gelbe Blumen in der Natur mit blauem Himmel
Juristen in der Umweltbranche kiukey / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Juristen in der Umweltbranche

In der Energiebranche brauchst du viel Power und einen guten Abschluss. Dank der Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2020 ist der Job als Jurist so abwechslungsreich und spannend wie nie zuvor.

In der Energiebranche brauchst du viel Power und einen guten Abschluss. Dank der Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2020 ist der Job als Jurist so abwechslungsreich und spannend wie nie zuvor.

Wir haben gute und schlechte Nachrichten für dich. Die Gute: Wenn du als Jurist in einem Energieunternehmen arbeiten willst, erwarten dich spannende Fälle und du kannst dein geballtes Studiumswissen vom Vertrags- bis hin zu Eigentums- und Umweltrecht einsetzen. In der Rechtsabteilung von großen Konzernen wird es nie langweilig. Insbesondere der Bereich der erneuerbaren Energien ist, da er gerade erst entsteht, äußerst spannend und attraktiv für Querdenker mit Schöpfungsdrang. Denn im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) kommen ständig Neuerungen auf und es gibt mehr als eine Gesetzeslücke, über die noch nicht gründlich genug nachgedacht worden ist – zuweilen sogar noch gar nicht.

Die schlechte Nachricht: Stellen sind spärlich gesät und somit musst du einiges auf dem Kasten haben, um an eine der begehrten Positionen zu kommen. Statistiken darüber, wie viele Juristen im Bereich Energie und Umwelt tätig sind, existieren laut des Statistischen Bundesamtes nicht. Auch der Bund Deutscher Juristen (BDJ) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben keine Beschäftigungszahlen. Fest steht jedoch, dass circa 25.000 Juristen insgesamt in der freien Wirtschaft arbeiten. »Im Bereich Energiewirtschaftsrecht und Zivilrecht, Energiekartellrecht sowie Umweltrecht (öffentliches Recht) arbeiten rund 25 Juristen bei EnBW. Auch in anderen Bereichen bestehen bei uns vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für Juristen«, erklärt Roland Woger, Personalreferent bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. »In den letzten Jahren haben wir ein bis zwei Juristen jährlich eingestellt, mehrfach auch ehemalige Referendare. Stellen wurden in der Regel aufgrund von Umorientierung oder interner Weiterentwicklung von Mitarbeitern neu besetzt.« Auch künftig werden bei dem Unternehmen ungefähr ein bis zwei Juristenstellen im Jahr zu besetzen sein.

Der regionale Energieversorger N-Ergie – mit circa 2.600 Mitarbeitern – beschäftigt acht Inhouse-Juristen

»Neben den Juristen, die für die Personalpolitik in unserem Haus verantwortlich sind, leite ich ein Team von fünf Juristen, die sich täglich mit den unterschiedlichsten Rechtsbereichen im Energiesektor beschäftigen. Eine Kollegin ist primär für den Bereich erneuerbare Energien verantwortlich, da sich hier die Gesetzeslage ständig ändert und aktualisiert wird«, sagt Peter Ruppert, Leiter des Zentralbereichs Recht bei N-Ergie. Weitere Anfragen bei großen Unternehmen bleiben ergebnislos. Hier existieren keine Informationen darüber, wie viele ihrer Inhouse-Juristen sich mit Energie- und Umweltrecht beschäftigen.

Das EEG ist einer der Gründe, warum Unternehmen in den nächsten zehn Jahren mehr Juristen benötigen werden. Ganz deutlich trägt die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien zu einem höheren Bedarf an Fachkräften in allen Bereichen bei. Gab es im Jahr 2009 laut Studie des Wissenschaftsladens Bonn noch 1.567 offene Stellen in der Branche, stieg die Zahl in 2010 um 46 Prozent auf 2.289 zu besetzende Positionen. Genaue Zahlen dazu, wie viele dieser Stellen jedoch für Juristen sind, gibt es auch hier leider nicht.

