefochten werden, was die Teilnahme an diesen Auseinandersetzungen für den Anwaltsberuf so spannend macht.« Ein guter Insolvenzrechtler müsse laut Madaus alle diese Aspekte kennen und beherrschen, also um die Rechte der Beteiligten wie auch ihre Interessen im Verfahren wissen, und zugleich mögliche Verfahrensentwicklungen und Verhandlungslösungen bedenken. Dies erfordere Intelligenz, eine gute juristische Ausbildung und praktische Erfahrung.

Das weiß auch Andre Kraus. Der 31-Jährige bietet daher für angehende Juristen die Möglichkeit, in seiner Kanzlei schon während des Studiums Praxisluft zu schnuppern. »Studenten können bei uns durch eine redaktionelle Mitarbeit einen ersten Einblick in die Praxis erhalten – gerne auch in Form eines Praktikums. Dabei gilt es, unseren Mandanten komplexe insolvenzrechtliche Fragestellungen durch die Verfassung laiengerechter, aber gleichzeitig juristisch präziser Artikel verständlich darzustellen.« Referendare hingegen dürfen intensiv mit den Mandanten arbeiten und »bei Gesprächen mit den Gläubigern an ihrem Fingerspitzengefühl feilen«.

Wer sich dann entscheidet, das Insolvenzrecht zu seinem Steckenpferd zu machen, kann in eine rosige berufliche Zukunft blicken. Professor Madaus schätzt die Karrieremöglichkeiten als sehr gut ein. »Die Beratungspraxis entdeckt gerade die Möglichkeiten der Sanierung in der Insolvenz und erobert hier neue Geschäftsfelder. Die Restrukturierungsabteilungen werden daher eher ausgebaut.« Und auch wer sich als selbstständiger Anwalt auf Insolvenzen spezialisiert, braucht sich weder um zu wenig Abwechslung im Arbeitsalltag noch darum zu sorgen, irgendwann einmal selbst in eine knifflige finanzielle Lage zu geraten. 


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