Interview: »Wie sieht der ideale Berufseinstieg aus?«

Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung steht unseren Fragen zum idealen Berufseinstieg Rede und Antwort

Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung
Foto: privat
Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung

Herr Briedis, wie sieht Ihrer Meinung nach der ideale Berufseinstieg für Absolventen in Deutschland aus?

Da wir vom idealen Berufseinstieg reden, wäre dies eine unbefristete Stelle kurz nach dem Studienabschluss in einem Feld, das nahe dem Studienfach liegt. Außerdem wäre es eine Stelle, die auch von Anforderungsniveau her adäquat ist und ein Einkommen von rund 40.000 Euro (brutto im Jahr) bietet.

In der Realität dauert der Einstieg jedoch oft mehrere Monate, es sind häufig befristete Stellen und auch nicht immer so ganz passend. Aber meist relativiert sich das nach einiger Zeit – erfahrungsgemäß in den ersten ein bis fünf Berufsjahren.

Was sind die größten Hürden, mit denen Studenten nach ihrem Studium im Berufseinstieg fertig werden müssen?

Eine große Hürde ist die Umstellung von einer akademisch geprägten Arbeitskultur, die sehr in die Tiefe geht, sich Zeit nimmt und verstehen will, hin zu einer Arbeitskultur, die oftmals von Effizienz und Tempo geprägt ist.

Studenten haben eines gemeinsam – keiner gleicht dem anderen. Welche Merkmale eines Absolventen spielen für den Berufseinstieg eine Rolle und weshalb?

Besonders wichtig ist das Fach – noch vor Geschlecht und anderen soziodemographischen Merkmalen. Das Fach entscheidet stark darüber, wie die Berufseinstiegschancen sind, weil der Arbeitsmarkt für Akademiker kein homogener Markt ist, sondern sich in Teilarbeitsmärkte aufteilt. Das Geschlecht spielt beim Berufseinstieg meist auch nur eine untergeordnete Rolle, zumeist unterscheiden sich Karrieren von Frauen und Männern erst nach einigen Jahren Berufserfahrung, wenn die Frauen dann häufig berufliche Unterbrechungen zugunsten der Familie in Kauf nehmen.

Auch weniger wichtig sind Abschlussnote oder Studiendauer, beides ist erst dann ein Problem, wenn sie besonders schlecht (Note) oder besonders lang (Dauer) sind. So helfen auch besonders gute Note und eine besonders kurze Studiendauer nicht beim Berufseinstieg. Auch Auslandserfahrungen sind nicht besonders wichtig. Hilfreich sind dagegen vor allem Praxiserfahrungen wie ein fachnaher Studienjob, Praktika oder die Abschlussarbeit im Betrieb.

Im Vergleich: Wie beurteilen Sie den Einstieg als Trainee?

Traineestellen sind sehr unterschiedlich ausgerichtet. Zum einen gibt es Traineestellen als Einstieg in die Führungslaufbahn, es gibt aber auch Traineeprogramme, bei denen die Absolventen mehrere Abteilungen durchlaufen, bevor sie im Unternehmen dauerhaft in einer Abteilung landen. Beides sind gute Modelle, zumal im Regelfall auch eine normale Bezahlung damit einhergeht. Weniger gut ist ein drittes Modell, das sich Trainee nennt, aber ein geringeres Gehalt vorsieht und auch noch keine klaren Perspektiven im Betrieb vorsieht.

Inwiefern beurteilen Sie den Usus von Unternehmen, Absolventen statt einem gut bezahlten Direkteinstieg den Berufseinstieg per vorgeschobenem Praktikum anzubieten?

Das halte ich für ganz schlecht. Erfreulicherweise gibt es da eine Gegenbewegung, ›fair company‹. Für die Testphase gibt es die Probezeit und außerdem die Möglichkeit, sachgrundlos für bis zu zwei Jahre befristet zu beschäftigen.

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Guter Rat ist teuer: Was sollte ein Absolvent tun, der sich schon monatelang erfolglos beworben hat?

Zuerst: Geduld und Ruhe bewahren. Dann noch einmal die persönlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Stärken reflektieren, um diese fundiert herausstellen zu können und sich auch gezielt an den richtigen Stellen zu bewerben. Gegebenenfalls können so auch noch gezielt Weiterbildungsmaßnahmen aufgenommen werden, um mögliche Schwächen, die ein K.O.-Kriterium sein können – wie zum Beispiel fehlende Kenntnisse im Arbeitsrecht – zu reduzieren. Außerdem wäre zu überlegen, wo jenseits der bisherig angestrebten beruflichen Felder weitere Optionen sind.

Und schließlich ist es auch ratsam, sich nach Jobs umzuschauen, die fachnah, aber nicht so sehr einschlägig, beziehungsweise in hohem Maße adäquat sind, um auf diesem Wege zum einen Praxiserfahrungen in dem Feld zu sammeln und zum anderen einen Fuß in die Tür des Betriebs zu bekommen.

Mit welcher Strategie sollten Absolventen am geschicktesten in eine Gehaltsverhandlung beim Berufseinstieg gehen?

Zuerst informieren, wie die Gehälter in der jeweiligen Branche im jeweiligen Job aussehen. Danach eine Forderung aufstellen, die realistisch ist. Nicht zu niedrig, nicht zu hoch fordern. Zu hohe Forderungen sind meistens auch ein K.O.-Kriterium. Deswegen mit Augenmaß in solche Gespräche gehen, sich aber auch der eigenen Stärken bewusst sein, die man in die Arbeitsprozesse einbringen kann, um die Forderung auch argumentativ zu hinterlegen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Welche Trends bezüglich des Einstiegs in die Berufswelt zeichnen sich künftig ab?

Er wird weiterhin häufig zunächst mit befristeten Verträgen erfolgen, Teilzeitstellen werden vermutlich häufiger werden. Eventuell gibt es zukünftig auch mehr Einarbeitungsangebote und -maßnahmen.

Kolja Briedis, 39, arbeitet schon seit 2002 in der Absolventenforschung und ist seit 2006 Projektleiter für Absolventenstudien beim Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Im Rahmen des Projekts werden Panelstudien zum Verbleib von Absolventen durchgeführt.

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