Männer schütteln sich die Hand
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Der Tarifvertrag – Definition, Überblick und Gültigkeit für Studenten & Young Professionals

Du bist auf Jobsuche und weißt nicht welche Gehaltsvorstellung im Anschreiben passend ist? Viele Unternehmen zahlen nach Tarifvertrag. Alles was du wissen musst und was dich als realistischen Lohn erwartet, erfährst du von uns.

 

Der Tarifvertrag – die Definition und wer schließt ihn ab?

Ein Tarifvertrag wird zwischen Arbeitgeberverbänden, einzelnen Arbeitgebern oder Gewerkschaften zum Zweck der kollektiven Selbstbestimmung geschlossen. Im Sinne des Tarifvertragsgesetzes (TVG) wollen alle Rechte und Pflichten der Beteiligten geregelt werden. Zudem dient der Tarifvertrag (TV) zur Festlegung arbeitsrechtlicher Normen. Der Vorteil eines Tarifvertrags: Ist ein Unternehmen an einen Tarif gebunden, so bekommst du meist mehr Geld als bei anderen Unternehmen ohne TV.

Was ist eine Gewerkschaft – die Definition

Eine Gewerkschaft vertritt die Rechte der Arbeitnehmer. Die erste gegründete Gewerkschaft ist der Buchdruckerverband aus dem Jahr 1848. Wer einer Gewerkschaft angehört, der hat es oft leichter, seine Interessen gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen und etwas an seiner beruflichen Situation zu ändern. Gewerkschaften tun dies oft im Rahmen von organisierten Streiks und üben so Druck auf die Arbeitgeber aus. Das Hauptziel der Gewerkschaften liegt im Schutz bestehender Arbeitsplätze und der Erhöhung der Einkommen der Arbeitnehmer. Gewerkschaften gibt es nicht nur bei uns in Deutschland, sondern weltweit.

Tarifvertrag: Wann darf gestreikt werden?

Ist der Tarifvertrag in einer neuen Verhandlungsrunde, so dürfen Gewerkschaften zum Streik aufrufen. Ein Streik ist eine geplante Arbeitsniederlegung mehrerer Arbeitnehmer. Diese dürfen allerdings erst streiken, wenn der Tarifvertrag ausgelaufen ist, d. h. er hat seine Gültigkeit verloren. In den Streikzeiten erhältst du keinen Lohn von deinem Arbeitgeber, sondern du wirst durch die Gewerkschaft mit einem sogenannten Streikgeld bezahlt.

Tarifvertrag: Wann darf nicht gestreikt werden?

Du solltest nicht an einem Streik teilnehmen, wenn dieser nicht von der Gewerkschaft organisiert wurde oder der Streitpunkt durch die Politik geklärt wurde. Auch vor einem Solidaritätsstreik wollen wir dich an dieser Stelle warnen.

Das Wichtigste zum Tarifvertrag: Bezahlung nach Tarif

Bei der Bezahlung nach Tarif spricht man auch vom Tariflohn. Dies ist ein Gehalt, welches Arbeitgeber und Gewerkschaften aushandeln. Dieser wird als Mindestgehalt im Tarifvertrag festgehalten. Je nachdem, welche beruflichen Qualifikationen du mitbringst, wirst du auch bezahlt. Ein Tarifvertrag gilt immer so lange, bis er wieder neu ausgehandelt wird. Meist sind dies bis zu zwei Jahre. Eine Ausnahme: Ein Rahmentarifvertrag gilt meist länger. Er enthält die Tätigkeits- und Qualifikationsmerkmale für jede einzelne Lohn- und Gehaltsgruppe und gibt die Hinweise darauf, wie du eingruppiert wirst.

Vorsicht: Auch wenn du dich jetzt schon freust, nicht überall wird direkt nach Tariflohn gezahlt. Es ist gesetzlich so geregelt, dass nur diejenigen, die als Arbeitgeber im Arbeitgeberverband oder als Arbeitnehmer in einer Gewerkschaft Mitglied sind, vom Tarifvertrag profitieren. Wenn nun dein Arbeitgeber nicht in einer solchen Vereinigung ist, dann muss er auch nicht nach Tarifvertrag zahlen. Er kann es aber freiwillig und das kommt dir dann zugute. Eine Beschränkung gibt es aber: Dein Arbeitgeber muss mindestens den gesetzlich festgelegten Mindestlohn zahlen.

Tarifvertrag IG Metall

Um dir das nochmal zu erläutern – hier ein Beispiel der metall-verarbeitenden Industrie. Wenn ein Unternehmen nicht dem Arbeitgeberverband angehört, muss es auch nicht nach dem Tarifvertrag zahlen, der von den Arbeitgeberverbänden aller Unternehmen mit der Gewerkschaft IG Metall ausgehandelt wurde. Besonders als Berufseinsteiger solltest du dich bereits vor deiner Bewerbung darüber informieren. Wenn dein Wunschunternehmen Mitglied im Arbeitergeberverband ist, dann ist es an den Tarifvertrag gebunden und du bekommst dementsprechend Gehalt. Lies hierzu auch: Wie du deinen Gehaltswunsch direkt im Anschreiben formulierst.

Welcher Tarifvertrag gilt für mich?

So wie die Vielzahl an Jobmöglichkeiten nach dem Abitur oder Studium, so vielfältig ist auch die Anzahl von Tarifverträgen. Es gibt einen Vergütungstarifvertrag und einen Flächentarifvertrag. In ersterem wird die Höhe von Vergütungen bundesweit festgelegt, d. h. es gibt einen Entgelttarifvertrag, Lohntarifvertrag oder einen Gehaltstarifvertrag. Der Flächentarifvertrag bestimmt nur die Regelungen in einer bestimmten Region in Deutschland. Aber keine Sorge: Normalerweise gelten Tarifverträge immer überregional. Allerdings lässt sich hier nochmal in Firmentarifverträge unterscheiden, die nur für ein Unternehmen gelten.  

Neben den finanziellen Regelungen werden Themen wie Arbeitszeit, Urlaubsanspruch und Kündigungsfristen im Manteltarifvertrag festgeschrieben.

Tarifvertrag für Werkstudenten

Als Werkstudent wird oftmals unterstellt, dass du weniger leistest als ein Festangestellter. Jedoch sind die tatsächlichen Aufgaben oftmals vergleichbar, denn du arbeitest im operativen Geschäft mit. Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass auf die Anwendung der Tarifverträge auf Werkstudenten keine klare Einigung besteht. Viele Arbeitgeber sind der Meinung, Werkstudenten sollten nicht nach Tarifvertrag entlohnt werden. Dies hat sich mit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) im November 2008 geändert. Das Gericht entschied, dass Werkstudenten in den gültigen Tarifvertrag einzugruppieren sind, wenn ansonsten auch Festangestellte nach Tarif gezahlt werden. Dem Arbeitgeber ist es jedoch überlassen im Falle eines sachlichen Grundes von der Regelung abzuweichen. Ein solcher Grund liegt vor, wenn andere Arbeitnehmer höher qualifiziert sind.


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