Flexibles Arbeiten mit dem Berufsbild des freien Übersetzers

fotolia.com © Maksim Šmeljov
Freie Übersetzer sind für eine Vielzahl von Auftraggebern in verschiedenen Branchen tätig.

Es ist der Traum vieler Menschen: Flexible Zeiteinteilung, eigenverantwortliches Arbeiten, keine Zwänge durch eine Festanstellung und selbst die Entscheidung treffen, für welchen Auftraggeber man tätig sein möchte. In der heutigen Zeit ist das Arbeitsmodell der freien Mitarbeit immer häufiger anzutreffen und so mancher Berufstätige verdient sein Geld als Freelancer für einen oder mehrere Arbeitgeber. Vor allem im Bereich Medien und Kommunikation werden Freiberufler häufig eingesetzt. Eine Festanstellung scheint sich hier mehr und mehr zur Ausnahme zu entwickeln. Zu den häufigsten Berufsbildern zählt der freie Übersetzer. Ein Berufszweig auf dem Prüfstand.

Im immer globaler ausgerichteten Geschäftsleben ist eine international ausgerichtete Korrespondenz heute beinahe unerlässlich und kaum ein Unternehmen kommt ohne qualifizierte Fachkräfte im fremdsprachlichen Bereich aus. Hier kommt das Berufsbild des Übersetzers ins Spiel. Übersetzer übersetzen einen Text von einer Sprache in eine andere. Bei den Texten kann es sich um Korrespondenz, Verträge, Betriebsanleitungen, Inhalte einer Homepage, Artikel und Ratgeber, Pressemitteilungen und um viele andere Textarten handeln. Die Textgattungen, mit denen sich ein Übersetzer vornehmlich beschäftigt, hängen in großem Umfang von der Branche ab, in der er sich bewegt. Übersetzer sind in vielen verschiedenen Branchen tätig, besonders häufig aber in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Politik, Recht, Medizin oder Wissenschaft.


Aufgrund des branchenspezifischen Fachvokabulars, über das ein Übersetzer verfügen muss, ist eine Spezialisierung auf eine oder wenige Branchen ratsam. In besonders komplexen Bereichen wie zum Beispiel bei technischen Übersetzungen spezialisieren sich Übersetzer häufig sogar auf einzelne Unterbereiche der Branche, um sich dort das notwendige Hintergrundwissen und das entsprechende Fachvokabular aneignen zu können. Nur wer Hintergründe und Funktionalitäten wirklich versteht, ist in der Lage, sie sprachlich korrekt und für Leser verständlich umsetzen zu können.

fotolia.com © macrovector
Das Berufsbild des Freien Übersetzers ist vielseitig und erfordert eine umfangreiche Qualifikation.

Freier Übersetzer: Voraussetzungen und berufliche Qualifikation

Die Berufsbezeichnung „Übersetzer“ ist gesetzlich nicht geschützt und kann deshalb grundsätzlich von jedem angenommen werden, der sich mit der Übertragung von Texten aus einer in eine andere Sprache beschäftigt. Wer als Freischaffender langfristig Fuß fassen möchte, sollte allerdings eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren und sich eine solide berufliche Qualifikation aneignen.

 

Der Beruf des Übersetzers kann in Form einer Ausbildung oder eines Studiums erlernt werden. Jeder gewählte Bildungsweg schließt mit einer entsprechenden Fachbezeichnung ab. Der akademische Weg über eine Universität oder Fachhochschule schließt mit der Berufsbezeichnung Diplom-Übersetzer/in oder Fachübersetzer/in ab. Eine Spezialisierung zum Literaturübersetzer oder Translatologen ist ebenfalls auf akademischem Wege möglich. Wer sich für eine Ausbildung an einer Berufsschule entscheidet, kann sich nach dem Abschluss Dolmetscher/in / Übersetzer/in nennen. Beide Bildungswege sind staatlich anerkannt und qualifizieren zur Ausübung des entsprechenden Berufes.

