Mädchen isst Waffeleis
Sahnehäubchen der Juristenausbildung: LL.M. bit.it/ / Quelle:PHOTOCASE

Was bringt der LL.M. für Juristen?

Immer öfter liest man ›LL.M.‹ hinter dem Namen von Juristen. Was aber bringt der Titel wirklich?

In vielen Fachrichtungen ist er selbstverständlich, der Master. Im weiten Feld der Rechtswissenschaften hingegen ist das ein wenig anders. Da zählen die beiden Staatsexamen. Wer die nicht in der Tasche hat, wird eben nicht das, worauf er jahrelang hingearbeitet hat: Volljurist. Doch die Beliebtheit des Masters in den Rechtswissenschaften, des Master of Laws (LL.M.), steigt.

»Der Master of Laws«, erklärt Benjamin Kastner, Fachausschussleiter Jurastudenten – Referendare – Junge Anwaltschaft – Masterprogramme beim Verband Deutscher Anwälte (VDA) und selbst LL.M.-Träger, »ist ein international anerkannter Postgraduierten-Abschluss, der als Zusatzqualifikation nach dem Hochschulabschluss den Erwerb spezieller Rechtskenntnisse, häufig im internationalen Kontext, dokumentiert.«

Kenntnisse, die eben nicht im normalen Jurastudium gesammelt wurden und die den LL.M. daher zu etwas Besonderem machen.

Wie läuft ein LL.M. ab?

In der Regel dauert der Erwerb solcher Kenntnisse ein Jahr – in Teilzeit meist das Doppelte. In dieser Zeit werden Vorlesungen und Seminare besucht, Hausarbeiten und Klausuren geschrieben und Fallstudien und Referate erarbeitet. Manche LL.M.-Programme beinhalten oder fordern sogar Praktika, die studienbegleitend absolviert werden müssen.

Erworben wird der Abschluss dann entweder ›by coursework‹, also durch das Schreiben von Klausuren und Seminararbeiten oder ›by research‹, durch die Abgabe einer größeren wissenschaftlichen Arbeit. Voraussetzung für die Aufnahme des Studiums ist jedoch immer ein erster Studienabschluss – das erste Staatsexamen oder der Bachelor of Laws (LL.B.).

 

Welche Fachrichtung empfiehlt sich?

Ist der erst einmal geschafft, kann es losgehen mit dem Jura-Master. Doch welche Fachrichtung empfiehlt sich? »Das Angebot ist riesig, man sollte sich also zunächst sehr gut informieren«, rät Rechtsanwältin Janina Voogd, Associate im Bereich Intellectual Property bei Hogan Lovells in Düsseldorf.

 

»Es gibt zunächst einen allgemeinen LL.M., ohne jegliche Spezialisierung«, beschreibt die Rechtsanwältin, »je nach Universität werden aber auch die verschiedensten Fachrichtungen angeboten. So sind beispielsweise Spezialisierungen im Gewerblichen Rechtsschutz, in Wirtschafts-, Steuer-, Europa- oder Medizinrecht möglich. Teils werden auch Schwerpunkte wie Menschenrechte, Kriminologie, Umwelt- oder Seerecht angeboten oder welche, die an Universitäten gar nicht oder nur am Rande existieren.«

Benjamin Kastner empfiehlt, den eigenen Interessen und Neigungen zu folgen.

»Besonders beliebt«, berichtet Kastner, »sind immer noch Spezialisierungen im wirtschaftsrechtlichen Bereich, zum Beispiel im Internationalen Handels- und Gesellschaftsrecht, im Europäischen Wirtschaftsrecht oder im Gewerblichen Rechtsschutz. Gerade diese Spezialisierungen sind es, die später in international agierenden Kanzleien sehr gefragt sind.«

Für wen lohnt sich der LL.M.?

Voraussetzung, um als Anwalt tätig zu sein, ist der Master of Laws also nicht. Warum aber nehmen immer mehr angehende oder fertige Juristen die Anstrengungen auf sich?

