Arbeitszeugnis: So übersetzt du den Code

Arbeitszeugnisse zu deuten ist in etwa so leicht wie Balljonglage während eines Fallschirmsprungs. Wir decken ein paar Floskeln auf

So decodierst du dein Arbeitszeugnis!

Zeugnisse begleiten uns durch unser gesamtes Leben. In Deutschland, dem ›Land der Zeugnisse, Urkunden und Zertifikate‹ legt man besonderen Wert auf Noten und Beurteilungen. Wir werden heutzutage immer wieder von anderen Menschen beurteilt, nicht selten leider auch falsch. Somit können Zeugnisse ein Risiko, aber auch eine große Chance für den Bewerbungsprozess darstellen.

Es ist typisch, dass heute die verschiedensten Zeugnistypen ausgestellt werden. Sie können sich vom Zeitpunkt beziehungsweise Anlass ihrer Erstellung und vom Inhalt stark unterscheiden.

Zur Auswahl gibt es

  • das einfache Zeugnis
  • das qualifizierte Zeugnis
  • das Zwischenzeugnis
  • das Endzeugnis
  • das Berufsausbildungszeugnis
  • das Praktikumszeugnis
  • das Referenzschreiben beziehungsweise Empfehlungsschreiben

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Gängige Irrtümer zum Thema Arbeitszeugnis

Bevor näher auf die Zeugnisfloskeln eingegangen wird, sollen vorab einige der größten Irrtümer bei Arbeitszeugnissen aufgedeckt werden.

  • Irrtum 1: Arbeitszeugnisse sind nicht relevant!
    Es ist falsch zu glauben, dass Arbeitszeugnisse beim Auswahlprozess keine Bedeutung mehr haben. Arbeitgeber können sich bereits durch das Arbeitszeugnis ein besseres Bild von den Bewerbern machen.

  • Irrtum 2: Mit einem schlechten Arbeitszeugnis hat man keine Chance
    Die Vermutung, dass man von vornherein mit einem schlechten Arbeitszeugnis in der Bewerbungsmappe keine Chance auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch hat, ist ein Irrtum. Wenn die Bewerbung rund um das Arbeitszeugnis überzeugt, wird sich das neue Unternehmen im Vorstellungsgespräch ein eigenes Bild zu deiner Person machen.

Du hast auch die Möglichkeit, eine Änderung beziehungsweise Verbesserung deines Zeugnisses zu erwirken, im Notfall sogar vor dem Arbeitsgericht. Es geht um die Bewertung deiner Arbeitsleistung und somit auch um deine Jobchancen für die Zukunft. Nimm dir vorab diese Informationen zu Herzen und denke bei deinen neuen Zeugnissen daran, was dir nutzen oder auch schaden kann.

Was der Code im Arbeitszeugnis bedeutet

Die Formulierungen und Bewertungen, die in einem Arbeitszeugnis enthalten sind, sind häufig vom sogenannten ›Geheimcode‹ geprägt. Der Code wird deshalb verwendet, da es im deutschsprachigen Raum gesetzlich verboten ist, eine offene negative Wortwahl oder gar vernichtende Formulierung zu treffen.

Kritik kann allenfalls indirekt ausgesprochen werden. Somit haben sich im Laufe der Zeit Floskeln entwickelt, die sehr versteckt, aber dennoch erkennbare Hinweise über den zu Bewertenden geben.

Hier sind einige Formulierungen mit entsprechenden Interpretationen aufgelistet:

  • erledigte alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse
    Eifer ja, aber kein Erfolg

  • hat alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt
    ein Bürokrat ohne Eigeninitiative

  • möchten wir seine Fähigkeiten hervorheben, die Aufgaben mit großem Erfolg zu delegieren
    Drückeberger

  • hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt
    äußerst schwache Leistung

  • zeigte für die Arbeit Verständnis
    Faulpelz

  • hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden
    Wille war da, mehr leider nicht

  • erledigt die übertragenen Arbeiten mit Fleiß und war stets willens, sie termingerecht zu beenden
    absolut mangelhafte Leistung

  • hat sich mit großem Eifer an diese Aufgabe herangemacht und war auch erfolgreich
    leider dennoch mangelhafte Leistung

  • schätzen wir ihn als einen eifrigen Mitarbeiter, der die ihm gemäßen Aufgaben schnell und sicher bewältigen kann
    hat leider nichts drauf

