Im Zuge von weltweiter Digitalisierung steigt auch der Bedarf an Fachkräften in der Logistikbranche. | Quelle: Pixabay @ delphinmedia (CCO public domain)

Karriere für Ingenieure in der Logistikbranche

Supply Chain Management (SCM) – unter diesem klingenden Begriff werden alle Logistik-Prozesse in der Produktion zusammengefasst. Im Klartext: SCM umfasst die gesamte Güterbewegung von den Rohstoffherstellern bis zu den Endkunden und Abnehmern. Innerhalb dieser Wertschöpfungskette gibt es eine Menge Prozesse zu planen und zu steuern, mit dem Ziel, diese möglichst effizient für alle Beteiligten zu gestalten. Hier bestehen viele Einsatzgebiete für Ingenieure. Um die wachsenden Handels- und Warenströme zu bewältigen, werden Fachkräfte immer stärker benötigt.

Die Herausforderungen an die Logistik im ursprünglichen Sinn von Supply Chain Management liegen in der zuverlässigen Abwicklung der gesamten Prozesse. Am Ende soll der Kunde sein bestelltes Produkt termingerecht erhalten – egal ob Großkunde oder kleiner Verbraucher.
Lange Zeit spielten Logistikprozesse in Unternehmen keine große Rolle, doch die Ansprüche haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Ingenieure haben gute Berufsaussichten in Bereichen der Produktionslogistik, der Lagerwirtschaft, Fertigungsplanung in der Logistikkontrolle und der Konzeptentwicklung.

Produktionslogistik


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Planung, Steuerung und Controlling sind ein elementarer Bestandteil in der Produktionslogistik. Zwischen der Beschaffung der Roh-, Hilfs- und Betriebsmaterialien sowie der Distribution der fertigen Waren spielt sich alles im Bereich der Produktionslogistik ab.

Lagerwirtschaft

Wohin mit all den Waren, bis sie in die Hände des Endkunden gelangen? Ein wichtiger Bereich innerhalb der Logistik ist die fachgerechte Lagerung von Produkten, Rohmaterialien oder Halbfertigteilen. Somit nehmen führende Unternehmen von Lagerbehältern eine wichtige Funktion innerhalb des Prozesses ein. Immer mehr Unternehmen aus den verschiedensten Branchen müssen ihre Waren in externen Lagern aufbewahren. Eine flexible Verfügbarkeit von Verpackungsbehältern sowie eine bedarfsgerechte Kommissionierung und dies termingerecht – um diese Herausforderungen zu meistern, sind Fachleute gefragt. Verstärkte Digitalisierung und Automation in der Lagerwirtschaft stellen ein großes Entwicklungsgebiet auch für Wirtschaftsingenieure dar.

Boomende Logistikbranchen

Durch immer vielfältigere Produktenwicklungen, weltweite Expansion und stärkere Vernetzung steigen auch die Anforderungen an Logistikprozesse. Vor allem der deutliche Zuwachs des Online-Handels fordert die Logistik in allen Bereichen. Somit gibt es viele Branchen, in denen fähige Arbeitskräfte wie Ingenieure und Techniker gesucht werden:

  • Consulting und Beratung
  • Anlagen- und Maschinenbau
  • Elektronik-, Mess- und Regeltechnik
  • Technische Dienstleistungen
  • Geräte- und Apparatebau
  • Elektro- und Automatisierungs- Technik
  • Fahrzeugbau

Der Boom in der Logistikbranche hält nach Einschätzungen von führenden Finanzexperten weiterhin deutlich an. Vielen ist es unbekannt, dass die Logistikbranche in Deutschland mit drei Millionen Beschäftigten der drittgrößte Wirtschaftsbereich ist, nach der Automobilwirtschaft und dem Handel. Im Punkt Mitarbeiterzahl übertrifft sie sogar den Bereich Maschinenbau um das Dreifache.

Jedes Jahr um die Weihnachtszeit wird deutlich, wie wichtig ein reibungsloser SCM-Prozess im Hintergrund ist. Läuft er reibungslos, kommt das Paket noch rechtzeitig zum Fest an – erst wenn es Probleme gibt, tritt er überhaupt zutage. Die Umsätze bei bestimmten Dienstleistern im Zusteller-Bereich (wie UPS und FedEx) steigen seit Jahren und der Bedarf an Arbeitskräften ist riesig. Dies hat zum Teil schon zu einem Fachkräftemangel geführt.

Was sind die gefragten Skills?


