Schüssel mit Löffel und viele Buchstaben darin
Bitte Nachschlag: Ungewöhnliche LL.M.-Studiengänge misterQM / Quelle:PHOTOCASE

LL.M. mal anders: Studium in Budapest und Erding

Unter dem großen Angebot an LL.M.-Studiengängen stellen wir zwei vor, die etwas außergewöhnlich sind.

Jahrelang arbeitet, fiebert und bangt man auf das erste Staatsexamen hin. Hat man es dann erstmal hinter sich gebracht, erscheint einem doch tatsächlich ein weiterer Abschluss attraktiv. Nein, nicht das zweite Examen, das natürlich auch noch ansteht, sondern ein LL.M., auch Master of Laws genannt.

Der Abschluss gilt als Zusatzqualifikation und nicht zuletzt als Schlüssel zu einer steilen Karriere – nur, welchen soll man wählen? Die Auswahl ist riesig, insbesondere weil gerade für den LL.M. auch Studiengänge an ausländischen Hochschulen in Frage kommen. Thematisch ist viel geboten.

LL.M. in Wirtschaftsrecht an der Hochschule Erding

Wer sich für wirtschaftliche Themen interessiert, kann zum Beispiel an der Hochschule für angewandtes Management in Erding den ›Legum Magister‹, wie der LL.M. vollständig heißt, in Wirtschaftsrecht belegen. »Absolventen des Masterstudienganges«, erklärt Professorin Stefanie Salaw-Hanslmaier, Studiengangsleiterin des LL.M., »sind befähigt, Vertragsgestaltungen und Vertragsumsetzungen in komplexen Verhandlungssituationen auch mit internationalen Bezügen in Konzernen, Verwaltungen und internationalen Organisationen vorzunehmen.« Als Voraussetzung zur Zulassung zum Studium sollten Bewerber einen Hochschulabschluss mit 210 Credit Points in Rechtswissenschaft oder Wirtschaft mitbringen, das nötige Wissen im jeweils anderem Fachbereich vermitteln vor Studienbeginn Intensivkurse. Wer Wirtschaftsrecht studiert hat, muss an diesen natürlich nicht teilnehmen.

Der LL.M. in Erding startet immer zum Wintersemester und geht über drei Semester, wenn man Vollzeit studiert. Da das Studium zudem semi-virtuell ist, kann man ihn auch in Teilzeit, beispielsweise während des Referendariats, studieren. Semi-virtuell bedeutet, dass die Studierenden zwar Präsenzphasen haben, sie aber auch durch das ›Learning Management System‹ online studieren können. »In der Praxis gestaltet sich dieses Modell wie folgt«, beschreibt Salaw-Hanslmaier. »Sie kommen drei- bis viermal pro Semester für jeweils fünf Tage zu ihrem Campusstandort und nehmen an einer Präsenzphase teil. Hier werden vor allem Lernfelder erarbeitet, bei denen eine persönliche Präsenz unverzichtbar ist. Dazu zählen beispielsweise komplexere Fallstudien im Bereich Wirtschaftsrecht beziehungsweise die Schlüsselqualifikationsthemen Führung und Konfliktmanagement.« Zwischen den Präsenzphasen kann man von zu Hause aus an virtuellen Seminaren und Vorlesungen teilnehmen sowie zusammen mit den Kommilitonen Aufgaben bearbeiten. Die Lernplattform dient außerdem auch als Kommunikationsforum, bei dem man den Tutor um Rat fragen und sich mit Studierenden und Kursbetreuern abstimmen kann. Ab dem Wintersemester 2014/15 sind als Schwerpunkte Leasing, Internationale Verträge und Immobilienrecht möglich, das Studium kostet knapp 400 Euro im Monat.
 

LL.M. in Ungarn: Europarecht in Budapest

Für ihr LL.M.-Studium zieht es viele Absolventen auch ins, meistens englischsprachige, Ausland. Weniger auf dem Schirm haben sie dagegen die EU-Beitrittsstaaten, wie zum Beispiel Ungarn. »Ein Studium im LL.M.-Programm der Andrássy Universität führt zunächst in diesen Rechtsraum ein, in dem es in den letzten Jahren zu vielen Reformen gekommen ist«, beschreibt Leszek Dziuba, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest. »Das ist schon deshalb wichtig, weil es zwischen Deutschland und dem EU-Beitrittsraum enge wirtschaftliche Verflechtungen gibt und diese Beziehungen nicht nur vom deutschen Recht geregelt werden«, führt der 29-Jährige weiter aus.

Das LL.M.-Programm der Universität in Budapest bietet Juristen also eine Zusatzqualifikation mit einem ausgeprägten europarechtlichen Profil. Das Studium vermittelt den gesamten Umfang des Europarechts – sowohl im privatrechtlichen als auch im öffentlich-rechtlichen Bereich. »Außerdem sollen die Studierenden über den Weg des Rechtsvergleichs an andere Rechtsordnungen herangeführt werden – der Schwerpunkt liegt insoweit auf dem EU-Beitrittsraum und bei der Umsetzung gemeinschaftsrechtlicher Vorgaben«, erläutert Dziuba, der selbst zu den Absolventen des LL.M.-Studiengangs zählt. Das Studium qualifiziert also bestens für eine internationale beziehungsweise europäische Karriere. Nach Angaben von Dziuba sind natürlich viele Alumni als Rechtsanwälte und Unternehmensjuristen tätig, genauso viele sollen aber auch in Behörden arbeiten.

Obwohl Juristen immer noch viele Hürden im Weg haben, wenn sie in einer anderen Rechtsordnung arbeiten möchten, scheinen viele Absolventen diese bewältigt zu haben. »Auch das LL.M.-Studium der Andrássy Universität beseitigt die Hindernisse nicht, es stellt aber offenbar ein Sprungbrett dar, mit dessen Hilfe sich diese Hürden leichter überwinden lassen«, sagt Dziuba. Ein weiteres Drittel der Studierenden hängen nach dem Legum Magister eine Promotion an.

Der Studiengang wird in den Spezialisierungen ›Internationale und Europäische Verwaltung‹ und ›Internationales Unternehmensrecht: Schwerpunkt Ostmitteleuropa‹ angeboten. Die Studierenden können hierbei ihr Programm ganz individuell zusammenstellen. »Dabei ist es auch möglich, das rechtswissenschaftliche Kernprogramm durch Veranstaltungen aus dem politik-, wirtschafts-, geschichts- und kulturwissenschaftlichen Lehrangebot der Andrássy Universität zu ergänzen«, beschreibt der Mitarbeiter der Fakultät der Vergleichenden Staats- und Rechtswissenschaften. Allerdings müssen die Studierenden natürlich zwei Drittel der ECTS im juristischen Bereich erwerben.
 

Kooperation mit der Universität Heidelberg

Interessenten müssen in einem Motivationsschreiben ihren Studienwunsch begründen und ein Auswahlgespräch bestehen. Da die Andrássy Universität mit der Uni Heidelberg kooperiert kann, dieses Gespräch auch in Heidelberg stattfinden. Der LL.M. dauert zwei Semester und kostet 930 Euro pro Semester. 


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