ein Mann hält einer Frau einen Schirm über den Kopf

Wirtschaftsprüfer als Jurist: Geht das?

Absolut! Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bieten Juristen ein dynamisches, vielfältiges Umfeld – und einen krisensicheren Job, in dem du viel mehr tust als nur Bilanzen prüfen

Betriebswirte können vielleicht besser mit Zahlen umgehen, Juristen aber sind die Spezialisten, wenn es um die Sicherstellung und Überwachung der Gesetzestreue von Unternehmen geht. Genau aus diesem Grund wollen immer mehr Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Juraabsolventen in ihren Reihen. Solche wie Marc Stirner, tätig im Bereich Compliance bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Arbeit in der Wirtschaftsprüfung biete ihm jeden Tag etwas Neues, etwas Herausforderndes, er lernt verschiedene Unternehmen und Prozesse kennen und kann viel Erfahrung sammeln.

Nach dem Juraabschluss zu PwC

Das waren die Gründe, warum er sich nach seinem Juraabschluss für eine Tätigkeit bei PwC entschieden hat. Schon während des Studiums hat der 29-Jährige sich auf den Bereich Compliance spezialisiert, dieses Wissen kann er nun in seiner Tätigkeit, der Überprüfung der Einhaltung von Compliance-Regeln bei Finanzdienstleistern, anwenden.

In seinem Spezialbereich ›Geldwäsche‹ überprüft Stirner, ob Unternehmen die gesetzlichen Regelungen beachten und umsetzen. Gerade in diesem Bereich gibt es sehr viele gesetzliche Neuregelungen und diese muss Stirner für seine Arbeit selbstverständlich kennen. Mit Gesetzen kennt er sich ja als Jurist aus.

Finanzierung von Flugzeugen: Als Jurist bei PwC

Stirners Kollege Michael-Alexander Volks ist ebenfalls über ein Jurastudium zu PwC gekommen und heute in der Unternehmensberatung und der Finanzierung von Flugzeugen tätig. Ihn reizt vor allem das dynamische und internationale Umfeld sowie der Kontakt zu den Menschen an der Beratungstätigkeit. Ständig wechselnde Ansprechpartner und unterschiedliche wirtschaftliche Interessen machen die Transaktionen besonders spannend:

»Man muss schauen, dass man den richtigen Ton gegenüber allen Parteien trifft und alle an einen Tisch bekommt, um Projekte möglich zu machen«, fasst der 31-Jährige zusammen.

Gerade wenn die beteiligten Parteien aus verschiedenen Ländern kommen und die jeweilige Politik Einfluss nimmt, kann dies schwierig sein, fügt Volks hinzu. Hierbei ist vor allem Flexibilität, internationales Verständnis und ausgeprägte Sprachfertigkeit gefragt. Außerdem sollte man immer offen sein für neue Ansätze und Feedback, sowohl von Kollegen als auch von Mandanten, so Volks. Dr. Werner Holzmayer, Wirtschaftsprüfer bei Ebner Stolz erwartet zusätzlich persönliche Integrität und unternehmerisches Verständnis von seinen Mitarbeitern, denn die Wirtschaftsprüfung geht über die bloße Prüfung von Bilanzen weit hinaus. Das Spannende ist die weiterführende Beratung der Unternehmen in den vielfältigsten Fragestellungen wie Transaktionen, Verkäufen und Nachfolgethemen.

Was braucht ein Jurist in der Wirtschaftsprüfung?

Der perfekte Anwärter sollte daher »unternehmerisches Verständnis, eine juristische Ausbildung und die damit verbundenen analytischen Fähigkeiten sowie ein gutes Zahlenverständnis« mitbringen, so der Wirtschaftsprüfer. Auch wenn der Weg über ein Jurastudium und das Wirtschaftsprüferexamen lang und mühsam ist, hält ihn Holzmayer für sehr erfolgsversprechend, »da man die logische Denkschule, die einem die Juristerei vermittelt, hervorragend für die Wirtschaftsprüfung nutzen kann«.

Aber auch Juristen ohne Wirtschaftsprüferexamen bieten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gute Einstiegschancen, vom Traineeship bis hin zum Direkteinstieg als Consultant.

Dennoch scheuen viele junge Juristen den Weg in die Wirtschaftsprüfung, denn der Tätigkeit eilt ein weniger spannender Ruf voraus:

»Die Herausforderung ist in der Tat, junge Menschen für den Beruf des Wirtschaftsprüfers zu begeistern, junge Juristen müssen erkennen, dass die Wirtschaftsprüfung ein wunderbarer Weg ist, um an die DNA von Unternehmen zu kommen und diese dann darauf aufbauend zu beraten«, so Holzmayer.

Und das im Kontakt mit unterschiedlichsten Themen, Unternehmen, Menschen und Branchen. Darüber hinaus bietet die Wirtschaftsprüfung eine durchaus krisensichere Tätigkeit, denn »wenn es der Wirtschaft gut geht, braucht man unsere Dienstleistungen und wenn es der Wirtschaft schlecht geht, braucht man sie in anderen Teilbereichen genauso«, betont Holzmayer. 


Anzeige

Anzeige