Multitasking: Lieber eines nach dem anderen machen!

Ein paar Sachen simultan erledigen – verlockende Idee! Nur: Geht das wirklich? 

Computer können es, heutzutage, meistens jedenfalls. Und Frauen sowieso, sagt man, und zwar schon seit jeher: Multitasking. Gleichzeitig Fernsehen, Bügeln und Telefonieren. Oder die Hausarbeit arrangieren. Oder Lernen und DSDS gucken. Während nebenher Musik läuft, der Messenger, das Mail-Programm. Alles zur selben Zeit. Und zwar sofort. Ein Ideal unserer Zeit. 

Multitasking ist eine Illusion

Und eine Illusion, erklären Experten – quer durch die Disziplinen.

»Wir sind nicht Multitaskingfähig«, sagt beispielsweise Ernst Pöppel, Professor für Medizinische Psychologie.»Wir switchen in Aufmerksamkeitsspannen von drei Sekunden, verlieren dabei aber Tiefe, haben das Gefühl, nichts zu schaffen.«

Auch in Computern – für die Multitasking einst ersonnnen wurde – laufen die verschiedenen Prozesse nicht parallel ab. Sie werden vielmehr in so kurzen Abständen abwechselnd aktiviert, dass bei uns der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht.

Multitasking: Zeitspanne von drei Sekunden

Nun ist es ja nicht so, dass der Mensch nicht mehrere Eindrücke zugleich wahrnehmen könnte. Auf Partys funktioniert das sogar ganz wunderbar. Ein Blick – und wir wissen, wie sich der andere bewegt, wie er aussieht, wie er spricht, was für ein Typ er ist. Ob er, sie attraktiv ist.

Kein Problem, sagt auch Pöppel, weil wir den Menschen »ganz selbstverständlich« als Einheit sehen. Und vor allem: weil alles unterbewusst abläuft.

In jeder Sekunde versorgen die Sinne das Gehirn mit Millionen Bit an Information – doch nur ein winziger Bruchteil dessen wird tatsächlich weiter verarbeitet. Für einen Zeitraum von drei Sekunden kann immer nur eine Sache im Mittelpunkt unseres Bewusstseins stehen.

Multitasking: Ein Mythos!

Drei Sekunden Fernsehen, drei Sekunden Bügeln

Erledigen wir nun doch mehreres simultan – mit scheinbar der gleichen Aufmerksamkeit – dann zappt das Gehirn einfach zwischen den verschiedenen Aufträgen hin und her.

Drei Sekunden Fernsehen, drei Sekunden Bügeln, drei Sekunden telefonieren.

Das geht, irgendwie – aber nur oberflächlich, nicht mit Nachhaltigkeit. Multitasking ist nicht mehr als der schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben.

»Dabei verwechseln wir Schnelligkeit mit Intelligenz«, sagt Pöppel, und wer schnell ist, gilt meist auch als schlau.

Dabei haben US-amerikanische Arbeitspsychologen herausgefunden, dass von einer Arbeitsstunde ganze 22 Minuten konzentriertes Schaffen übrig bleiben, wenn zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her gewechselt wird. Dabei vergibt gerade der mit Mail und Handy, Internet und Telefon, Fax und Messenger vielfältig vernetzte Mensch wertvolle Zeit damit, all die Informationssystem zu kontrollieren.

Multitasking: Entscheidungen brauchen Zeit

Schwierig wird es vor allem, wenn wir nicht nur wahrnehmen, sondern auch reagieren müssen. Denn Entscheidungen brauchen ihre Zeit, mindestens eine Sekunde, haben Studien herausgefunden.

Unser Gehirn funktioniert dabei wie ein Flaschenhals: Die Anweisungen gelangen immer nur der Reihe nach hindurch.

Deswegen ändert auch eine Freisprechanlage fürs Handy im Auto nichts an der hohen Unfallquote: Wer telefoniert und fährt, hat ein vier Mal höheres Unfallrisiko – und die Reaktion eines Angetrunkenen mit 0,8 Promille Blutalkohol.

Im Kernspintomografen kann man das sogar sehen. Sollen Probanden einfachen Sätzen lauschen, zugleich aber auch dreidimensionale Bilder miteinander vergleichen, so gelingt dies zwar in neun von zehn Fällen. Und doch ist das Gehirn der Doppelbelastung nicht gewachsen: Die Spracherkennungsareale sind nicht einmal mehr halb so aktiv, wenn neben dem Zuhören auch noch andere Aufgaben erledigt werden sollen.

Multitasking führt zu höherer Fehlerquote

Mit anderen Worten: Das Multitasking führt am Ende dazu, dass alles buchstäblich nur noch mit halber Kraft erledigt wird. Und das kostet: Die Konzentration sinkt, der Stress steigt, die Fehlerquote auch – und zusätzliche Arbeitszeit muss aufgewendet werden, um Fehler wieder auszubügeln.

28 Milliarden Arbeitsstunden, hat eine US-amerikanische Beratungsfirma errechnet, nehmen in den USA pro Jahr allein jene Unterbrechungen in Anspruch, die durch das ständige Wechseln der Tätigkeiten entstehen.

Bei einem fiktiven Stundenlohn von 21 Dollar kostet Multitasking die amerikanische Wirtschaft fast 600 Milliarden Dollar.

Konzentrationsstörungen durch Multitasking 

Aber das ist noch nicht alles. Konzentrationsstörungen drohen, sagen Experten, Verluste im Kurzzeitgedächtnis, dazu ein unzusammenhängender, ja schizoider Denkstil. Alles wird sofort wieder gelöscht, nichts bleibt dauerhaft im Gedächtnis. Und gerät der Mensch erst einmal in Stress, reagiert er am Ende nur noch, anstatt zu denken. Es folgen Aktionismus, der Tunnelblick, mehr Fehler. Und noch mehr Stress. Besser also, man erinnert sich an eine dieser Arbeitsanleitungen, wie sie bisweilen noch in asiatischen Firmen zu finden sind.

»Mach eines nach dem anderen« steht da ganz am Anfang. »Unterscheide Sinn und Unsinn« in der Mitte. Und am Schluss kommt: »Ein Lächeln«.


BUCHTIPPS

Verena Steiner: Sich besser konzentrieren heißt . . . Die wirksamsten Strategien für Studium und Berufsalltag. Pendo Verlag, 12,90 Euro

Jens Uwe Martens/Julius Kuhl: Die Kunst der Selbstmotivierung – Neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen. Verlag W. Kohlhammer, 24 Euro.

Stefanie Stahl, Melanie Alt: So bin ich eben! Erkenne dich selbst und andere. Mit Persönlichkeitstest. Ellert & Richter Verlag, 14,95 Euro.

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