Juristen bei der Dräxlmaier Group

Gas geben als Jurist? Beim Automobilzulieferer Dräxlmaier Group ist das kein Problem.

Dräxlmaier Group
Dräxlmaier Group privat

Zu heißer Kaffee, der durch Verschütten Brandwunden verursacht hat und die vielen Zigaretten, die zu Lungenkrebs führten. In einigen bekannten Fällen verklagten die Betroffenen die Unternehmen und erstritten Schadensersatz.

Inwieweit die Schuld beim Produzenten oder bei den Konsumenten liegt, bleibt dahingestellt. Auch wenn diese Fälle eher selten vorkommen, so haben viele Unternehmen eine eigene Rechtsabteilung, um juristisch abgesichert zu sein. Dies bezieht sich nicht nur auf externe Vorgänge – auch intern sind rechtliche Abläufe zu regeln.

Um externe und interne Rechtsfragen kümmert sich Anja Kahle seit Februar 2010 beim Automobilzulieferer Dräxlmaier Group in Vilsbiburg. In ihrer Funktion als Group General Counsel prüft sie unter anderem Verträge, Vertraulichkeitsvereinbarungen und arbeitsrechtliche Abläufe. Im Schnitt koordiniert sie 30 bis 80 Vorgänge gleichzeitig.

Einen gewöhnlichen Arbeitstag verbringt sie oft auf Auswärtsterminen. »Das macht auch das Besondere an meinem Beruf aus – erhöhte Reisetätigkeit in Verbindung mit juristischer Problemlösung «, sagt die 41-Jährige. Ihre Tage beginnen gegen 8:30 Uhr und sind bis 19 Uhr angefüllt mit Meetings, Vertragsverhandlungen und -abschlüssen sowie Vertragsprüfungen. Die Aktenbearbeitung beschränkt sich zumeist auf die Zeit im Büro.

Kahles Arbeitstag in der freien Wirtschaft unterscheidet sich von dem im Staatsdienst

Die Juristin kennt beide Seiten, hat sich aber letztendlich gegen eine Beamtenlaufbahn entschieden. Vor ihrem Studium der Rechtswissenschaften an der Leibniz-Universität in Hannover war sie als Beamtin im gehobenen nicht-technischen Verwaltungsdienst tätig. Den Schritt in die Wirtschaft machte sie nach ihrem zweiten Staatsexamen.

Für sechseinhalb Jahre arbeitete sie als Mitarbeiterin in der Rechtsabteilung bei der Salzgitter Aktiengesellschaft – danach war sie für vier Jahre bei der Compass Group in Eschborn als Leiterin der Rechtsabteilung tätig. Mehr Abwechslung, größere Entwicklungschancen und bessere Einkommensmöglichkeiten waren die ausschlaggebenden Faktoren für ihre Entscheidung. »Fairerweise muss ich aber sagen, dass Staatsdienst nicht gleich Staatsdienst ist. Dieser kann auch sehr abwechslungsreich sein, aber die Tätigkeit in der freien Wirtschaft ist schnelllebiger, spannender und erfordert mehr Flexibilität«, sagt Kahle. Eine Karriere fernab vom Staat erfordert aber auch andere Fähigkeiten.

Jura-Absolventen, die eine Karriere in diesem Bereich anstreben, brauchen vor allem verhandlungssichere Englischkenntnisse. »Ich rate jedem Absolventen, sich in diesem Bereich weiteres Wissen anzueignen. Auch einen Englischkurs im Ausland halte ich für äußerst sinnvoll «, empfiehlt die Juristin.

Desweiteren erhöhen Zusatzqualifikationen die Einstiegsmöglichkeiten. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Intensivkurs im Bereich der Betriebswirtschaftslehre zu machen. Juristen müssen zwar keine Bilanzen aufstellen oder Jahresabschlüsse prüfen können, aber Grundwissen über wesentliche Positionen der Rechnungslegung muss vorhanden sein.

Kahle erklärt die Gründe hierfür: »Jedes Unternehmen ist getrieben von der Zahlenseite. Natürlich gibt es juristische Fragestellungen, aber im Vordergrund steht die wirtschaftliche Seite. In diesen Zusammenhang gehören der Jahresabschluss, die fristgerechte Bildung einer Rückstellung und auch die Einordnung von Bilanzen, inwieweit diese eine Beeinflussung erfahren. Alle juristischen Fragestellungen in einem Unternehmen haben in der Regel Auswirkung auf den Jahresabschluss oder die Bilanz. Von daher muss ein Unternehmensjurist auch in diesem Bereich solide Kenntnisse aufweisen.«

Gute fachliche Qualifikationen stellen die eine Seite dar – persönliche Kompetenzen die andere

Juristendeutsch und Urteilssprüche sind nicht selten schwer begreiflich. Deswegen lautet die oberste Priorität: Verständlichkeit. Dies bestätigt auch die Juristin: »Ein Jurist muss in der Lage sein, komplexe juristische Fragestellungen auf einfachstem und verständlichem Niveau zu vermitteln.

Die Fähigkeit, eine Erklärung ohne Paragraphen und Fachausdrücke bieten zu können, diese auf einfachstem Niveau jedem Mitarbeiter, unabhängig davon, auf welcher Hierarchiestufe im Unternehmen er sich befindet, vermitteln zu können, muss unbedingt vorhanden sein. Kurz gesagt: Etwas sehr, sehr Kompliziertes einfach und vollständig darzustellen, das macht einen guten Juristen aus.«


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