 

Übersetzer müssen über ein ausgeprägtes und sicheres Sprachgefühl verfügen. Dies gilt sowohl für die Muttersprache als auch für eine oder mehrere Fremdsprachen, auf die er sich spezialisiert. Die meisten Übersetzer übertragen Texte aus einer oder mehreren Fremdsprachen in die Muttersprache, da so ein besonders idiomatischer Ausdruck gewährleistet werden kann. Einwandfreie Kenntnisse der Grammatik und Rechtschreibung in der Muttersprache sind für einen Übersetzer unerlässlich. Auch Änderungen in diesen Bereichen müssen stets erlernt und auf die eigene Arbeit angewendet werden. In selteneren Fällen wird auch in eine Fremdsprache übersetzt, dies erfordert allerdings außergewöhnlich gute Kenntnisse der Fremdsprache, die meist in einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt erworben werden. Neben hervorragenden Sprachkenntnissen sollte sich ein Übersetzer auch mit kulturellen Besonderheiten der Zielsprache auskennen, um sie im Rahmen seiner Texte berücksichtigen zu können. Es ist deshalb erforderlich, dass ein Übersetzer sich ein umfangreiches Fachwissen aneignet und sich auch tagesaktuell mit dem Weltgeschehen beschäftigt.

 

Auch stilistisch muss sich ein Übersetzer in beiden Sprachen sicher bewegen, denn häufig werden Texte für sehr unterschiedliche Zielgruppen übersetzt. Das sprachliche Niveau muss sich in jedem übersetzten Text der jeweiligen Zielgruppe anpassen und ein sicherer Umgang mit verschiedenen Sprachstilen und stilistischen Mitteln ist deshalb unabdingbar, um als Übersetzer langfristig erfolgreich arbeiten zu können. Wer die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, sollte sich beispielsweise ruhig einmal als Englisch Übersetzer bewerben und in den Arbeitsalltag dieses Berufsbildes hineinschnuppern. Die Tätigkeit als Freischaffender erfordert eine Menge Disziplin, bietet dafür aber auch Freiräume und Flexibilität. Wer diesen beruflichen Weg einschlagen möchte, sollte zunächst genau prüfen, ob diese selbstbestimmte Art des Arbeitens seiner persönlichen Veranlagung entspricht und auch langfristig erfolgreich umgesetzt werden kann.

Verdienstmöglichkeiten als Freier Übersetzer

Mit welchem Einkommen ein Freier Übersetzer rechnen kann, ist schwer zu sagen. Es kommt dabei stark auf die Art der Aufträge, die Branche, die eigene Qualifikation und das persönliche Engagement an. Auch die Art und Weise, wie der Übersetzer seine Aufträge bekommt, ist entscheidend. Viele freie Übersetzer stehen im Kontakt mit Übersetzungsbüros, die ihnen die Aufträge je nach Spezialisierung zukommen lassen. Auch der direkte Kontakt mit dem Auftraggeber ist möglich, erfordert aber vor allem in der Anfangszeit ein hohes Maß an Akquise und Kontaktpflege zur langfristigen Kundenbindung. Bei der Zusammenarbeit mit einer Agentur entfällt die Akquise, da diese vom Übersetzungsbüro übernommen wird, allerdings muss in den meisten Fällen ein Teil des Honorars an den Mittler abgeführt werden.

In der Regel werden Übersetzer pro Seite bezahlt. Es sind aber auch Abrechnungssysteme denkbar, die pro Zeichen, pro Wort oder pro Zeile berechnet werden. Wird pro Seite bezahlt, ist die Basis eine Normseite mit 17,50 Euro. Hier gibt es allerdings zum Teil gravierende Abweichungen, wenn der zu übersetzende Text beispielsweise einen hohen Rechercheaufwand erfordert und die vor- und nachbereitenden Arbeiten mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Übersetzung selbst. In diesem Fall wird der Übersetzer mit seinem Auftraggeber ein deutlich höheres Honorar pro Seite vereinbaren.

Literaturübersetzer werden gelegentlich statt eines festen Honorars am Gewinn beteiligt, den der Verkauf der übersetzten Bücher mit sich bringt. Dieses Vergütungssystem lohnt sich aber nur bei Werken, bei denen mit einem starken Absatz zu rechnen ist, denn meist enthält der Vertrag mit dem Übersetzer in diesen Fällen eine Klausel, die besagt, dass erst ab einem bestimmten Mindestumsatz eine Gewinnbeteiligung geltend gemacht werden darf. Da Literaturübersetzer meist eine erhebliche Vorleistung erbringen, bevor die Arbeit abgeschlossen ist und abgerechnet werden kann, sollten sie sich im Hinblick auf die Vergütung besonders gut absichern und Verträge grundsätzlich von einem Fachanwalt prüfen lassen. Weiterführende rechtliche Hinweise für Freiberufler hat das Internetportal frag-einen-anwalt.de zusammengestellt.


Ein Gastbeitrag von Michael Mayer

Artikelsuche