  • müssen wir bescheinigen, dass er sich den ihm übertragenen Aufgaben mit Eifer gewidmet hat
    Pechvogel, ohne jeden Erfolg

  • verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen
    geringe Fachkenntnisse, aber ›große Klappe‹

  • hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht
    aber nichts geleistet

  • zeigte er sich den Belastungen gewachsen
    die Nerven liegen schnell blank

  • koordinierte er die Arbeit seiner Mitarbeiter und gab klare Anweisungen
    schlechte Führungs- und Vorgesetztenqualität

  • er erfüllte seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit
    mäßige, kaum brauchbare Leistung

  • er war immer mit Interesse bei der Sache
    er hat sich angestrengt, aber nichts geleistet

  • trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Arbeitsklimas bei
    übertriebener Alkoholgenuss

  • er verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen
    Kündigung durch Arbeitgeber

Man sollte bei den Beispielen allerdings beachten, dass die genaue Einstufung der Bewertung nur im Zusammenhang mit dem vollständigen Zeugnis erfolgen kann.

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Noten im Arbeitszeugnis

Neben den genannten Formulierungen spielt auch die Einstufung der Noten bei der Erstellung eines Zeugnisses eine wichtige Rolle.

Hier eine kurze Auflistung von möglichen Beispielen der Noten ›Sehr gut‹ und ›Gut‹:

  • Note 'Sehr gut' im Arbeitszeugnis
    … hat die ihm oder ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.
    … waren mit der Leistung in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
    … hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
    … wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden stets als höflicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt.

  • Note 'Gut' im Arbeitszeugnis
    … hat die ihm oder ihr übertragen Aufgaben/Arbeiten stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
    … hat die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
    … hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.
    … Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war einwandfrei.

Anhand der Beispiele wird ersichtlich, dass ein einziges Wort, wie im ersten Fall ›vollsten‹ und ›vollen‹, die Bewertung des Zeugnisses sofort verändert. Dennoch sind nicht nur die Formulierungen im Zeugnis relevant, sondern auch andere wesentliche Faktoren.

Unter anderem ist die Einhaltung der gängigen Reihenfolge zwingend notwendig, denn es darf nicht heißen: Weniger Wichtiges wird vor Wichtigem genannt. Somit sollte beispielsweise in der Leistungsbeurteilung nicht das soziale Verhalten vor der Arbeitsleistung stehen. Auch die Überbetonung und die Anwendung von ironischen Übertreibungen sollten vermieden werden, da dies häufig zu missverständlichen Interpretationen führen kann.

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Das Arbeitszeugnis - Formeln, Floskeln, Zwischentöne

Arbeitszeugnisse lesen sich meist durchweg positiv. Doch nicht alles, was nach Lob klingt, ist auch ein Lob. Woran erkennst ein gutes Zeugnis?

Deutschland ist das Land der Zeugnisse und Zertifikate. Berufliche Erfahrungen, Fachkenntnisse und persönliche Fähigkeiten sollten, wenn möglich, in speziell dafür angefertigten Dokumenten nachgewiesen werden. Arbeitszeugnisse sind heute unverzichtbare Bestandteile einer erfolgreichen Bewerbung geworden und ergänzen Anschreiben, Lebenslauf und Kurzprofil. Jeder Praktikant, Werkstudent oder Arbeitnehmer sollte diese Leistungsbeurteilungen vom Arbeitgeber auf jeden Fall anfordern, am besten kurz der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Obwohl in Deutschland Richtlinien und Gesetze existieren, die es dem Arbeitgeber verbieten, ablehnende oder negative Beurteilungen über ehemalige Mitarbeiter zu schreiben, sind derartige Bemerkungen oft indirekt in der Zeugnissprache enthalten.

In den letzten Jahren hat sich in den Personalabteilungen eine verschlüsselte Sprache, der sogenannte Zeugnis-Code, entwickelt. Auf den ersten Blick klingt das Zeugnis für viele sehr positiv, aber in Wirklichkeit ist dies oft nicht der Fall. So ist oft bereits in der Einleitung die Sichtweise beziehungsweise Beurteilung des Arbeitgebers durch die Verwendung von aktiven oder passiven Formulierungen zu erkennen. Steht beispielsweise aktiv formuliert »Frau Huber war vom 01.12.2010 bis zum 31.06.2012 bei uns in der Marketing-Abteilung tätig«, wird von der Personalabteilung ein positives Gesamturteil vermittelt. Wird jedoch passiv geschrieben „Wir bekräftigen, dass Frau Huber vom 01.12.2010 bis zum 31.06.2012 bei uns in der Marketing- Abteilung angestellt war«, bedeutet dies, dass der Arbeitgeber insgesamt unzufrieden war.

