Wie Unternehmen versuchen Fachkräfte zu binden!

Immer mehr Arbeitgeber treten in Konkurrenz um immer weniger Fachkräfte – wie Unternehmen versuchen qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten

Fachkräftebindung: Wie Unternehmen versuchen Fachkräfte zu binden
Foto: Mauritius Images
Fachkräftebindung

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde, durch alle Branchen hinweg ist von verstärktem Wettbewerb auf dem Bewerbermarkt die Rede. Aber was sagen die Unternehmen selbst dazu und vor allem was wollen sie dagegen tun? Gewiss ist, dass der Aufwand im Recruiting und Personalmarketing steigt, es müssen neue Wege gegangen und klassische Maßnahmen erweitert werden. Die Deutsche Telekom sieht dies als positive Herausforderung: »Die Situation erfordert von uns ein neues Denken«, berichtet Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Recruiting und Talent Acquisition. Der Beruf des Recruiters hat sich völlig verändert.

»Während vor zehn Jahren Arbeitgeber noch unter einer Vielzahl von geeigneten Bewerbern auswählen konnten, wählt mittlerweile eine immer kleiner werdende Gruppe qualifizierter Fachkräfte aus einer Vielzahl von Unternehmen aus«, so Julia Carloff-Winkelmann, Head of Talent Acquisition bei Ebay.

Da sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt eher verschärfen als entspannen wird, müssen die Unternehmen zunehmend auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen. Neben klassischem Recruiting wie Onlineaktivitäten, Messen und Karriere-Webseiten, werden Recruiting-Events, Kooperationen mit Hochschulen und ›Active Sourcing‹, bei dem die Recruiter mit ›detektivischem Gespür‹ Portale wie Xing oder LinkedIn nutzen, um Mitarbeiter zu finden, immer wichtiger,

Fachkräftebindung: Was sich Unternehmen einfallen lassen!

Besondere Aktivitäten, wie die ›Leave your Mark-Tour‹ der Deutschen Telekom, bei der Studierende eine Busreise in die Telekomwelt machten, oder die Blind-Applying-Aktion, bei der sich Interessierte mit nur einem Lebenlauf für 18 Praktika bei 18 Unternehmen bewerben konnten, sollen einen guten Eindruck bei zukünftigen Fachkräften hinterlassen.

Auch Schaeffler sieht sich in starkem Wettbewerb um die besten Fachkräfte, weiß Petra Reiner, Leiterin Competence Center Personalentwicklung beim Automobilzulieferer Schaeffler, und setzt deshalb mit dualen Studiengängen auf internen Nachwuchsaufbau. Aber auch als Hauptsponsor der Formula Student, einem studentischem Konstruktionswettbewerb, arbeitet er nah mit den Studierenden zusammen und fällt dem ein oder anderen als potenzieller Arbeitgeber positiv auf. Besondere Recruiting-Events alleine sind aber selbstverständlich noch nicht erfolgsversprechend.

Flexibilität, Fitnessstudio, Freizeitausgleich

Viel wichtiger ist vor allem das, was die Absolventen im Unternehmen erwartet – die Attraktivität des Arbeitgebers zählt. Weiterbildungs- und Aufstiegschancen, internationales Umfeld und flexible Arbeitszeiten sind mittlerweile Eckdaten, die ein Unternehmen für Absolventen bieten sollte, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.

Ebay setzt zusätzlich auf Anreize wie ein kostenfreies Fitnessstudio, Kickertische, ein Beachvolleyballfeld und die Möglichkeit alle fünf Jahre ein Sabbatical einzulegen. »Schließlich brauchen Mitarbeiter hin und wieder eine kreative Auszeit«, fügt Carloff-Winkelmann hinzu.

Derartige Maßnahmen sind gute Gründe für Mitarbeiter den Unternehmen treu zu bleiben. Denn ein gutes Gehalt ist lange nicht mehr alles. Natürlich möchte jeder Arbeitnehmer für seine Arbeit angemessen bezahlt werden, aber »wenn mir mein Job keinen Spaß macht, hält mich vermutlich auch keine gute Entlohnung«, fügt Brodbeck von der Deutschen Telekom hinzu. Die zukünftigen Aufgabengebiete, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und das Gefühl, »gefordert und zugleich gefördert zu werden« sind laut Carloff Winkelmann vielmehr die entscheidenden Kriterien.

Maßnahmen gegen Fachkräftemangel früh beginnen!

Da aber die Schwierigkeit vor allem darin liegt, qualifizierte Mitarbeiter erst einmal zu finden, sind sich Unternehmen zunehmend einig, dass Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel bei Schülern und Studenten beginnen müssen.

»Wenn wir beispielsweise mehr MINT-Kräfte brauchen, müssen wir eben dafür sorgen, dass junge Menschen ein Studium in dem Bereich absolvieren«, so Brodbeck.

Schüler und Studenten sollten sich frühzeitig über die Vielfalt der Berufsfelder informieren und durch duale Ausbildungssysteme oder Praktika an die Unternehmen herangeführt werden, fasst Reiner von Schaeffler zusammen.

Redakteurin: Eva Ixmeier


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