5 Silhouetten vor blau-weißer Zahlenwand

Wirtschaftsprüfer: Karriere für Juristen

Hart Erkämpft - Der Weg zum Traumjob Wirtschaftsprüfer ist lang, aber lohnt sich. Hier sind die wichtigsten Karriereschritte für Juraabsolventen

 

Wer als Jurist einen tiefen Einblick in die Unternehmen dieses Landes bekommen will, sollte Wirtschaftsprüfer werden: Jahres- und Konzernabschlüsse, Wirtschaftlichkeit, Kreditwürdigkeiten – Wirtschaftsprüfer schauen ganz genau hin.

»Wirtschaftsprüfer ist ein Traumjob, weil man dort wie in kaum einem anderen Beruf Einblicke in die Geschäftsprozesse von Unternehmen erhält. Man sieht genau, wie ein Mandant arbeitet«,

erklärt Ulrike Stefani, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensrechnung, an der Universität Konstanz.

Juristen als Exoten unter den Wirtschaftsprüfern

Wirtschaftsprüfung kannst du nicht studieren. Dennoch beginnt der Weg zum Wirtschaftsprüfer üblicherweise an der Hochschule: Ein abgeschlossenes Studium in Jura, BWL oder VWL sei von Vorteil, sagt Prof. Stefani. Tatsächlich stammen 80 Prozent der Wirtschaftsprüfer aus wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen. Nur etwa fünf Prozent haben ein Juraexamen. Sie sind Exoten. Aber bestens geeignet, erklärt Uwe Albus, Landespräsident der Thüringer Wirtschaftsprüferkammer, der sich ebenfalls als Rechtsanwalt zum Steuerberater und Wirtschaftsprüfer weiterqualifiziert hat: »Insbesondere wenn es um Fragen der Vertragsgestaltung oder der Einschätzung von Prozessrisiken im Rahmen von Rückstellungen geht, kann eine juristische Ausbildung sehr hilfreich sein«, weiß Albus. Juristen seien zudem Verschwiegenheit und Verantwortungsbereitschaft gewohnt und brächten naturgemäß ein viel breiteres juristisches Grundwissen mit als ihre betriebswirtschaftlich ausgebildeten Kollegen. Grundvoraussetzung für den Wirtschaftsprüferberuf sei allerdings eine gewisse Zahlenaffinität – ohne die gehe es nicht, ist Albus überzeugt.

Das kommt nach dem Jurastudium

Nach dem Jurastudium folgen mindestens drei Jahre Berufserfahrung bei einem Wirtschaftsprüfer, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder einem vereidigten Buchprüfer. Erst dann werden Bewerber zum Wirtschaftsprüfungsexamen zugelassen. Um das zu bestehen, müssen sich Juristen das fehlende betriebswirtschaftliche Wissen erst noch aneignen, was Fleiß und Anstrengung bedeutet. »In der Regel sollten junge Juristen ihre Karriere bei einem Wirtschaftsberatungsunternehmen beginnen«, rät Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Thomas Koblenzer. »Fairerweise empfiehlt sich hier auch mit Blick auf die praktische Vorbereitung, ein wenigstens mittelgroßes Beratungshaus zu wählen, um eine wirklich erfolgreiche Vorbereitung auf die doch schwierige Berufsprüfung zu gewährleisten. Häufig tun sich kleinere Beratungspraxen schwer, Berufsanfänger für die entsprechenden Vorbereitungskurse freizustellen.«

Zur Prüfungsvorbereitung gibt es für Juraabsolventen BWL-Uni-Tutorien oder Angebote externer Seminaranbieter. Hilfreich ist auch eine Spezialisierung auf Wirtschafts-, Unternehmens- oder Steuerrecht, denn beides kommt im Wirtschaftsprüfungsexamen vor. Und das ist ein echter Koloss. Die Prüfung gilt als eine der härtesten Prüfungen überhaupt.

Das bundeseinheitliche Staatsexamen

Wer zum Examen zugelassen wird, entscheidet die Prüfungsstelle bei der jeweiligen Landesgeschäftsstelle der Wirtschaftsprüferkammer. Und die schaut naturgemäß genau hin, wer durch Hochschulabschluss und Berufserfahrung ausreichend qualifiziert ist. Das bundeseinheitliche Staatsexamen wird nur zweimal jährlich von der Wirtschaftsprüferkammer durchgeführt. Es besteht aus sieben schriftlichen und einer mündlichen Prüfung in Wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung und Berufsrecht, Angewandte BWL/VWL, Wirtschaftsrecht und Steuerrecht. Wer das Steuerberaterexamen in der Tasche hat, spart sich immerhin die Steuerrechtsprüfung. »Der Einsatz wird aber belohnt«, ermutigt Uwe Albus, »denn die Kombination aus juristischem und betriebswirtschaftlichem Wissen ist mehr als gefragt.«

Der passende Job

Nach bestandener Prüfung ist es so gut wie geschafft. Fehlt nur noch der passende Job. Weil der Weg dorthin so schwierig ist, gibt es später nur wenige Mitbewerber bei den Top-Stellen. Wer allerdings gleich das große Geld erwartet, muss seine Ansprüche etwas drosseln. Denn obgleich einige Arbeitgeber dicke Einstiegsgehälter zahlen, gibt es bei manchen Beratungshäusern nur rund 45.000 Euro brutto für die Neuankömmlinge. Lukrativer wird der Wirtschaftsprüferberuf aber schon nach wenigen Berufsjahren. Kaum ein Beruf ist langfristig so sicher, wirft so viel Geld ab und gibt so spannende Einblick in die Wirtschaftswelt.

Wirtschaftsprüfer in Unternehmen

Viele wollen zu den Big Four, den vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. Andere wiederum wechseln dann irgendwann auf die Unternehmensseite: »Wirtschaftsprüfer haben beste Aussichten auf einen Posten in den obersten Führungsetagen von Unternehmen«, erklärt Prof. Stefani. »Nicht nur als Wirtschaftsprüfer, sondern als strategischer Kopf und Berater des Unternehmens.« Weil Wirtschaftsprüfer sich bestens auskennen mit Business- und Finanzierungsmodellen, mit Unternehmensbewertungen und Steuern. Und das sind eben nur die Besten der Besten.


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