 

'Stets' oder 'im Großen und Ganzen'? Noten im Zeugnis

Bei der detaillierten Leistungsbeurteilung im Hauptteil des Arbeitszeugnisses sind negative Bemerkungen für ungeschulte Augen fast nicht wahrnehmbar. Wird hier statt »stets zur vollsten Zufriedenheit«, was die Bestnote wäre, »Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit « verwendet, ist daraus zu schließen, dass die Aufgaben oft nicht erwartungsgemäß erledigt wurden.

Urteile über die Arbeitseinstellung, wie »er zeigte Interesse« oder »er war bemüht« sind ebenso zu beachten, da diese dem neuen Arbeitgeber zeigen, dass der Bewerber sich zwar engagiert, jedoch nicht die erwarteten Leistungen erbracht hat. Sind Verneinungen in der Bewertung enthalten, ist explizit sogar die nicht verneinte Aussage gemeint. »Ihre Leistungen waren nicht zu kritisieren« bedeutet somit das Gegenteil und daher Note 5 oder 6.

Selbstverständlichkeiten und Nebensächlichkeiten im Arbeitszeugnis?

Ein gutes Arbeitszeugnis kann es schaffen, die Einstellungschancen deutlich zu erhöhen. Allgemeine Bemerkungen, Selbstverständlichkeiten oder Nebensächlichkeiten können hingegen sehr unvorteilhaft sein. Formulierungen wie »Herr Müller verfügt über gutes Fachwissen«, werden oft als geringwertig betrachtet, da nichts Spezifisches über die Person erwähnt wird. Die Fähigkeiten oder Arbeitsergebnisse werden nicht detaillierter beschrieben, was bedeutet, dass Herr Müller im Unternehmen ohne Schwierigkeiten ersetzt werden hätte können. Falls wichtige Hauptaufgaben nicht näher oder gar nicht beschrieben werden, kann davon ausgegangen werden, dass der Mitarbeiter für Kernaufgaben, die für das Unternehmen von großer Bedeutung gewesen wären, nicht zu gebrauchen war. Explizit erwähnte Pünktlichkeit wird beispielsweise als abwertend betrachtet, da dies von jedem Mitarbeiter erwartet wird.

 

Arbeitszeugnis: Schlussformulierung und Grußformel

Der Schluss bekräftigt meist das in der Einleitung angedeutete Gesamtbild des Angestellten. Schlussformulierungen wie »Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und wünschen ihm für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg« bedeuten, dass das Unternehmen ihn nur sehr ungern gehen lässt und gerne weiter beschäftigt hätte. »Wir wünschen ihr viel Glück für den weiteren Berufsweg«, heißt eigentlich »Vielleicht wird sie sich in Zukunft verbessern, bei uns hat sie wenig erbracht«. Gründe für den Austritt werden von den Personaleitern ebenfalls beachtet.

»Er verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen « deutet stillschweigend an, dass dem Mitarbeiter gekündigt wurde. Aussagen wie »Er verlässt uns auf eigenen Wunsch« sind ideal und hinterlassen einen guten Eindruck.

 

Wie erkennt man ein gutes Arbeitszeugnis?

Jetzt stellt sich für viele natürlich auch die Frage: Wie kann man beurteilen, ob ein Zeugnis gut ist? Und was muss eigentlich drin stehen? Die Einleitung, inklusive genau datierter Angaben zum Beginn und Austritt, darf nicht fehlen. Der vollständige Name sowie der Arbeitsort müssen ebenfalls klar gekennzeichnet sein. Wichtig ist hierbei auch, die genaue Bezeichnung der Rolle beziehungsweise im Unternehmen zu nennen. Eine gute Einleitung muss sprachlich aktiv formuliert sein, um den ersten positiven Eindruck zu unterstreichen.

