Nachhaltigkeit an der Uni: Lehren und lernen

Das Credo der Nachhaltigkeit haben sich mittlerweile nicht nur viele Unternehmen, sondern auch die Hochschullandschaft auf die Fahnen geschrieben – und dies nicht nur hinsichtlich ökologischer, sondern auch sozialer Komponenten.

Nachhaltigkeit an der Uni und in Unternehmen

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Photochaotin/Quelle: Flickr.com unter CC BY 2.0

»Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen.« Was seinerzeit der Begründer des Buddhismus, Siddhartha Gautama, sagte, heißt heute mit anderen Worten: »Sei nachhaltig!« Dieses Credo haben sich mittlerweile nicht nur viele Unternehmen, sondern auch die Hochschullandschaft auf die Fahnen geschrieben – und dies nicht nur hinsichtlich ökologischer, sondern auch sozialer Komponenten. Ein Beispiel hierfür ist die Katholische Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt, die ein ganzes Nachhaltigkeitsgesamtkonzept verfolgt. Mitte der 1990er haben Studierende, Wissenschaftler und Professoren begonnen, Nachhaltigkeit seitens der Wirtschaft, der Natur und der Gesellschaft zu beleuchten und sich dafür einzusetzen. 2010 wurde der Master für Nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen und die Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit immer weiter vorangetrieben: »Zusammen mit der Hochschulleitung haben wir kurz-, mittel- und langfristige Ziele für die drei Bereiche Forschung, Lehre und Campus-Management formuliert«, erklärt Professorin Ingrid Hemmer. Die 60-jährige Professorin für Didaktik der Geographie an der KU Eichstätt-Ingolstadt ist Nachhaltigkeitsbeauftragte der Hochschulleitung und sehr engagiert, die gesetzten Ziele zu erreichen. Darunter fällt beispielsweise die angestrebte Eco-Management-and-Audit-Scheme (EMAS)-Zertifizierung. Diese erhalten Unternehmen und Organisationen, wenn sie die strengen Umweltmanagement-Verordnungen erfüllen und mehr Studenten mit der Nachhaltigkeit vertraut machen: »Wir haben 2011 ein interdisziplinäres Nachhaltigkeitsmodul entwickelt, wofür sich Kollegen aus der Religionspädagogik, Soziologie, Geographie und vom Lateinamerika-Institut bereiterklärt haben, den Studenten im Zuge einer Ringvorlesung Input über verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit zu geben. In interdisziplinären Projekten versuchen die Studierenden beispielsweise zu analysieren, was tatsächlich hinter dem Blauen Engel steckt.«

Nachhaltig arbeiten, Preise gewinnen - an der Uni Tübingen

Studierende der bereits EMAS-zertifizierten Eberhard Karls Universität in Tübingen, die sich in ihrer Abschlussarbeit mit Nachhaltigkeit beschäftigen, haben gar die Chance, dafür mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet zu werden. »Das Konzept wurde 2011 vom Beirat für Nachhaltige Entwicklung der Uni Tübingen entwickelt, um Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Nachhaltiger Entwicklung zu schaffen und die bestehende gute Lehre und Forschung an der Universität Tübingen in diesem Bereich sowie deren Relevanz für die Gesellschaft sichtbar zu machen«, erklärt Professor Thomas Potthast, Biologe und Philosoph, vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Uni Tübingen. Die Teilnahme ist dabei nicht auf eine Fakultät begrenzt, denn »die Herausforderung der Nachhaltigen Entwicklung besteht ja gerade darin, eine Integration ökologischer, ökonomischer sowie sozial-kultureller Aspekte zu ermöglichen«, betont Potthast, der den Nachhaltigkeitsbeirat leitet, ausdrücklich.

Von der Uni in die Welt: Nachhaltigkeitskonzepte lernen

Demnach variieren die Themen der Arbeiten von den physikalischen Grundlagen der Silizium-Halbleiter-Module von Photovoltaikzellen über konkreten Fallstudien zu Fragen des Rebound-Effekts, dem Verschwinden von Effizienzgewinnen durch Wachstum hin zu kritischen Grenzen des sogenannten Versicherungswerts von Ökosystemleistungen. Und was passiert danach? Schließlich ist nach der Abschlussarbeit vor dem Berufseinstieg. Wird der Gedanke der Nachhaltigkeit noch weitergetragen? Eindeutig bejahen kann dies Martin Thiele von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Der 25-jährige Student des Masters ›Global Change Management‹ erklärt, dass die Hochschule besonders stolz auf ihre Alumni sei, denn sie tragen den Nachhaltigkeitsgedanken in die Welt: »Sie arbeiten beispielsweise im Bereich der Holztechnik, der Forstwirtschaft, im Ökolandbau, in Schutzgebietsverwaltungen oder in der Politik – oftmals in leitenden Positionen.« Getreu dem Motto ›Mit der Natur für den Menschen‹ leben die ehemaligen Studenten demnach den Gedanken der Nachhaltigen Entwicklung weiter, dem sich die Hochschule verschrieben hat. Die HNEE strebt unter anderem das Ziel der Klimaneutralität an und beteiligt an diesem Prozess sowohl die Beschäftigen, indem sie Verantwortlichkeiten unter ihnen aufteilt, als auch Studenten mittels Projektarbeiten. Nachhaltigkeit heißt Verantwortung und ist, in Thieles Worten, ein »integrierendes Konzept«. Schließlich müssen alle Akteure, die direkt oder indirekt Einfluss auf die Nachhaltigkeit an der Hochschule haben, zusammenkommen, um die Umsetzung der gemeinsam formulierten Nachhaltigkeitsgrundsätze anzugehen: »Sowohl Studierende als auch Hochschulleitung und Beschäftigte der HNEE sollen tagtäglich verantwortungsbewusst handeln – ob nun der Kaffee aus der selbstmitgebrachten Tasse getrunken oder im Büro stoßgelüftet wird. Jeder muss mithelfen, die nachhaltige Strategie der Hochschule umzusetzen.«

