Produkttester: Nebenjob oder Karrierechance?

Produkttester sind gefragt. Vor allem aus dem Einzelhandel ist dieses Berufsbild branchenübergreifend nahezu nicht mehr wegzudenken. Aber kann man hier überhaupt von einem echten Berufsbild sprechen? Ist das Testen und Bewerten von Produkten nicht eher ein Hobby, das einen angenehmen Nebenverdienst abwirft? Jetzt steht der Job des Produkttesters auf dem Prüfstand.

Was macht ein Produkttester eigentlich?

Produkttester machen genau das, was ihre Berufsbezeichnung bereits vermuten lässt: Sie testen Produkte. Die Art der Produkte und der Umfang der Tests variiert dabei stark von Branche zu Branche und von Produkt zu Produkt.

Produkttester werden in sehr vielen Branchen eingesetzt. Der Hersteller eines neuen Produktes möchte dieses testen lassen, bevor er es im großen Stil auf den Markt bringt, und startet zu diesem Zweck einen Produkttest. Manche Unternehmen führen Produkttests in Eigenregie durch, indem sie einen Aufruf in den Medien starten, andere nehmen Kontakt mit einem Marktforschungsunternehmen auf. Viele Marktforschungsunternehmen sind unter dem Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. organisiert und bieten ihre unabhängigen Dienstleistungen branchen- und produktübergreifend an.

Wer als Produkttester für einen Hersteller tätig wird, kann häufig bequem von zu Hause aus arbeiten. Gerade als Nebenjob ist eine Tätigkeit als Produkttester deshalb oft sehr beliebt. Der Hersteller sendet dem Produkttester kostenlose Proben des zu testenden Produktes zu. Dabei kann es sich um die unterschiedlichsten Produkte handeln, von Verbrauchsgütern wie Lebensmitteln und Kosmetika bis zu Elektronikartikeln. In einem festgelegten Zeitraum und häufig auch unter vorgegebenen Parametern werden die Produkte anschließend im heimischen Umfeld auf Herz und Nieren getestet. Im Anschluss an den Test füllt der Produkttester entweder einen vorgefertigten Fragebogen aus oder verfasst einen eigenen Testbericht, der ausgewertet und gegebenenfalls auch veröffentlicht werden kann. Produkttests werden auf Internetseiten von Herstellern oder Verkaufsagenten, auf Vergleichsportalen oder in einschlägigen Printmedien veröffentlicht und können beispielsweise bei der Bewerbung und Markteinführung neuer Produkte Verwendung finden.

Häufig besteht die Möglichkeit, sich nach einem durchgeführten Produkttest oder bereits mit der Bewerbung in eine Produkttesterkartei aufnehmen zu lassen, um auch für eventuelle Folgeaufträge in Frage zu kommen.

Wer kann Produkttester werden?

Grundsätzlich kann jeder Produkttester werden, unabhängig vom Alter oder der Vorbildung. Vor allem im Bereich von Lebensmitteln und Kosmetik werden häufig Produkttests durchgeführt, bevor ein neues Produkt auf den Markt gebracht wird. Der Produkttest wird häufig über das Unternehmen selbst oder über ein Marktforschungsunternehmen in den Medien veröffentlicht. Eine gute Anlaufstelle für Interessenten ist beispielsweise das Internetportal marktforschung.de, das die renommiertesten Marktforschungsunternehmen in Deutschland auflistet und Interessenten für Produkttests eine Suchmaske anbietet, über die passende Unternehmen ausfindig gemacht werden können.

Teil einer öffentlichen Ausschreibung für einen Produkttest ist in der Regel ein Profil, dem potentielle Produkttester entsprechen müssen. Dieses Profil basiert meist auf der Zielgruppe, für die das neue Produkt vornehmlich entwickelt wurde und bezieht sich üblicherweise auf Alter und Geschlecht sowie nicht selten auf zusätzliche Aspekte wie die allgemeine Lebenssituation, die berufliche Ausrichtung, Hobbys, das Einkommen oder das Wohnumfeld. Bei klinischen Studien wird außerdem der Gesundheitszustand der Testpersonen als Auswahlkriterium herangezogen. Für einzelne Produkte ist auch spezielle Sachkenntnis erforderlich, die in Form von Ausbildung oder Berufserfahrung nachgewiesen werden kann. Wer dem Profil entspricht, kann sich für den Produkttest bewerben. Da das Interesse allerdings häufig sehr groß ist, bleibt die Auswahl eher Glückssache.

