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Jurist werden ist ein ambitioniertes Ziel, das zeigt jede quälende Klausur. Doch die Mühe lohnt: es warten attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Wir nehmen drei Klassiker unter die Lupe

Der angehende Jurist trägt oft eine schwere Last mit sich. Gemeint sind nicht die Gesetzeswälzer von Schönfelder & Co. – obwohl sie auch viel Gewicht auf die Waage oder Schulter des bepackten Studenten bringen. Noch schwerer aber wiegt für viele die Angst vor dem ersten Staatsexamen, das eine oft unüberwindbar scheinende Hürde darstellt – egal, wie gut die Betroffenen bisher abgeschnitten haben. Was da hilft? Eine gehörige Portion Optimismus, viel Selbstvertrauen, diszipliniertes Lernen und extrinsische Motivation. Die könnte zum Beispiel von den Qualitäten des künftigen Berufslebens herrühren: Für Gerechtigkeit kämpfen. Gute Jobaussichten. Ein hohes Gehalt. Ein prestigeträchtiger Beruf. Spannende, herausfordernde Fälle. Und viele Möglichkeiten, die eigene Leidenschaft für das Recht zu leben.

Traumberuf Richter

Eines Tages als Richter oder Staatsanwalt zu arbeiten, ist der Traum zahlreicher angehender Juristen. Kein Wunder: Die Vorstellung, Verbrecher vor Gericht in die Mangel zu nehmen und Gerechtigkeit walten zu lassen, hat etwas Verlockendes. Der Weg dorthin ist oft steinig. Aber: Ist das erste Staatsexamen überstanden, wird der Berufswunsch für viele während des Referendariats schon konkreter, für Kandidaten mit hohen Punktzahlen gar zum Greifen nah. Die einst sehr hohen Anforderungen an den Richternachwuchs könnten sich zukünftig übrigens etwas relativieren. Die Nachfrage nach jungen Richtern ist groß, das Angebot nimmt dagegen ab. Grund dafür ist der demografische Wandel. Es lohnt sich also, die genauen Bedingungen und Auswahlverfahren der jeweiligen Landesgerichtsbarkeiten zu vergleichen. So lässt sich herausfinden, ob und wo sich eine Bewerbung mit den erzielten Leistungen aus den beiden Staatsprüfungen auszahlen könnte.

Natürlich kommt es im Richterberuf nicht einzig auf die Note und einen möglichst breiten und tiefgehenden Wissensstand der verschiedenen Rechtsgebiete an. Vielmehr sollten angehende Richter auch persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten wie Neugier, Entscheidungsfreude, Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis mitbringen. Daneben spielt Belastbarkeit eine wichtige Rolle – sowohl im Hinblick auf Arbeitspensum und Verantwortung als auch angesichts der erschütternden menschlichen Schicksale, die oft Gegenstand der Verhandlungen sind. Dennoch überwiegen meist die Vorteile: Etwa, dass Richter bei ihrer rechtsprechenden Tätigkeit nur dem Gesetz unterworfen und nicht an Weisungen gebunden sind. Oder dass Richter auf Lebenszeit nicht gegen ihren Willen versetzt werden können.

Karriere in der Großkanzlei

Etwas dynamischer geht es beim Karriereweg in Kanzleien zu – allerdings lassen sie sich nicht alle über einen Kamm scheren. Die Bandbreite reicht von internationalen Großkanzleien über mittelständische Boutiquen bis hin zum selbstständigen Rechtsanwalt. Genauso flexibel verhält es sich mit der fachlichen Ausrichtung und den Verdienstmöglichkeiten. Keine Kanzlei ist folglich wie die andere und Arbeitsalltag sowie Aufgaben unterscheiden sich dementsprechend. Wer eine Karriere in einer Großkanzlei anstrebt, sollte auf jeden Fall teamfähig sein, denn an einem Mandat sind in der Regel mehrere Anwälte beteiligt. Großkanzleien kümmern sich meistens um Mandate im Wirtschafts-, Gesellschafts- oder Kapitalmarktrecht sowie um Mergers & Acquisitons. Trifft ein Auftrag ein, erfolgt ein Erstgespräch, bei dem wichtige Grundlagen und Rahmenbedingungen geklärt werden. Anschließend beginnt die konkrete Arbeit an dem Mandat. Die beteiligten Anwälte stehen dabei in ständigem Austausch miteinander und mit dem Mandanten. Dieser ist selten eine natürliche Person, sondern vielmehr ein Unternehmen. Da Großkanzleien oft internationale Mandate übernehmen, sind gute Englischkenntnisse unabdingbar. Daneben setzt die Mehrheit zwei Prädikatsexamina voraus. Doch auch hier vollzieht sich langsam aber sicher ein Wandel: Die Noten sind nicht mehr das alleinige Auswahlkriterium. Überzeugen kann auch, wer ein fundiertes wirtschaftliches Verständnis, eine ausgeprägte Analysefähigkeit und ein souveränes Auftreten, gepaart mit einer guten Kommunikationsfähigkeit, vorweist. Eine Promotion oder ein zusätzliches Masterstudium sind weitere Pluspunkte.