 

Interdisziplinarität und Masterstudiengänge: Nachhaltigkeit an der Uni Oldenburg

Dass Nachhaltigkeit nicht die Sache von einzelnen Personen oder Organisationen sein kann, weiß auch Professor Bernd Siebenhüner. Der Vizepräsident für wissenschaftlichen Nachwuchs und Qualitätsmanagement der Uni Oldenburg und Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Ökologische Ökonomie erklärt, dass es ein zentrales Element der nachhaltigen Hochschulentwicklung in Oldenburg sei, Forschung und Lehre interdisziplinär auszurichten und den Austausch unter Lehrenden, Studierenden und Praktikern zu fördern: »Universitätsweite transdisziplinäre Profilbildung in der Nachhaltigkeitsforschung erfordert den Dialog und die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft.« In zahlreichen Forschungsvorhaben mit Einbindung von Praxisakteuren aus Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Behörden setzt die Hochschule dies um. Gebündelt werden dabei Aktivitäten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit im wissenschaftlichen Zentrum COAST. Einbezogen sind hier neben den Natur- und den Sozialwissenschaften auch die Wirtschaftswissenschaften und Informatik.

Hieraus hat sich ein Master Cluster Umwelt und Nachhaltigkeit formiert, woraus sich eine Vielzahl von Masterstudien-Angeboten entwickelt hat: »Insgesamt werden sieben Masterstudiengänge mit spezifischen, thematischen Schwerpunkten angeboten. Dazu zählen unter anderem der European Master in ›Renewable Energy‹, die Fachmaster ›Water and Coastal Management‹ sowie ›Landschaftsökologie‹«, erklärt Siebenhüner und führt weiter aus, dass sich Nachhaltigkeit nicht nur in den Studiengängen niederschlägt, sondern auch Sanierungsarbeiten von Gebäuden und Kälteanlagen beinhaltet: »Diese haben zu weitgehenden Energie- und Kohlenstoffdioxid-Einsparungen geführt. Zudem prüfen wir weitere Maßnahmen im Umgang mit dem Thema Energie, die sich neben technischen auch auf verhaltensbezogene Einsparpotenziale konzentrieren«, beschreibt der Vizepräsident.

Nachhaltigkeit ist machbar

Diese Beispiele zeigen eines: umfassende Nachhaltigkeit ist erfolgreich machbar. Inwieweit der Nachhaltigkeitsgedanke umgesetzt werden kann, hängt mancherorts allerdings von den vier Wände ab, in denen er entsteht. Weswegen vor allem auch im Bereich des Facility Managements, der Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen, sehr viel bezüglich Nachhaltigkeit passiert. Wie sehr sich dieser Zweig hierfür einsetzt zeigen ›FM – Die Möglichmacher‹, ein Zusammenschluss von dreizehn führenden Branchenunternehmen. Dabei bezieht sich auch hier der Nachhaltigkeitsgedanke auf folgende Säulen: ökologisch, ökonomisch und soziokulturell. Denn »ein Haus der Nachhaltigkeit« kann nur dann entstehen, wenn alle drei Komponenten ineinandergreifen und Punkte wie Energie-, Wasser-, Entsorgungs-, Nutzungskosten-, Gebäudesicherheits- oder Nutzerzufriedenheitsmanagement zielgerichtet verfolgt werden. Zudem müssen sowohl Eigentümer als auch Nutzer ›anpacken‹, um den Nachhaltigkeitsgedanken voranzutreiben. Weiter unterstützt ein klar formuliertes Nachhaltigkeitskonzept, in dem unter anderem das nachhaltige Nutzen und Betreiben, Beschreibung und Bewertung der Objekt- und Prozessqualitäten in der Nutzungsphase sowie Nachhaltigkeitsbewertungen in der Nutzungsphase aufgeschlüsselt werden. Es tut sich also was: So hat nicht nur Anfang 2014 die German Facility Management Association (GEFMA) ein neues Bewertungssystem ›Nachhaltigkeit im Facility Management‹ vorgelegt, das sich ausschließlich auf die Nachhaltigkeit von FM-Serviceprozessen und damit auf die Bewirtschaftung der Immobilien und Anlagen konzentriert – sondern gibt es mittlerweile vielzählige Studiengänge im Bereich des Facility Managements, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben: Beispielsweise bietet die Fachhochschule Frankfurt am Main den Master ›Zukunftssicheres Bauen – Sustainable Structures‹ oder die Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) den Bachelorstudiengang ›Green Building‹ an – Tendenz an anderen Hochschulen steigend.

So gesehen läuft die Sache mit der Nachhaltigkeit gut an. Je schneller sie läuft, desto mehr reißt sie mit. Es müssen nur genügend Menschen mithelfen, das Rad weiterzudrehen.

07.07.2014
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