Danach folgt die ausführliche Stellenbeschreibung der ausgeübten Tätigkeit. Die Aufgabenbeschreibung muss detailliert sein und darf sich nicht rein auf Oberflächlichkeiten beziehen, denn das neue Unternehmen möchte wissen, ob der Bewerber aufgrund seiner Erfahrungen und Fachkenntnisse in das Muster des gesuchten Kandidaten passen. Kernaufgaben, die für das Unternehmen und die Rolle des Mitarbeiters wichtig waren, müssen unbedingt detailliert beschrieben werden.

Die für das Berufsfeld wichtigen Aufgaben sollten an vorderster Stelle stehen, damit der Bewerber als qualifizierter Kandidat beim Bewerbungsprozess überzeugen kann. Du solltest darauf achten darauf, dass alle zentralen Aufgaben vorhanden sind.

Ein Tipp vom Karriereexperten: Du kannst deinem Arbeitgeber auch eine Liste/Übersicht für die Zeugniserstellung proaktiv zukommen lassen. Du sorgst so dafür, dass Nebentätigkeiten nicht den Hauptbestandteil der Beschreibung bilden werden.

Arbeitszeugnis: Beurteilung deiner Leistungen

Die wesentliche Funktion deines Arbeitszeugnisses ist die Beurteilung deiner Leistungen. Vorbildlich aufgebaute Zeugnisse vergeben insgesamt circa acht bis zwölf verschiedene Einzelnoten, die dich umfangreich beschreiben. Einleitend wird deine Motivation beziehungsweise Arbeitsbereitschaft beurteilt. Hierbei ist es wichtig, dass die Beschreibung deiner Arbeitsbereitschaft nicht verallgemeinert wird. Hat die Personalleitung deine Bereitschaft als

„Er war fleißig und hat die ihm überlassenen Aufgaben zuverlässig bearbeitet“ beschrieben, heißt dies zwar, dass du engagiert warst, jedoch dass dir nur einfache und risikolose Aufgaben übertragen werden konnten. Der neue Arbeitgeber könnte somit an deiner Intelligenz zweifeln. Formulierungen, die sehr überzeugend klingen, enthalten »Sie war stets motiviert « und »Sie hat die ihr überlassenen Aufgaben vorbildlich bearbeitet«. Du solltest zudem unbedingt darauf achten, dass arbeitstypische Merkmale beschrieben werden anstatt oberflächlicher Merkmale. So sollte zum Beispiel bei einer Journalistin Neugierde und das analytisches Denkvermögen beschrieben werden oder bei einer Vertriebsmitarbeiterin Verhandlungsstärke und Überzeugungskraft.

Arbeitszeugnis: Warum warst du ein wichtiger Mitarbeiter?

Deine Schlüsselqualifikationen müssen zu deiner Rolle im Unternehmen passen und zeigen, warum du ein wichtiger Mitarbeiter warst. Kenntnisse, die für dein Fachgebiet spezifisch sind, zeichnen dich nicht nur als Experten aus, sondern auch als anpassungsfähig, engagiert und wissbegierig. Fort- und Weiterbildungen sind ebenfalls wichtige Punkte, auf die die Personalleiter achten. Deshalb ist es unabdingbar, dass alle wichtigen und zielgerichteten Weiterbildungen im Zeugnis enthalten sind. Sie sind ein wichtiger Beleg dafür, dass das Unternehmen bereit war, in dein Talent zu investieren. PC-Kenntnisse explizit zu nennen, ist kein Muss. Wer jedoch in der IT -Branche arbeitet oder beispielsweise SAP-Kenntnisse in seinem Job regelmäßig einsetzen oder erweitern konnte, sollte auch hierfür einen Beweis erbringen können. In ein vollständiges Zeugnis gehört auch eine knappe Beschreibung deiner Arbeitsweise. Wörter wie ›strukturiert‹ oder ›zielorientiert‹ vermitteln, dass du dein logisches Denken gewinnbringend eingesetzt hast und sehr gut organisiert warst. Wörter wie ›überlegt› bedeuten zwar, dass du gut analytisch denken kannst, jedoch nicht sehr entscheidungsstark warst.

