Taschenrechner und orangenes Sparschwein
Consulting & Wirtschaftsprüfung für Juristen Images Money / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Consulting & Wirtschaftsprüfung für Juristen

Dafür gibt’s in der Beratung Kommunikation statt Aktenwälzen und Outdoor-Aktivität statt Schreibtischarbeiten

Hilfe, eine ExceL-Tabelle!

Dafür gibt’s in der Beratung Kommunikation statt Aktenwälzen und Outdoor-Aktivität statt Schreibtischarbeiten

Beim ZDF sieht man mit dem Zweiten besser. Und bei der Boston Consulting Group (BCG) steigt man mit dem Zweiten besser ein. Und zwar mit dem zweiten Staatsexamen direkt als Junior Consultant, so wie Claudia Schwarze. mit dem ersten Staatsexamen oder einem Masterabschluss startet man als Associate. »Ich arbeite als Juristin ganz normal als Beraterin. Kommen im Alltag allerdings mal juristische Fragestellungen auf, dann wird man hier auch ganz schnell mal zu Rate gezogen«, so Schwarze.

Im Zuge ihres Studiums kristallisierte sich der Wunsch, in der Beratung zu arbeiten, immer mehr heraus: »In der Universität war ich bereits Teil einer studentischen Unternehmensberatung. Da mir das sehr viel Spaß gemacht hat, habe ich auch während meines Studiums noch ein Praktikum bei der Boston Consulting Group als ›Visiting associate‹ gemacht und war damals schon so begeistert, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, direkt bei BCG einzusteigen. allerdings war der Wunsch, mein zweites Staatsexamen zu machen, zunächst größer und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, dies auch zu tun und wirklich abzuklopfen, ob die Arbeit in einer Kanzlei oder am Gericht mir mehr Spaß macht. Nach diesen Erfahrungen war jedoch die Beratung noch immer meine erste Wahl. also habe ich den Direkteinstieg bei BCG gewagt.«

Und es ging gleich ziemlich schwungvoll los: Projekte in der Versicherungs- und Bankenbranche, ein Healthcare-Projekt und ihr derzeitiges Due-Dilligence-Projekt verlangen wendige graue Zellen und die Bereitschaft, sich in neue Fachthemen einzuarbeiten, um den Kunden umfassend beraten zu können. Hier bringen Juristen eine Herangehensweise mit, die sie ihren wirtschaftswissenschaftlichen Kollegen oftmals voraus haben: »Allgemein ist das strukturierte Herangehen an eine unbekannte Problemstellung eine Eigenschaft, die man sich im Jurastudium aneignen muss, um Paragrafen zu verstehen und Fälle zu lösen. einen Schritt zurückzugehen und sich das Gesamtbild nochmal aus der Entfernung anzusehen, diese Fähigkeit kann man in der Beratung wirklich gut gebrauchen. Wir unterstützen Kunden dabei, einen Blick von Außen auf das eigene Unternehmen zu werfen. Wenn man als Berater nur der Vision des Kunden hinterherlaufen würde, dann hätte das Unternehmen durch eine Beratung keinen Mehrwert. Insofern ist hier die juristische Vorprägung von Vorteil.«

Allerdings hat es nicht nur Vorteile mit einem juristischen Hintergrund in die Beratung einzusteigen

»Das Handwerkszeug, das man in der Beratung sehr häufig braucht, wie beispielsweise Excel und Powerpoint, sind Tools, mit denen man als Jurist im Studium eher weniger zu tun hat. hierbei hat mir das Praktikum sehr geholfen, denn man steht quasi unter Welpenschutz und kann sich in Ruhe in die Programme einarbeiten. Als Quereinsteiger bekommt man bei BCG außerdem ein zweiwöchiges ›Exotentraining‹ für alle Nicht- BWLer zu wirtschaftswissenschaftlichen Themen wie Bilanzen, Bilanzanalyse, Kostenrechnung und dergleichen. Beim normalen Einstiegstraining gibt es zudem nochmal spezielle Exceltrainings.«