Für eine Festanstellung als Produkttester bei einem Hersteller, einem Marktforschungsunternehmen wie dem international agierenden Institut GfK SE oder einem Arbeitgeber aus der Medienbranche ist in der Regel eine einschlägige Ausbildung erforderlich, die eine Expertise im Bereich der zu testenden Produkte vermittelt.

Was verdient ein Produkttester?

Die Verdienstmöglichkeiten eines Produkttesters sind sehr unterschiedlich und hängen von der Branche und der Art der Beschäftigung ab. Viele Hersteller führen eigene Produkttests durch und greifen dafür auf freie Produkttester zurück, die sie per Ausschreibung anwerben. Die Vergütung, die ein Produkttester in diesem Bereich erwarten darf, hängt stark vom Auftraggeber ab. Viele Unternehmen bieten keine zusätzliche Vergütung für den Produkttest an. Allerdings dürfen die Tester die von ihnen getesteten Produkte im Anschluss an das Verfahren behalten. Gerade im Bereich von Unterhaltungselektronik kann ein Produkttest also auch ohne zusätzliche Vergütung durchaus lukrativ sein. Andere Hersteller räumen Produkttestern später ein, die getesteten Produkte zum Vorzugspreis zu erwerben oder regelmäßige Gratisproben zu erhalten. Im Kosmetikbereich wird diese Form der Vergütung gerne gewählt. Wird ein Produkttest über die reinen Produkte hinaus zusätzlich vergütet, sollten private Produkttester keine allzu hohen Ansprüche stellen. In der Regel investieren Unternehmen nicht mehr als 50 Euro für einen erfolgreichen Produkttest. Besonders gut sind die Verdienstaussichten beim Test von medizinischen Produkten im Rahmen von klinischen Studien, die von Pharmakonzernen durchgeführt werden. Hier gelten allerdings strenge Auswahlkriterien im Hinblick auf den Gesundheitszustand der Produkttester.

Produkttester, die bei einem Hersteller oder einem Marktforschungsunternehmen fest unter Vertrag stehen, erhalten in der Regel ein in der Branche übliches Festgehalt und gegebenenfalls Optionen auf günstige Mitarbeiterrabatte auf die getesteten Produkte.

Selbstständige Produkttester, wie zum Beispiel das unabhängige Bluetooth Lautsprecher Vergleichsportal Lautsprecher.org, finanzieren sich häufig aus Werbeeinnahmen und Kooperationen mit Herstellern und Vertriebsagenten. Das Portal testet Produkte aus dem Bereich Lautsprecher mit Bluetooth-Technologie und versorgt die Nutzer des Portals mit Testberichten und Hintergrundinformationen zu verschieden Produktvariationen, wie hier an einigen Beispielen zu sehen ist. Wer sich in diesem Bereich einen Namen gemacht hat, wird teilweise von den Herstellern für Berichte über neue Produkte bezahlt, die dann auf der Internetseite des Herstellers oder des Produkttesters erscheinen. Es ist auch möglich, die durchgeführten Produkttests zur Veröffentlichung an verschiedene Print- oder Onlinemedien oder auch an ein Marktforschungsunternehmen zu verkaufen und daraus ein Einkommen zu erzielen. Die Verdienstmöglichkeiten hängen hier aber vor allem vom allgemeinen Kundeninteresse an den getesteten Produkten und von der Professionalität der durchgeführten Produkttests ab.

Die erfolgreiche Karriere als Produkttester

Ob es sich lohnt, hauptberuflich als Produkttester tätig zu sein, hängt stark von der beruflichen Ausrichtung aus, die dabei gewählt wird. Einige Unternehmen beschäftigen eigene Produkttester, die im Rahmen einer Festanstellung durchaus gute Verdienstaussichten haben. Auch unabhängige Marktforschungsunternehmen nehmen Produkttester unter Vertrag und bieten Unternehmen wiederum ihre Dienstleistungen gegen Entgelt an. In der Medienbranche können Produkttester ebenfalls eine Festanstellung anstreben, zum Beispiel bei einschlägigen Print- oder Onlinemedien, die Produkttests veröffentlichen und zu diesem Zweck häufig auch in Eigenregie durchführen.

Eine weitere mögliche Ausrichtung ist eine selbstständige Tätigkeit als Produkttester. Eine Selbstständigkeit in diesem Berufsfeld erfordert viel Disziplin, eine hohe Arbeitsbereitschaft und gute Kontakte zu Herstellern und Medien. Wer den Sprung in diese Kreise schafft, kann als selbstständiger Produkttester aber durchaus erfolgreich Karriere machen.


Gastbeitrag von Michael Müller

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