Die Beschreibung deiner Arbeitserfolge ist für jede Personalleitung der entscheidende Teil eines Zeugnisses. Dieser Bestandteil wird alle zuvor erwähnten Leistungen bekräftigen oder zunichte machen. Denn in einem Unternehmen unterscheiden sich am Ende Kandidaten anhand ihrer Fähigkeit, gute Ergebnisse und Lösungen zu liefern. Erfolge müssen deshalb nicht nur detailliert beschrieben werden, sie müssen auch auf die dir übertragenen Aufgaben bezogen sein. Im Vertrieb wirkt es beispielsweise sehr positiv, wenn erwähnt wird, dass du gute Beziehungen zu wichtigen Kunden aufgebaut hast und deine Arbeit immer von guter Qualität war. Schlechte Zeugnisse widersprechen sich oft und enthalten Formulierungen wie »Die Qualität seiner Arbeitsergebnisse war nicht zu beanstanden«. Um deinen Erfolg weiter auszuschmücken, ist die Erwähnung von besonderen Erfolgen bei Projektarbeiten oder Sonderaufgaben wichtig. Hier liefert nicht nur der Arbeitgeber Beweise für Ergebnisse, er zeigt auch, dass du die anspruchsvollen Aufgaben, die dir gegeben wurden, meisterhaft abgeschlossen hast.

Bewertung des internen und externen Verhaltens

Zuletzt wird dein internes und externes Verhalten bewertet. Zeugnisse sollen auch dein Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern bewerten (auch diese Reihenfolge ist von großer Bedeutung). Sind Vorgesetzte in deinem Zeugnis nicht enthalten, wird vermutet, dass du mangelnden Sinn für Autorität hattest und dich unprofessionell verhalten hast. Die Bestnote beschreibt meist ein Verhalten mit „vorbildlich «, oder »stets einwandfrei«. Das Verhalten gegenüber Kunden und Geschäftspartnern wird im Idealfall separat bewertet, ist jedoch meist nur typisch für Berufe, in denen der Kontakt mit Kunden ein wichtiger Bestandteil war. Schlussfolgernd enthalten Arbeitszeugnisse eine Dankes- und Bedauernsformel.

Die Bedauernsformel bestätigt, dass du ein wichtiger Mitarbeiter warst und dass man dich nur sehr ungern gehen ließ. Nicht erforderlich aber dennoch positiv ist die Nennung des Kündigungsgrunds, damit dem Arbeitgeber bestätigt wird, dass du von dir aus und im guten Verhältnis die Firma verlassen hast. Darauffolgende Zukunfts- und Erfolgswünsche bestätigen ebenfalls das beidseitig gute Verhältnis und sollten in jedem Zeugnis enthalten sein. Damit der Arbeitgeber nicht an der Aussagekraft deines Zeugnisses zweifelt, ist es notwendig, dass dein Zeugnis mit der Unterschrift des richtigen Zeugnisausstellers gekennzeichnet ist, von deinem direkten Vorgesetzten und eventuell zusätzlich von einem Mitarbeiter der Personalabteilung.

Verschlüsselungen im Arbeitszeugnis und was sie bedeuten

Eine kleine Auswahl an Floskeln - und was damit tatsächlich gemeint ist:

  • Er zeigte stets Engagement für Arbeitnehmerinteressen außerhalb der Firma (= Er hat an Streiks teilgenommen.)
  • Er hat mit seiner geselligen Art zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen (= Er hat Alkoholprobleme.)
  • Er trat engagiert für die Interessen der Kollegen ein (= Er war Mitglied des Betriebsrats.)
  • Für die Belange der Belegschaft bewies er immer Einfühlungsvermögen (= Er suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis.)
  • Sie war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen (= Eine unangenehme Mitarbeiterin, der es an Kooperationsbereitschaft mangelt.)
  • Er machte sich mit großem Eifer an die ihm übertragenen Aufgaben (= Trotz Fleiß hatte er keinen Erfolg.)
  • Er erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß (= Er war ein Bürokrat ohne Eigeninitiative.)
  • Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter (= Er besaß keine Durchsetzungsstärke und wurde nicht respektiert.)
  • Er machte häufig Vorschläge zu Arbeitserleichterungen (= Er war faul und zeigte wenig Einsatz.)
  • Aber: Er machte häufig Vorschläge zu Arbeitserleichterungen, wodurch Produktionskosten eingespart werden konnten (= Er hat dabei geholfen, betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten.)
  • Er war immer für einen Verbesserungsvorschlag gut (= Er war ein Besserwisser.)
  • Er war in der Lage, seine eigene Meinung zu vertreten (= Er kann nicht mit Kritik umgehen.)
  • Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen (= Er überspielt seinen Mangel an Wissen durch Sprücheklopfen.)
  • Unsere wirtschaftliche Lage erfordert durchgreifende Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Frau […] scheidet aus diesen rein objektiven Gründen auf eigenen Wunsch hin aus (= Ihr wurde vom Arbeitgeber nahegelegt, zu gehen.)
  • Er war stets pünktlich (= Ansonsten lässt sich nicht viel Positives über ihn sagen.)
  • Mit seinen Kollegen hat er sich aktiv auseinandergesetzt (= Er ist handgreiflich geworden.)
  • Er war ein gegenüber Kollegen zurückhaltender und korrekter Mitarbeiter, der gern allein arbeitete (= Er war ein Einzelhänger oder Außenseiter)
  • Er hat in seinem sowie auch im Interesse der Firma gearbeitet (= Es kam zu Unregelmäßigkeiten.)
  • Sie war eine eigenwillige und bewegliche Mitarbeiterin (= Es kam zu Unregelmäßigkeiten.)
  • Er verstand es, seine Interessen mit denen des Unternehmens in Einklang zu bringen. (= Es hat sich auf Kosten des Unternehmens bereichert.)
  • Im Jahr […] kam es zu einem deutlichen Umsatzrückgang. Dieser Trend setzte sich im laufenden Jahr fort. Herr […] scheidet aus diesem rein objektiven Grund auf eigenen Wunsch aus unseren Diensten aus (= Ihm wurde vom Arbeitgeber nahegelegt, zu gehen.)
  • Sie war eine anspruchsvolle und kritische Mitarbeiterin. (Sie ist egozentrisch und nörgelt gerne.)
  • Sie zeigte ein einwandfreies Verhalten gegenüber den Kollegen. (Zwar hat sie sich den Kollegen gegenüber richtig verhalten, von den Vorgesetzten ist hier aber keine Rede…)
  • Wir wünschen ihm für die Zukunft viel Erfolg. (Vielleicht hat er in der Zukunft ja den Erfolg, den er in der Firma vermissen ließ...)
  • Ihre Pünktlichkeit war vorbildlich. (Pünktlichkeit ist im Arbeitsleben selbstverständlich. Wird dieser Punkt extra erwähnt, hatte sie sonst wohl keine Leistungen vorzuweisen.)
  • Sie koordinierte die Arbeit ihrer Mitarbeiter und gab klare Anweisungen. (Sie beschränkte sich aufs Delegieren und drückte sich vor eigener Arbeit.)
  • Er hat die ihm übertragenen Aufgaben stets in seinem und im Interesse der Firma gelöst. (Er hat das Unternehmen geschickt bestohle.)
  • Wir haben uns in gegenseitigem Einvernehmen getrennt. (Die Eigenkündigung erfolgte auf Initiative des Arbeitgebers – sonst wäre der Mitarbeiter offiziell gekündigt worde.)
  • Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin. (Sie führte während der Arbeitszeit lange Privatgespräche.)
  • Wir bestätigen, dass er mit Fleiß, Engagement und Pünktlichkeit an seine Aufgaben herangetreten ist. (Fachlich hatte er leider nichts zu biete.)
  • Er praktizierte einen kooperativen Führungsstil und wurde insofern von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt. (Durchsetzen konnte er sich aber nicht.)
  • Sie scheidet aus, um in einem anderen Unternehmen eine höherwertige Tätigkeit zu übernehmen. (Wir wollten ihr keine höhere Position bieten, bzw. trauten ihr eine solche nicht zu.)

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Der Autor: Walter Feichtner

Walter Feichtner von ›Karrierecoach München‹ ist Dipl.-Kulturwirt und Inhaber von ›Karrierecoach München‹. Er ist Coach und Berater für alle Fragen rund um Bewerbung, Assessment Center, Arbeitszeugnisse, Karriere, Berufseinstieg, berufliche Neuorientierung oder berufliche und persönliche Weiterentwicklung.

Feichtner hat sich auf die Unterstützung von Hochschulabsolventen spezialisiert und kennt sowohl deren Anforderungen als auch die der Personalabteilungen und des Arbeitsmarktes. Er ist Gastdozent an mehreren Unis und Fachhochschulen und unterstützt auch Unternehmen bei Personal-Recruiting und Mitarbeiterauswahl.

Weitere Infos findest du unter www.karrierecoach-muenchen.de und 089-202081718.

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