Ein Sternenhimmel bei Nacht im Hintergrund, im Vordergrund die Silhouetten von zwei Personen, die einen Berg hinaufsteigen.
Foto: Pixabay

Ein Einblick in den Berufseinstieg mit Mentor

Aller Anfang ist schwer. So auch der Berufseinstieg. Ein Mentor kann dir helfen, den richtigen Weg zu finden.

 

Sich als Neuling im Dschungel der Karrieremöglichkeiten zurechtzufinden, ist gar nicht so einfach. Gut, dass es immer mehr Programme gibt, die Berufseinsteigern den Eintritt in die Arbeitswelt erleichtern. Doch ein Mentoring-Programm dient nicht nur dem Mentee allein, wie Kathrin Mahler Walther, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Mentoring und Geschäftsführer der EAF Berlin, klarstellt: »Wer motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und binden will, muss Entwicklung ermöglichen. Mentoring ist dafür ein hervorragendes Instrument mit starken Effekten – sowohl hinsichtlich der Personal- als auch der Organisationsentwicklung.«

 

Die wichtigsten Voraussetzungen

 

Damit dieses Instrument auch tatsächlich wie vorgesehen funktioniert, sollte ein Mentoring-Programm auf den Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Mentoring basieren. Dazu zählt, dass zunächst die institutionellen Rahmenbedingungen hinsichtlich der strategischen Ziele, der Laufzeit – in der Regel zwölf Monate –, der Ressourcen und der Kommunikation geklärt sind. Daneben sollte die Ausschreibung des Programms, die Auswahl der Teilnehmenden und das Matching der Tandems nach transparenten Kriterien erfolgen. Dabei sei Mahler Walther zufolge wichtig, dass alle freiwillig am Programm teilnehmen und es kein hierarchisches Abhängigkeitsverhältnis innerhalb der Tandems gibt. Schließlich sollte das Mentoring in ein Rahmenprogramm eingebunden sein, das Qualifizierungsworkshops und Netzwerkangebote für Mentees sowie Mentorinnen und Mentoren umfasst. »Die Interaktion im Mentoring-Tandem sollte in regelmäßigem Abstand von vier bis maximal acht Wochen erfolgen, damit tatsächlich eine fruchtbare Zusammenarbeit aufgebaut werden kann«, betont Mahler Walther.

Doch bevor der wertvolle Austausch starten kann, gilt es, die passenden Teilnehmer auszuwählen und vor allem in geeigneten Tandems zusammenzuführen. Die Hannover Rück wird beim Auswahlprozess und konkreten Matching von einem externen Unternehmen unterstützt, das auf Mentoring-Programme spezialisiert ist. Das zeigt, welchen wichtigen Stellenwert das Programm und die richtige Zusammensetzung der Tandems einnimmt.

Dass Nachwuchskräfte vom Wissensschatz erfahrener Führungskräfte profitieren und ihnen durch ihre Mentoren neue Perspektiven aufgezeigt werden, liegt nahe. Maja Schröder, Director Corporate Management Development bei Bertelsmann, betont jedoch: »Auch der Mentor profitiert von diesem Austausch – etwa in Form von wertvollen Impulsen und Sichtweisen einer jüngeren Generation sowie durch die Rückmeldung zur eigenen Arbeit.« In ihrer Funktion sollten Mentoren nicht einfach nur Erfolgsgeschichten weitergeben wollen, sondern Interesse an der Persönlichkeit der Mentees haben, offene Fragen stellen, aktiv zuhören und die Mentees in ihrem eigenen Prozess begleiten, wie Kathrin Mahler Walther von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring unterstreicht. »Mentorinnen und Mentoren sollen einerseits ihre Erfahrungen – Erfolge wie Krisen – weitergeben und sich andererseits zurücknehmen können«, fasst sie zusammen.

 

Frauen im Fokus

 

Erfolgreich sei ein Mentoring-Programm laut Alexandra Imhoff, Senior Manager Human Resources bei der Hannover Rück, immer dann, wenn neue Blickwinkel erschlossen und dadurch die eigenen Handlungsmöglichkeiten erweitert werden. »Übergeordnet hoffen wir, dadurch mittelfristig auch mehr Frauen in Führungspositionen zu sehen«, verrät sie. Ein wichtiger Aspekt, vor allem angesichts der Tatsache, dass nur 21,3 Prozent der Führungskräfte in Deutschland weiblich sind. Mentoring-Programme sind ein Baustein von vielen, um Frauen im Beruf verstärkt zu fördern. Übrigens: Das allgemeine Feedback von Mentees ist firmenübergreifend durchweg positiv.

 

Mentor Thomas Fiedler und Mentee Katharina Erdwig, beide tätig bei der Hannover Rück, berichten von ihrem gemeinsamen Austausch

 

»Als das Mentoring-Programm im Frühjahr 2015 eingeführt wurde, habe ich mich spontan als Mentor zur Verfügung gestellt. Katharina ist meine zweite Mentee. Wir treffen uns regelmäßig, circa einmal monatlich, und besprechen aktuelle Themen ihres Berufsalltags, Fragen ihrer weiteren beruflichen Entwicklung, aber auch Aspekte der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben «, erklärt Thomas Fiedler, tätig als Leiter Recht und Compliance. »Inhaltlich kommt bei mir an dem einen oder anderen Punkt, den wir besprechen, natürlich auch die Frage auf, ob ich Katharina einen Ratschlag geben sollte, der ihrer Führungskraft möglicherweise nicht so passen könnte, aber für ihre Entwicklung sehr wichtig ist und zur Klärung einer Situation beiträgt. Hier habe ich eine klare Devise für Mentoren, die ich auch selbst beherzige: Die gute Weiterentwicklung eines Mentees sollte oberste Priorität haben.« Wichtig für den gemeinsamen Austausch sei dabei das jederzeitige, absolute, gegenseitige Vertrauen, dass alles, was die beiden besprechen, vertraulich behandelt wird und zwischen ihnen bleibt.
Thomas Fiedler, Mentor bei Hannover Rück

 

»Das Matching zwischen Mentor und Mentee im Auswahlprozess des Programms klappt in meinen Augen extrem gut. Thomas und ich haben ohne Probleme ›die Arbeit aufnehmen können‹ und von Anfang an einen unkomplizierten und vertrauensvollen Austausch gepflegt«, freut sich Katharina Erdwig, Manager Internal Communications. Neue Termine würden direkt im Anschluss an ein Treffen vereinbart, damit der Zeitraum zwischen dem Austausch nicht zu lang werde. Sie fügt hinzu: »Hilfreich ist für mich, dass mein Mentor Thomas mich ermutigt und daran erinnert, Dinge anzusprechen und sie einzufordern.« Das betreffe vor allem Fragen ihrer weiteren beruflichen Richtung sowie die Vereinbarkeit von Berufsalltag und Privatleben. »Es kann sich aber auch um ganz banale Dinge des Alltagsgeschäfts handeln und Fragen meinerseits, wie mein Mentor damit umgehen würde. Aber natürlich sprechen wir auch über meine persönliche und die damit einhergehende fachliche Weiterentwicklung.« Dabei würden sich neue Themen oft auch erst im Gespräch ergeben.
Katharina Erdwig, Mentee bei Hannover Rück


Anzeige

Anzeige