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Berufswechsel – selbständig machen oder freiberuflich arbeiten? Wo ist der Unterschied und wie packe ich's an?

Viele Studenten träumen schon während des Studiums davon, nach dem Abschluss unabhängig zu sein – der eigene Chef! Doch welcher ist der beste Weg in die Selbständigkeit und lohnt es sich eigentlich, freiberuflich zu arbeiten? Wir haben für dich recherchiert!

 

Berufswechsel – Der Unterschied zwischen Selbstständig- und Freiberuflichkeit

Freiberufler sind Unternehmer, die selbstständig tätig sind und eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit ausüben. So zum Beispiel als Tierarzt, Rechtsanwalt, Architekt oder Journalist. Um den Freiberufler vom Gewerbetreibenden trennen zu können, sind alle freiberuflichen Tätigkeiten in einem Katalog aufgeführt. Alle Selbstständigen, die sich nicht in diesem Katalog wiederfinden, sind Gewerbetreibende. Die Frage kommt auf, warum es überhaupt eine Trennung zwischen den beiden Begriffen gibt? Ganz einfach: Selbstständige, die als Freiberufler eingestuft sind, haben einen großen Vorteil. Freiberufler müssen keine Gewerbesteuer zahlen und, unabhängig der Höhe ihres Gewinns, keine Bilanz erstellen. Die Gewerbesteuer kommt der Stadt zu Gute, die Infrastruktur wird dadurch erhalten. Dem Freiberufler wird unterstellt, ebendiese Infrastruktur weniger bis gar nicht zu nutzen. Im Gegensatz zu einem Bauunternehmer fährt ein Tierarzt nicht mit einem LKW durch die Stadt.

Berufswechsel – Existenzgründung als Freiberufler

Als Freiberufler meldest du deine selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt an, du musst kein Gewerbe anmelden. Bei einem katalogähnlichen Beruf, also einem der nicht explizit in dem oben genannten Katalog aufgeführt ist, musst du dem Finanzamt eventuell deine Freiberuflichkeit nachweisen. In diesem Fall solltest du dir unbedingt den Rat eines Steuerberaters einholen.

Berufswechsel – Existenzgründung als Gewerbetreibender

Anders als beim Freiberufler musst du deine Selbstständigkeit beim Gewerbeamt anmelden. Die Anmeldung ist kostenpflichtig. Das Amt teilt daraufhin Finanzamt und Berufsgenossenschaft die Anmeldung deines Gewerbes mit.

Berufswechsel – 10 Tipps zur Gründung des eigenen Unternehmnes

1. Vor der Gründung

Eine solide Planung ist das A und O einer erfolgreichen Gründung. Dazu gehört die Erstellung eines Finanzplans, sowie die Wahl der Rechtsform für den Betrieb. Am besten fängst du mit einer persönlichen Eignungsprüfung und einer Rentabilitätsvorschau an. Danach erstellst du eine Marktanalyse und ein Konzept. Ganz wichtig: Dein Finanzplan muss eine Kalkulation deines Startkapitals, sowie die Ermittlung deiner Finanzquellen beinhalten.

Lasse dich vor und während deiner Gründung ausführlich von Experten beraten, um etwaige Fehler zu vermeiden.

2. Weiterbildung und Qualifizierung

Häufig scheitern Gründer, weil sie über mangelnde kaufmännische und unternehmerische Fähigkeiten verfügen. Deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld Kenntnisse darüber anzueignen. Unverzichtbar ist es, einen Existenzgründerkurs zu besuchen. Die Handwerkskammer bietet regelmäßig Kurse an.

3. Der Businessplan

In deinem Businessplan müssen folgende Fragen ausführlich beantwortet werden:

  • Welche Produkte bzw. Dienstleistungen bietest du an?
  • Welchen Markt gibt es für eine Produkte und Dienstleistungen?
  • Wie groß ist deine Konkurrenz?
  • Was unterscheidet dich von deiner Konkurrenz?
  • Brauchst du Mitarbeiter? Wenn ja, wie viele?
  • Welche Rechtsform wird dein Unternehmen haben?
  • Wie könnte die zukünftige Entwicklung deiner Branche aussehen?
  • Sind Werbemittel sinnvoll und wenn ja welche?
  • Welcher Standort ist für dein Unternehmen der Beste?

4. Die Rechtsform

DIE perfekte Rechtsform gibt es nicht. Die Entscheidung, in welcher Rechtsform du dein Unternehmen führen möchtest hat jedoch persönliche, finanzielle, steuerliche und rechtliche Folgen. Sei dir also bestens bewusst, welche Form für dich die beste ist!

5. Private Absicherung

Du bist jetzt dein eigener Chef und somit auch selbst für deine Versicherungen verantwortlich. Hier sind die wichtigsten Versicherungen, die du dir zulegen solltest:

  • Krankenversicherung
  • Krankentagegeldversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Unfallversicherung
  • Alters- und Hinterbliebenenversicherung
  • Erwerbsminderung- und Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Haftpflichtversicherung

6. Betriebliche Absicherung

Du musst abwägen, welche Risiken du in deinem Unternehmen versichern möchtest und welche nicht. Stelle dir bei jeder Gefahrenart die Frage, wie hoch das Risiko im schlimmsten Fall ist und ob du es selber tragen kannst oder eine Versicherung brauchst. In einigen Branchen besteht Versicherungspflicht! Außerdem versichern nicht alle Versicherungsunternehmen jedes Risiko: bei zu hohem Risiko können sie ablehnen oder horrende Summen verlangen.

7. Flüssig bleiben – die Liquiditätsprüfung

Führe regelmäßig eine Liquiditätsprüfung durch. Heißt: Ermittle die geschätzten Einnahmen und stelle sie den Ausgaben gegenüber. Aus der Differenz ergibt sich der monatliche Überschuss (Überdeckung) oder der monatliche Fehlbetrag (Unterdeckung). Diese Prüfung solltest du in deiner Unternehmenslaufbahn regelmäßig durchführen, um zu überprüfen ob eine eventuelle Zahlungsunfähigkeit droht.

8. Steuern

Die wichtigsten Steuern, die regelmäßig gezahlt werden müssen, um Ärger mit dem Finanzamt zu vermeiden sind:

  • Lohnsteuer
  • Gewerbesteuer (bei Gewerbetreibenden)
  • Einkommenssteuer
  • Umsatzsteuer/ Vorsteuer
  • Körperschaftssteuer

9. Finanzamt

Auch wenn du selbst viel Ahnung von Finanzen hast, ist es ratsam, ein Buchhaltungsbüro aufzusuchen oder einen Steuerberater zu nutzen. Auch wenn du es mit Hilfe von speziellen Programmen selbst hinbekommst, verschenken viele Gründer an dieser Stelle viel Geld, das du mit dem Hintergrundwissen eines Steuerberaters hättest sparen können.

10. Formalitäten

Für viele selbstständige Tätigkeiten brauchst du Erlaubnisse und Genehmigungen. Beispielweise für bestimmte Bereiche im Einzelhandel, Genehmigungen für Produktionsmaschinen usw. Du kannst dich diesbezüglich bei der Handelskammer erkundigen. Auch wie du deine Mitarbeiter anmeldest, erfährst du dort.

 

 


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