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Die Logistikbranche ist trotz ihrer wachsenden Bedeutung innerhalb der Wirtschaftsentwicklung nicht wirklich eine klassische Einstiegsbranche für Ingenieure. Dabei hat ihnen die Branche eine Menge zu bieten. Erfolgreiche Wirtschaftsingenieure können einige Aspekte besonders hervorheben:

Die Vielfältigkeit des Einsatzgebietes ist enorm: Über viele verschiedene Produktions-Sparten hinweg und mit Einsatz in verschiedenen Ländern besteht Bedarf an Fachkräften. Als Projektmanager ist es möglich, in den unterschiedlichsten Branchen zu arbeiten. Die Bandbreite der infrage kommenden Spezialisierungen ist ebenfalls groß. Etliche Querverbindungen zu Positionen im Einkauf, der Produktion oder im Vertrieb existieren. So entstehen spannende Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Branche.

Die Logistik ist für Ingenieure ein weitgefasster und interessanter Arbeitsbereich. Was benötigt ein angehender Ingenieur dafür?

  • Konzeptionelle und analytische Fähigkeiten
  • Technische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse
  • Logisches Denken
  • Gefühl für Zahlen
  • Kommunikationsfähigkeit und Interesse an Menschen

Tatsächlich sind technisches und logisches Denken ein elementarer Bestandteil für Logistik-Ingenieure, ebenso wie die Fähigkeit, vorausschauend Prozesse zu bewerten. Gemachte Erfahrungen im Bereich Projektmanagement und Projektarbeit sind hier von Vorteil. In der Logistik sind eine intensive Zusammenarbeit und Abstimmung mit Menschen elementar. Auch reibungslose Kundenkontakte und kommunikative wie soziale Fähigkeiten sind ein nicht zu unterschätzender Bestandteil des Jobs.

Aufgabenschwerpunkte der Logistik

Es existieren viele spannende Aufgabenbereiche in der Logistik – von der Analyse, Planung und Implementierung über die Steuerung und Kontrolle bis hin zur laufenden Prozessoptimierung und -konzeption sowie der laufenden Kontrolle der Prozesse.

  • Realisierung von Logistikkonzepten von der Entwicklung bis zum Anlauf
  • Planung und Weiterentwicklung von ganzheitlichen Logistikkonzepten
  • Konzeption, Auslegung und Auswahl von Transport- und Lagersystemen
  • Planung von innerbetrieblichen Materialfluss-Strukturen
  • Layout-Planungen von Werken und Produktionen
  • Erstellung von logistischen Eckdaten für Fabrikkalkulationen
  • Integration von neuen Produkten in bestehende Logistiksysteme
  • Festlegung von Bestellmengen und Dispositionen
  • Entwicklung von Intralogistiklösungen für automatische Lagersysteme oder fahrerlose Transportsysteme
  • Entwicklung logischer Kennzahlen für die Bereiche Umsatz und Flächenbedarfsermittlung

Industrie 4.0

Auf der alljährlich stattfindenden Logistikmesse LogiMAT gibt es für angehende Ingenieure einen breiten Marktüberblick über die Logistikbranche. Die größte Messe für Intralogistik und Prozessmanagement in Europa bietet über ihre zahlreichen Aussteller und Sonderprogramme. Ein Thema beschäftigt die Logistikwelt im Jahr 2019 ganz besonders: die fortschreitende Digitalisierung und der Umgang mit den Daten – dem Rohstoff der Zukunft.

Die zunehmend digitalisierten Handels- und Logistikprozesse erfordern eine rasante Anpassung. In den Logistik-Prozess von der Herstellung der Ware bis zum Erhalt beim Kunden treten verstärkt interaktive Händler. Auch die Automatisierungen im Herstellungsprozess sind ein Thema für die Logistikbranche.

Industrie 4.0 ist ohne Logistik 4.0 nicht mehr möglich. Die Auswirkung einer immer stärkeren Ausrichtung auf digitale Steuerungsprozesse in der Industrie ist unter anderem eine forcierte Vernetzung im gesamten Logistik-Prozess. Dezentrale Echtzeit-Steuerung logischer Netzwerke oder Cyber-Pysical Systems sind hier zu nennen, Assistenzsysteme mit autonomer Intelligenz, Detektoren oder selbstfahrende Autos. Am Ende stehen dabei immer noch der Mensch und das zu verarbeitende Material.

Die von vielen als „vierte industrielle Revolution“ bezeichnete Entwicklung wird durch das Internet der Dienste und Dinge befeuert. Ingenieure finden hier ein spannungsvolles Einsatzgebiet zwischen Innovation und Verantwortung vor – und enorme Wachstumsbedingungen.

Ein Gastbeitrag von Anja Klein.