Silhoetten mit Paragraphenzeichen als Hintergrund
Juristen sind auch in Unternehmen heiß begehrt geralt / pixabay.com unter CC0 Public Domain

Unternehmensanwälte: ihr Markt, ihre Aufgaben, ihre Herausforderungen

Auf Juristen, die in der Rechtsabteilung eines Unternehmens arbeiten wollen, warten spannende Aufgaben. Besonders gefragt sind Bewerber, die wirtschaftswissenschaftliches Know-how mitbringen.

Die gute Nachricht vorweg: Es sieht wunderbar aus für Rechtsanwälte: »Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem geringen Niveau und ging 2015 weiter leicht zurück«, erklärt Ralph Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg und fügt hinzu, dass gleichzeitig die Vakanzen, die bei den Agenturen für Arbeit im Laufe des Jahres gemeldet wurden, höher als in den Vorjahren seien. Ein Grund könne dabei der gestiegene Bedarf bei der Bearbeitung von Asylanträgen sein. Insgesamt waren laut Bundesagentur für Arbeit am 1. Januar 2015 rund 354.000 Erwerbstätige mit rechtswissenschaftlichem Abschluss in Deutschland tätig – das waren rund ein Drittel mehr als 2004. Als Rechtsanwälte waren davon 164.000 tätig und 37.000 in der freien Wirtschaft.

Juristen mit breitem Wissen in Wirtschaftsrecht

Vor allem Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungen benötigen Juristen mit wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnissen. Die Universität Mannheim beispielsweise schafft hier mit ihrem Bachelorstudiengang ›Unternehmensjurist‹ gute Voraussetzungen. Juristen, die in Unternehmen tätig werden möchten, sollten nicht nur ein breites Wissen in Wirtschaftsrecht und Wirtschaftswissenschaften haben, sondern auch die Fähigkeit, aus mehreren Perspektiven an Probleme heranzugehen.

Unternehmensjuristen werden in allen Branchen gebraucht

Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Branche der Jurist arbeitet: Ob Unternehmen aus der Orthopädiebranche, dem Digital- und Siebdruck oder Firmen, die Fahrzeugteile herstellen – die Aufgaben sind dabei breit gefächert. Sei es juristische Beratung, Erstellung, Prüfung und Verhandlung von Verträgen, Koordination der Zusammenarbeit mit externen Anwälten, das Erstellen und Halten von Schulungen oder die selbstständige Entwicklung unternehmerisch sinnvoller Lösungen.

Generalisten mit Leidenschaft für Jura und BWL

Syndikusanwälte oder »das rechtliche Gewissen der Unternehmer« wie Unternehmensanwälte auch gerne genannt werden, sind dabei oftmals eher Generalisten als Spezialisten – je nach Funktion innerhalb des Unternehmens: »Generell lässt sich sagen, dass Unternehmensjuristen weniger mit äußerst fachspezfischen Fragen aus einem speziellen Rechtsgebiet konfrontiertwerden, sondern tendenziell eher mit allgemeinen Fragen, die im Einzelfall verschiedene Rechtsgebiete berühren und ein universales Gesamtverständnis von der juristischen Materie erfordern«, sagt Jan Phillip Hamm, HR Business Partner bei Bilfinger SE. Ihn habe vor allem die Interdisziplinarität aus Jura und BWL fasziniert, erklärt er seine Berufswahl. »Diese Kombination stellt eine hervorragende und – auf dem Markt in dieser Form – selten vorhandene Qualifikation dar.«

Top-Qualitäten: unternehmerisch und international

Was Absolventen, die sich für einen Einstieg als Unternehmensanwalt interessieren, mitbringen sollten, kann Dr. Siegfried Schwung, Chefsyndikus bei Kuka, sagen: »Von Vorteil ist eine Station im Referendariat in einer Unternehmensrechtsabteilung, fließende Englischkenntnisse und betriebswirtschaftliches Interesse.« Zusätzlich sollte der Syndikus in spe eine unternehmerische Einstellung, Serviceorientierung und ein internationales Profil mitbringen. Wäre noch die Sache mit dem Gehalt zu klären. Dieses hängt vom Alter des Anwalts ebenso ab wie von der Unternehmensgröße und vom Geschlecht. Während rund 50 Prozent der Männer weniger als 58.803 Euro jährlich verdienen, sind es bei den Frauen 52.334 Euro im Jahr. Unbezahlbar sind aber die Möglichkeiten und der damit verbundene Blick über den Tellerrand sowie die interdisziplinären Themenfelder.

 


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