»Für die meisten Studenten«, so Dr. Andreas Schulz, Associate bei Baker & McKenzie, »bedeutet der LL.M.-Studiengang, dass sie sich in einem Rechtsgebiet, das sie besonders interessiert, vertiefter fortbilden können.«

Vertiefter und, das ist ein weiterer Unterschied zum Schwerpunktstudium an der Uni, mit besonders starkem Praxisbezug. »Das macht das Studium nicht nur spannender, sondern für die spätere Karriere besser verwertbar. Schließlich handelt es sich um ein individuelleres Studium als zumindest in Deutschland üblich.«

Individueller deshalb, weil die Gruppen deutlich kleiner sind. Nicht selten beträgt die Gruppengröße zwischen fünf und zehn Teilnehmer. Die Betreuung durch das Lehrpersonal ist damit viel intensiver als im Jurastudium an den Universitäten dieses Landes.

 

LL.M. als Chance, Auslandserfahrung zu sammeln

Apropos Deutschland: Ein großer Teil der LL.M.-Abschlüsse wird gar nicht hierzulande erworben. Es empfiehlt sich nämlich, den LL.M. zu nutzen, um noch eine Weile im Ausland zu verbringen. »Es wäre fast schade«, meint Andreas Schulz, »den LL.M. nicht im Ausland zu machen.«

Juristische Sprachkenntnisse, das Kennenlernen fremder Kulturen, andere wissenschaftliche Arbeitsweisen und Rechtstraditionen sowie ein Netzwerk aus internationalen Kommilitonen – das sind Aspekte, die sich dann ganz nebenbei ergeben.

»Zudem ist es in vielen Jurisdiktionen möglich, sich allein durch den LL.M. für die Prüfungen zur dortigen Anwaltszulassung, zum Beispiel das ›bar exam‹ in den USA, zu qualifizieren, ohne gleich ein komplettes Hauptstudium im Ausland absolvieren zu müssen. Und«, fügt Schulz hinzu, »einen Riesenspaß kann das Studentenleben im Ausland auch machen, weil dadurch ausgedehnte Urlaubsreisen möglich werden, die sich später nicht mehr ohne weiteres realisieren lassen.«

Wer sich im Ausland mit einem besonders ausgefallenen Rechtsgebiet beschäftigt, mit dem er in Deutschland womöglich nie mehr in Berührung kommen wird, braucht um seine Karriere ebenfalls nicht zu bangen:

»Nach meiner Erfahrung wird es Absolventen von LL.M.-Programmen im Ausland nicht übel genommen, wenn sie sich mit etwas entlegeneren Rechtsgebieten beschäftigen, die in Deutschland nicht zum Standard gehören«, ist sich Janina Voogd, die ihren LL.M. im südafrikanischen Kapstadt erworben hat, sicher.

Auch ein allgemeiner LL.M., der im Ausland erworben wurde, macht durchaus mehr Sinn als ein deutscher – schließlich fehlt hier der Fremdsprachenbonus. Und gerade die großen, international ausgerichteten Kanzleien schätzen es eben, wenn ihre Anwälte mit Mandaten und Kollegen aus fremden Kultur- oder Rechtskreisen auf Augenhöhe kommunizieren können.

Wer sollten den LL.M. in Deutschland machen?

Doch auch ein in Deutschland erworbener LL.M. kann sinnvoll sein: Benjamin Kastner rät, einen LL.M. in Deutschland aufzunehmen, wenn man überwiegend vertiefende Kenntnisse des deutschen Rechts sammeln möchte.

»Diese Studiengänge sind häufig an der Ausbildung für die Verleihung des jeweiligen Fachanwaltstitels orientiert und geben oftmals darüber hinaus einen ersten Einblick in das jeweilige Rechtssystem eines anderen, zumeist englischsprachigen Landes.«

Nicht selten gibt es aber innerhalb eines deutschen Programms die Möglichkeit, ein Semester an eine ausländische Hochschule zu wechseln und Lehrveranstaltungen oder Moot Courts in englischer Sprache zu absolvieren. 

