gespraytes Monopolymännchen an der Wand mit Schriftzug "money"
Berufsbild Wirtschaftsjurist Thomas Galvez / Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

Wirtschaftsjurist: Karriere und Gehalt

Mit großen Geldgeschäften haben Juristen bei Finanzdienstleistungen zu tun. Das Berufsbild ist nicht einheitlich definiert - welche Aufgaben hat ein Wirtschaftsjurist und wie viel verdient er?

Die Branche der Finanzdienstleister hat momentan nicht immer den besten Ruf, Teile derselben jedenfalls. Also etwa Firmen wie die Atrium Incorporation Services LLC mit Sitz im US-Bundesstaat Delaware, einem so genannten Steuerparadies. Die beschäftigen, nach eigenen Angaben, auch allerlei hochqualifizierte Juristen, die wohl auch ganz gut verdienen. Aber von diesem Teil der Branche soll an dieser Stelle weniger die Rede sein. 

Wirtschaftsjurist bei MLP

Schon von Haus aus sehr viele Juristen beschäftigt der Finanzdienstleister MLP, denn das heute auf alle Akademiker ausgerichtete Beratungshaus widmete sich nach seiner Gründung 1971 allein den Juristen. Und so seien viele Berater bei MLP noch immer Juristen, sagt Karl-Friedrich Bauer, Bereichsvorstand bei MLP und Präsident der firmen­eigenen Corporate University. Juristen gibt es bei MLP also als Berater ihrer Fachkollegen, aber auch in der Rechtsabteilung des Konzerns, der nahe Heidelberg sitzt. Jeder MLP-Berater durchläuft dabei zunächst eine vom Unternehmen finanzierte Ausbildung zum Financial Consultant und weiter zum Senior Financial Consultant – und zwar an der Corporate University, die als erste deutsche Unternehmensuniversität auch von der Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA) zertifiziert wurde.

Anschließend kann man Geschäftsstellenleiter oder Dozent an der Corporate University werden oder sich zum Certified Financial Planner weiterbilden. Bauer sucht denn auch vor allem Leute mit »Unternehmergeist und Willen zum Erfolg«, die den Anspruch haben, sich permanent fachlich weiterzubilden. MLP beschäftigt heute, gut 40 Jahre nach seiner Gründung, mehr als 1.500 Mitarbeiter, die zuletzt Umsatzerlöse von 545 Millionen Euro erwirtschafteten.

 

Als Wirtschaftsjurist bei Talanx

In anderen Häusern indes arbeiten Juristen näher an ihrem angestammten Beruf, etwa bei Talanx, dem drittgrößten deutschen Versicherungskonzern, der seit kurzem auch im MDAX gelistet ist und im vergangenen Jahr mit knapp 23.000 Mitarbeitern 26,7 Milliarden Euro umsetzte. Juristen arbeiten hier vor allem im Produkt- und Vertriebsrecht, für die Schadensregulierung oder im Arbeits-, Versicherungs-, Wirtschafts- und Kapitalmarktrecht.

Dementsprechend sind dann natürlich auch die Fachgebiete und Schwerpunkte, die vom Konzern gesucht werden. Die Aussichten für Juristen stuft man hier übrigens als gut ein.

»Da Versicherungsprodukte letztlich Rechtsprodukte darstellen, ist der Bedarf an qualifizierten Juristen generell hoch und wird weiterhin hoch bleiben«, heißt es bei Talanx.

Erwartet werden neben einem erfolgreich abgeschlossenem Jura-Studium auch technisches und kaufmännisches Verständnis, Durchsetzungsvermögen, Entscheidungsfreude, Teamfähigkeit und verhandlungssicheres Englisch. Auch Dienstreisen sollte man nicht scheuen.

 

Wirtschaftsjuristen bei der DZ Bank

In der Frankfurter DZ Bank, die als Zentralinstitut für mehr als 900 Kreditgenossenschaften zuständig ist und über 28.000 Mitarbeiter hat, gibt es für Juristen einerseits ein Traineeprogramm, andererseits aber auch die Chance, als Professional direkt einzusteigen. Im Traineeprogramm der DZ Bank liegt der Fokus auf dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht. Ansonsten beschäftigt die DZ Bank, die mit einer Bilanzsumme von über 400 Milliarden Euro das viertgrößte deutsche Kreditinstitut ist, Juristen im Vertragsrecht ebenso wie in der Revision, der Kreditabteilung, im Arbeitsrecht oder dort, wo es um Compliance-Regelungen geht.