»Neue Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien, Elektromobilität oder intelligente Stromnetze schaffen in Zukunft gerade für Juristen viele interessante Aufgabenfelder«, sagt Fabian Feterowsky, Syndikusanwalt, zuständig für die Rechtliche Betreuung Netze bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Feterowsky war ursprünglich Referendar bei der EnBW, bevor er als Syndikusanwalt übernommen wurde: »Die Umsetzung zahlreicher rechtlicher Vorgaben aus Deutschland und Europa schafft ein sehr dynamisches Arbeitsumfeld. Häufig werde ich mit Fragen konfrontiert, die in Berlin und Brüssel gerade diskutiert beziehungsweise bearbeitet werden. In der Zusammenarbeit mit Unternehmen, Verbänden und der Politik in Europa hat meine Tätigkeit eine internationale Komponente, die sicher noch zunehmen wird.«

Außerdem erzählt er, dass erhöhte Umweltauflagen neue Anforderungen an Anlagengenehmigungsverfahren mit sich bringen und somit komplexere Aufgaben beinhalten. Innovative Produkte und Vertriebsformen im Sektor der erneuerbaren Energien werden eine individuelle vertragliche Begleitung erfordern. Auch der Wettbewerb im Strom- und Gasbereich nimmt zu – eine stärkere rechtliche Betreuung wird hier ebenfalls fällig. Dazu kommen weitere Rechtsbereiche wie Pachtverträge, Eigentumsrecht, Kartell- und Strafrecht.

»Was zudem spannend beziehungsweise eine Herausforderung im energierechtlichen Bereich ist, ist, dass man mit vielen nicht-juristischen Fragestellungen konfrontiert wird, was ein gewisses Verständnis für Elektrizitätssysteme beinhaltet. Schon die Kommunikation kann schwierig werden, da Ingenieure und Juristen Begriffe unterschiedlich verwenden. Für Juristen bedeutet ›grundsätzlich‹, dass eine bestimmte Konsequenz im Normalfall eintritt, aber Ausnahmen möglich sind. Ein Ingenieur geht dagegen davon aus, dass etwas Grundsätzliches immer so ist, ohne Ausnahme. Hier sind neben einer Offenheit für andere Denkweisen auch Eigenengagement und Fortbildungen in anderen Fachbereichen für Juristen gefragt«, sagt Thomas Müller, Leiter der Forschungsstelle für Umweltenergierecht an der Universität Würzburg. Auch Ruppert erzählt, dass Abwechslung und Außentermine zum Alltag gehören: »Wir machen sehr viel Gesellschaftsrecht, nicht bloß Mahnverfahren. Wir beschäftigen uns mit Gesellschaftsgründungen und haben große Projekte, die auch juristisch interessant sind, wie aktuell der Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks. Außerdem bearbeiten wir Konzessionsverträge mit Kommunen, durch die wir die Wege vor Ort in Anspruch nehmen dürfen. Oftmals sind wir – sofern es uns zeitlich gelingt – auch mit vor Ort und schauen uns die Gegebenheiten an.«

Die Latte, die du überwinden musst, um eine der seltenen Stellen zu ergattern, liegt allerdings nicht niedrig

Denn Energieunternehmen achten auf gute Abschlüsse. »Ein wichtiges Kriterium bei der N-Ergie sind die Noten. Wer schon im 2. Staatsexamen eine schlechte Note vorweist, der übersteht den Auswahlprozess erst gar nicht und dessen Unterlagen landen auch nicht auf meinem Schreibtisch«, sagt Ruppert. »Wer allerdings die Vorraussetzungen erfüllt, vielleicht Praktika im Energiesektor gemacht hat, für den bietet sich die Chance auf einen abwechslungsreichen Job, bei dem man viel eigenverantwortlich arbeiten darf und der in puncto Sozialleistungen und Gehalt besser sein kann, als der eines freien Anwalts.« Auch bei der EnBW haben Berufsanfänger Einstiegschancen, so Personalreferent Woger: »Die EnBW stellt Berufsanfänger mit absolviertem 2. Staatsexamen ein. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, im Studium als Praktikant oder später als Referendar bei der EnBW erste praktische Erfahrungen zu sammeln.«


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