Klein aber fein

Auch beim Einstieg in eine kleine Kanzlei werfen die Verantwortlichen einen Blick auf die Noten. Dennoch wird hier milder aussortiert. Bewerber sollten zwar das juristische Handwerkszeug beherrschen. Doch die Persönlichkeit steht stärker im Vordergrund: Der Kandidat sollte vom Typ her zur Kanzlei passen. Daneben zählen Fähigkeiten wie eigenverantwortliches Arbeiten, selbstständiges Einarbeiten und der gekonnte Umgang mit den Mandanten. Berufseinsteiger in einer kleineren Kanzlei übernehmen oft schon früher komplette Mandate und werden von Anfang an in den gesamten Ablauf eingebunden. Welche Größe ist nun die richtige? Manchmal ergibt sich die geeignete Kanzlei schon dadurch, dass für gewisse Spezialisierungen eine bestimmte Kanzleistruktur vorteilhaft ist. Letztlich sollte jeder in sich hineinhören und die Wahl für eine familiäre oder internationale Atmosphäre von den eigenen Vorlieben und der Persönlichkeit abhängig machen.

Unterwegs im Unternehmen

Für einige juristische Berufsanfänger mag auch der Weg in die Rechtsabteilung eines Unternehmens ein spannender sein. Was einst als ungeliebte Karriereoption ein Schattendasein führte, wird immer beliebter. Mitverantwortlich für diesen Wandel sind sicherlich die Vorteile, welche die Tätigkeit als Unternehmensjurist mit sich bringt: etwa weniger Druck im Hinblick auf die Mandantenakquise und vielfältigere Aufstiegsmöglichkeiten. Im Unternehmen bewegt sich der Jurist unter anderem zwischen Mitarbeitern aus betriebswirtschaftlichen oder technischen Bereichen, die womöglich wenig mit juristischer Fachsprache anfangen können. Deshalb ist es für einen Unternehmensjuristen im Arbeitsalltag wichtig, dass er rechtswissenschaftliche Belange für seine Kollegen in eine verständliche und praxistaugliche Sprache übersetzen kann.

Im Bewerbungsprozess können Interessenten vor allem mit wirtschaftlichen Zusatzqualifikationen, Fremdsprachenkenntnissen und ersten Praxiserfahrungen in einem Unternehmen punkten. Genauso wie bei Kanzleien unterscheiden sich die Arbeitsaufgaben eines Unternehmensjuristen je nach Größe der Firma. So sind in kleineren Unternehmen meist Allrounder gefragt, die sich in mehreren Rechtsgebieten gut auskennen und vielfältige rechtswissenschaftliche Tätigkeiten übernehmen können. Bei Konzernen mit großen Rechtsabteilungen ist dagegen meist eine Spezialisierung auf einen Fachbereich vorgesehen, beispielsweise auf Gesellschafts- und Steuer-, Kartell- oder Arbeitsrecht. Zudem agieren Juristen hier oft in einem internationalen Umfeld und haben bisweilen auch die Möglichkeit, für einige Zeit im Ausland zu arbeiten.

Schon gewusst?

Juristen können in den unterschiedlichsten Branchen ein Traineeprogramm absolvieren. Je nach Unternehmen oder Referat hat das den Vorteil, einen umfassenden Einblick in verschiedene Abteilungen und Bereiche zu bekommen – perfekt für angehende Juristen, die sich noch nicht auf eine Spezialisierung festlegen wollen. Für alle Entschlossenen gibt es aber auch Fachtraineeprogramme: Hier ist die Auswahl der Stationen wesentlich spezifischer auf einen bestimmten Fachbereich zugeschnitten. In der Regel dauern Traineeprogramme für Juristen ein bis zweieinhalb Jahre. Die Perspektiven sind gut: Ehemalige Trainees werden meistens übernommen und können im besten Fall direkt in einer Führungsposition anfangen.


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