Wie Absolventen in der Automobilbranche einsteigen

Die Außergewöhnlichen: Man muss nicht unbedingt Ingenieur sein, um in der Automobilbranche unterzukommen. Welche anderen Fachrichtungen werden gesucht?

Foto: Mauritius Images

Evelyn Hoffmann hat Leisure & Tourism Management mit einer zusätzlichen BWL-Vertiefung in Personalmanagement an der FH Stralsund studiert, um anschließend einen Master in Management & Human Resources an der Leuphana Universität Lüneburg draufzusatteln – und ist damit Kollegin geworden von Maschinenbauern, Fahrzeugtechnikern und Informatikern, die man eben klassischerweise bei einem Autombilhersteller wie der Audi AG vermutet. Damit widerlegt Hoffmann beispielhaft die Vermutung, dass in der Autobranche nur Platz für Absolventen der MINT-Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ist.

»Ich habe Audi bereits während meines Bachelorstudiums im Rahmen eines sechsmonatigen Praxissemesters im Personalwesen am Standort Brüssel kennengelernt. Diese positive Erfahrung sowie die anschließende Betreuung durch das studentische Bindungsprogramm waren ausschlaggebend für meine Bewerbung für das Internationale Traineeprogramm bei Audi«, erklärt Hoffmann.

In ihrem derzeitigen Projekt im Personalwesen beschäftigt sie sich mit den unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen an den verschiedenen internationalen Produktionsstandorten. Im Anschluss daran sind Stationen im Personalreferat, an einem internationalen Standort sowie in der IT geplant. Darüber hinaus sind die Trainees bei Audi in fachübergreifende und soziale Projekte eingebunden. Teilnehmer des Internationalen Traineeprogramms durchlaufen vier verschiedene Projektstationen in unterschiedlichen Geschäftsbereichen.

Eines dieser Projekte wird an einem der internationalen Standorte des Volkswagen Konzerns bearbeitet. Zudem absolvieren alle Trainees je einen Kundenkontaktbaustein, zum Beispiel bei einem Audi-Händler, und einen Baustein in der Produktion sowie in der internen Gastronomie. Begleitet werden die Projekteinsätze durch verschiedene Events und Workshops.

»Während des gesamten Programms werden wir durch einen Paten aus dem Management und durch die Traineebetreuung unterstützt. Im Anschluss an das Internationale Traineeprogramm beginnen wir unsere Tätigkeit im jeweiligen Zielbereich«, berichtet Hoffmann.

Doch für welche Bereiche suchen Automobilkonzerne Nicht-MINT-Absolventen? Hoffmann gewährt Einblicke:

»Kompetente Bewerber mit nicht-technischem Hintergrund finden bei Audi vor allem in Unternehmensbereichen wie Finanz, Beschaffung, Marketing und Personal Einsatzmöglichkeiten. Als Automobilunternehmen suchen wir aber selbstverständlich auch kontinuierlich Experten für innovative Aufgaben in der Technischen Entwicklung und in der Produktion. Im Fokus stehen insbesondere unsere Kompetenzfelder Leichtbau, Effizienztechnologien, Vernetzung des Automobils und Elektromobilität.«

Besonders gefragt seien Absolventen der Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftswissenschaften, Finanzwissenschaften, Rechtswissenschaften und Kommunikationswissenschaften. Doch nicht nur die Fachrichtung muss passen, sondern auch die Qualifikationen: «Wichtig sind uns Pioniergeist, Mut und Teamfähigkeit. Das sind die Gene unseres Unternehmens. Wir brauchen Leute, die Lust haben, gemeinsam mit anderen Neues zu schaffen. Kreative und teamfähige Menschen, die von der Marke Audi begeistert sind, von ihrer Tradition und Innovationskraft – und natürlich den tollen Produkten«, erklärt Hoffmann.

Ganz ähnlich sieht das beim Mutterkonzern Volkswagen aus. »Absolventen der unterschiedlichen Studiengänge arbeiten bei Volkswagen in gemischten Teams eng zusammen und kommen so gemeinsam zu optimalen Ergebnissen. Alle Hochschulabsolventen starten ihre Karriere bei Volkswagen mit einem von zwei Traineeprogrammen, zu denen beispielsweise das Seminar ›Automobiles Basiswissen‹ gehört«, berichtet Maren Peters, Leiterin Personalmarketing bei Volkswagen. Sie ergänzt: »Neben Absolventen der Fachrichtungen Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Leichtbau und Informatik haben Wirtschaftswissenschaftler sehr gute Einstiegschancen. Einsatzmöglichkeiten gibt es in Bereichen wie Einkauf, Controlling, Personalwesen oder Vertrieb.«

Nicht-MINTler sollten also keine Scheu haben, in ihrem Bewerbungsprozess auch die Automobilbranche im Blick zu haben. Denn nicht nur in wirtschaftswissenschaftlich geprägten Unternehmenszweigen, sondern auch in Bereichen wie der Unternehmenskommunikation sind Nicht-MINT-Absolventen gefragt.

Thomas Günther

Dieser Text stammt aus der Feder von:

Thomas Günther

guenther(at)audimax.de
Telefon: 0911-23779 44

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