»Es hilft wenn man vorher rechnen lernt«, scherzt auch Heinrich Grave, Principal Financial Services bei Booz & Company. Und das hat Grave ziemlich professionell getan durch eine Ausbildung zum Banker. Da aber das, was der Hausjurist während seiner Ausbildung erklärte, viel spannender klang, entschloss er sich zum Jurastudium. »Als Jurist hat man eine Arbeitsweise, die nicht nur auf Perfektion, sondern auch auf Vollständigkeit getrimmt ist. Im schnelllebigen Umfeld der Beratung ist das jedoch nicht das optimale Vorgehen. Hier muss man eine neue Herangehensweise entwickeln, die darauf abzielt, in kurzer Zeit alle notwendigen Informationen so zu verarbeiten, dass man sie lösungsorientiert dem Klienten präsentieren kann. Als Jurist fühlt man sich bei einer solchen Ausführung unsicher, ist man es doch gewohnt, sehr ausführlich die Lösung eines Problems darzustellen, und neigt man doch dazu, mehr über das Problem als über die Lösung zu reden«, erklärt Grave. Schafft man es sich hier umzupolen, locken neben attraktiven Gehältern auch internationale Projekte. »Mein zweites Projekt war bereits in Sydney und nach einem Jahr in Deutschland habe ich zwei Jahre in London gearbeitet. Ich bin viel unterwegs gewesen in Zürich, Frankfurt, Paris, in Italien und Südafrika. Bei uns ist es normal, dass man in der Laufbahn als Berater bei Booz & Company internationale Erfahrungen durchläuft. Es ist kein Zwang, aber wir als Firma identifizieren uns sehr stark mit dem Thema. Hier besteht ein sehr großer Unterschied zum juristischen Alltag, denn diese Art von Internationalität wird man so nicht bekommen.«

Auch national ist man als Berater viel unterwegs und vor Ort beim Kunden

So ist Schwarze eher ein seltener Gast in ihrem Büro in München: »Meine Bürotür mache ich am Anfang meines Arbeitstages nicht wirklich oft auf, da wir normalerweise von Montag bis Donnerstag im Büro des Kunden arbeiten. Das heißt, ich steige montagsmorgens in einen Flieger und am Ende des Arbeitstags geht man vielleicht nochmal in ein BCG-Büro, sollte es eines in der Nähe geben. Donnerstags macht man sich auf die Heimreise und am Freitag ist dann der ›Office Day‹, an dem man im ›heimischen‹ Büro arbeitet.«

Während Grave seinem Sektor, der Finanzbranche, seit Jahren treu bleibt, ist Schwarze sich noch nicht ganz schlüssig, welcher Bereich es dann letztlich werden soll. In der Regel haben Neueinsteiger in den ersten zwei Jahren die Möglichkeit, Projekte in verschiedenen Fachbereichen zu absolvieren, bevor sie sich auf einen Sektor spezialisieren. Das führt neben interessanten Einblicken zu einer breiten Allgemeinbildung. »Jedes Projekt bedeutet neue Aufgabenstellungen, neue Kollegen und neue Kunden. Mir macht es Spaß, mich immer wieder auf neue Dinge einzustellen und neu einzuarbeiten, etwas zu lernen«, bestätigt Schwarze.

Viele Gründe sprechen dafür, in die Beratung zu gehen

Der Entscheidende für Heinrich Grave und Claudia Schwarze jedoch, da sind sie sich einig, ist der Faktor Mensch. »Bei BCG ist die Unternehmenskultur für mich der entscheidende Punkt. Schon beim Praktikum habe ich mich sofort wohlgefühlt. Man duzt sich von Anfang an, hat einen lockeren Umgang miteinander ohne strenge Hierarchien. Mit den Kollegen, mit denen ich eingestiegen bin, mache ich auch häufiger privat etwas. Ich habe auch in anderen Unternehmen schon Praktika gemacht, in denen durchaus gute Arbeitsbedingungen herrschen, aber das Klima war nirgends so gut wie hier«, berichtet Schwarze. Auch Heinrich Grave wählt seine Mitarbeiter ganz bewusst aus: »Ich persönlich frage mich in Interviews immer: Ist dieser Kandidat jemand, den ich mit auf ein Projekt nehmen kann? Und zweitens: Ist das eine Person, mit der du auch abends mal ein Bier trinken gehen würdest?« Vielleicht auch zwei? Denn mit dem Zweiten geht’s ja bekanntlich besser.


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