 

LL.M. kostet Zeit und Geld

Ob hierzulande oder im Ausland – sicher ist: Ein Master of Laws kostet nicht nur Zeit, sondern eine Menge Geld. Die Kosten können, wie bei so manchem LL.M. in den USA, schnell bis zu 70.000 US-Dollar betragen. Ohne Dach über dem Kopf, versteht sich. Auch ein LL.M. in Deutschland kann mehrere Tausend Euro pro Semester verschlingen.


Deshalb empfiehlt es sich, vor Antritt nach Stipendien Ausschau zu halten und genau zu prüfen, welche Lehrveranstaltungen und Schwerpunkte der angestrebte Abschluss beinhaltet. Renommierte Juristen aus der Praxis als Dozenten sind ebenfalls ein Kriterium, auf das es zu achten lohnt. Fast immer aber ist der Abschluss eine ideale Zukunftsinvestition. Sein Wert lässt sich nach dem Einstieg ins Berufsleben nämlich vom Gehaltszettel ablesen.

»Der Kandidat hat für den Zusatz an Wissen und Qualifizierung gegenüber anderen Bewerbern schließlich erheblich investiert und dies wissen auch die meisten Kanzleien zu honorieren«, erklärt Benjamin Kastner.

Gehaltschancen für Juristen mit LL.M.

Einige Kanzleien lassen sich den Titel ihrer Juristen viel Geld kosten, da diese sich den LL.M. auf ihre Visitenkarte drucken lassen und so die Außenwirkung der Kanzlei stärken können. »Großkanzleien«, fügt Kastner hinzu, »vergüten den Titel bei Berufseinsteigern häufig mit bis zu 10.000 Euro zusätzlich im Jahr.« Der Master lohnt sich finanziell also gut. LL.M.-Absolventen sind eben beliebt, bei Arbeitgebern und ihren Mandanten gleichermaßen. Die schätzen Zusatzqualifikationen, sei es eine Promotion, sei es ein Master, immer mehr. »In vielen Kanzleien«, so Janina Voogd, »wird der LL.M. inzwischen sogar als gleichwertige alternative Zusatzqualifikation neben dem Doktortitel anerkannt.« Mit dem Unterschied, dass er sich im Gegensatz zu einer Promotion meist in wesentlich kürzerer Zeit absolvieren lässt.

Nicht zuletzt sind für die Juristen selbst zusätzliche Abschlüsse immer wichtiger – angesichts der steigenden Zahl an Prädikatsexamina ist es schließlich ratsam, sich von der Konkurrenz abzuheben. Doch nicht nur da schmückt der LL.M. den Lebenslauf – auch schlechtere Examina kann der Titel aufwerten.

Der LL.M. als Karriere-Turbo?

Kann man durchaus so bezeichnen. Gerade, wenn mehrere Bewerber mit vergleichbarer Qualifikation auf eine Stelle kommen, sind vertiefte Fachkenntnisse nicht selten das Zünglein an der Waage.

»Das dokumentierte überdurchschnittliche Interesse an zusätzlichen Herausforderungen und die juristische Fortbildung in ausgewählten Themengebieten sind große Vorteile, die der LL.M. mit sich bringt«, ist Andreas Schulz, der seinen Master an der neuseeländischen Victoria University of Wellington gemacht hat, sicher.

Und für wen lohnt sich der Master of Laws eher nicht?

Benjamin Kastner, der seinen LL.M. an der La Trobe University im australischen Melbourne absolviert hat, hat dazu eine klare Meinung:

»In der Regel lohnt er sich nicht für Juristen, die später in Deutschland in einer kleinen oder mittelgroßen Kanzlei den klassischen deutschen Rechtsgebieten nachgehen möchten, beispielsweise dem Familien-, Erb-, Verwaltungs- oder Verkehrsrecht.«

Dr. Andreas Schulz hingegen rät jedem mit realistischer Chance, den LL.M. bestehen und finanzieren zu können, einen solchen zu absolvieren. Auch Janina Voogd ist froh über ihre Entscheidung: »Ich habe einen LL.M., der mir neben sicheren Englischkenntnissen ein juristisch als auch persönlich spannendes Jahr in einem fantastischen Land gegeben hat.« 


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