Und der Bedarf an qualifizierten Juristen wird eher noch steigen, sagt Andreas Haberberger, der bei der DZ Bank unter anderem für das Bewerbermanagement zuständig ist:

»Aufgrund der weiter zu erwartenden aufsichtsrechtlichen Vorgaben bedarf es zunehmend juristischen Fachwissens«, sagt Haberberger.

Gesucht werden, sowohl bei den Trainees als auch bei den Professionals Volljuristen – möglichst mit Prädikatsexamen – sowie Wirtschaftsjuristen. Analytisches und prozessorientiertes Arbeiten soll sie ebenso auszeichnen wie Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und Eigeninitiative, sagt Haberberger.

 

Wahlstation oder Referendariat bei der Deutschen Bank

Bei der Deutschen Bank wiederum kann man schon als Jurist arbeiten, bevor man sein Studium abgeschlossen hat: Sie bietet Juristen im 1. Staatsexamen an, ihre Wahlstation oder ihr Referendariat in der Deutschen Bank zu absolvieren. Jobs für Rechtswissenschaftler gibt es hier vorrangig im Arbeits-, Wirtschafts und Finanzrecht, aber auch in der Personalabteilung.

»An welcher Stelle im Unternehmen und in welcher Rolle jemand anfängt, hängt vom Bedarf sowie den Präferenzen und Karriere-Zielen des Einzelnen ab«, heißt es bei der Deutschen Bank. Praxiserfahrungen im Finanzdienstleistungsumfeld sowie im jeweiligen Rechtsgebiet seien »auf jeden Fall von Vorteil«. Zunehmend wichtiger würden auch Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit sowie gute Englischkenntnisse.

 

Bankjuristen oder Wirtschaftsjuristen bei der Postbank

Die Postbank hingegen unterscheidet den Bankjuristen, der ein klassischer Volljurist sein muss, und Aufgaben, für die juristische Kenntnisse jedenfalls erwünscht sind. Letztere sind beispielsweise als Personalreferenten, in der Revision oder als Spezialist für Compliance tätig. Bankjuristen arbeiten bei der Postbank etwa im Bankaufsichts-, Vertrags- und Gesellschaftsrecht, im Kreditrecht und Finanzmarktgeschäft, im Datenschutz oder dort, wo es um Geldwäsche und Finanzermittlung geht.

Gefragte Schwerpunkte sind das Arbeits- und Kreditrecht, das Sanierungs- und Insolvenzrecht, Compliance oder Wertpapierhandelsrecht. Und die Aussichten für Juristen sind gut, heißt es bei der Postbank. Denn angesichts der weiter andauernden Finanz- und Staatsschuldenkrise sei das Marktumfeld »durch eine Vielzahl von regulatorischen Neuerungen geprägt«. Gerade in diesem Segment sind Juristen gefragt, vor allem wenn sie Know-how im Bankaufsichtsrecht und Aktienrecht mitbringen und auch Anforderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) rechtlich kompetent bearbeiten können. Daneben bestehe unverändert Bedarf bei der rechtlichen Beurteilung von Kundenbeschwerden sowie datenschutzrechtlichen Fragestellungen.

 

Was verdient ein Wirtschaftsjurist?

Und was verdienen Juristen, die bei Finanzdienstleistern arbeiten, nun? Der Talanx-Konzern zahlt Einsteigern je nach Einsatzgebiet zwischen 38.000 und 50.000 Euro im Jahr, bei der DZ Bank bekommen Juristen im Traineeprogramm ein Gehalt zwischen 48.000 und 52.000 Euro, Direkteinsteiger bei den Professionals verdienen auch ohne Berufserfahrung zwischen 54.000 und 60.000 Euro pro Jahr. Bei MLP wiederum hält man sich mit genauen Zahlen zurück. Statt­­- dessen ist von »überdurchschnittlichen Einkommensperspektiven« die Rede, von allerlei Sonderkonditionen sowie von Provisionen und Honoraren, »die den eigenen wirtschaftlichen Erfolg widerspiegeln«. Auch die Deutsche Bank hält sich mit konkreten Angaben zurück. Bei der Postbank indes liegen die Einstiegsgehälter zwischen 54.000 und 62.000 Euro.

 


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