Mann sitzt am Ende eines Stegs mit Blick auf einen Bergsee. Links und rechts das Bergpanorama, das sich im See spiegelt.
(c) simon migaj/unsplash

Outplacement Beratung: Definition, Fakten, Kosten

Neben der Kündigung erhalten Mitarbeiter in manchen Firmen das Angebot einer Outplacement Beratung. Was das ist und wie du am besten damit umgehst, erfährst du hier

Viele Firmen bieten gekündigten Mitarbeitern eine Outplacement Beratung an, um den Jobverlust sozialer zu gestalten. Dabei wird den Ausscheidenden ein professioneller Coach an die Seite gestellt, der sie bei der beruflichen Neuorientierung berät und dabei hilft, einen neuen Job zu finden. Man könnte also von Hilfe zur Selbsthilfe sprechen.

Outplacement Beratung: Einsatzgebiete

Eine Outplacement Beratung kommt meist zum Einsatz, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern betriebsbedingt kündigen müssen. Denn vor allem Mitarbeiter, die schon viele Jahre bei der Firma tätig sind, drohen, bei einer plötzlichen Kündigung in ein tiefes Loch zu fallen, aus dem sie allein nur schwer wieder herauskommen. Zudem ist das Bewerbungswissen dann bereits einige Jahre veraltet und nicht mehr präsent. Die Bewerbungsunterlagen sind ohnehin nicht mehr auf dem neuesten Stand. Hier soll der Outplacement Berater Abhilfe schaffen und die ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt erleichtern.

Entscheidend ist jedoch, wie lange der Berater vom Ex-Unternehmen zur Verfügung gestellt wird: Häufig dauert die Jobsuche länger als drei Monate – hört die Beratung nach dieser Zeit jedoch schon auf, müssen die weiteren Schritte allein bewältigt werden. Besser sind also 6 Monate oder ein ganzes Jahr. Es gibt auch unbefristete Beratungen, die dem Kandidaten so lange zur Seite stehen, bis dieser einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben oder sogar die Probezeit in der neuen Stelle überstanden hat. Auch Privatpersonen können sich einen Outplacement Berater suchen – müssen die Kosten aber natürlich selbst tragen.

Outplacement Beratung: Berater finden

Den richtigen Outplacement Berater zu finden, ist allerdings eine Herausforderung. Da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, kann sich praktisch jeder so nennen – vom Sozialarbeiter bis zum ehemaligen Personalchef. Der Ausbildungsweg ist nicht vorgegeben, Kenntnisse und Kompetenzen müssen nicht nachgewiesen werden. Viele Anbieter betreiben die Outplacement Beratung zudem nur nebenbei. Einen professionellen Berater von einem selbsternannten zu unterscheiden, ist also gar nicht so einfach.

Eine kleine Entscheidungshilfe kann der Fachverband Outplacement Beratung im Bund deiner Unternehmensberater bieten. Doch auch die zehn Mitglieder des Verbands diskutieren seit Jahren ergebnislos über definierte Qualitätsmaßstäbe und die Mitglieder handhaben die Outplacement Beratung unterschiedlich. Genaues Hinsehen und ein Check der Qualifikationen und Erfahrungen ist also Pflicht bei der Wahl des richtigen Outplacement Beraters.

Wichtig ist deshalb, ein Mitspracherecht zu haben, wenn der Ex-Arbeitgeber die Outplacement-Beratung finanziert. Sonst landet man womöglich bei einem Coach, der einem überhaupt nicht oder nur begrenzt weiterhelfen kann. Oft jedoch hat das Unternehmen eine Outplacement-Beratungsfirma, mit der es fest zusammenarbeitet. Hier können die ausscheidenden Mitarbeiter nur begrenzt Einfluss ausüben. Besser ist es, wenn der Ex-Arbeitgeber nur ein Budget zur Verfügung stellt, dass die Wahl des Outplacement Beraters offen lässt. Hier gilt es dann, verschiedene Anbieter zu vergleichen und so den am besten für die eigene Situation und Persönlichkeit geeigneten zu finden. Checklisten und Gegenüberstellungen können hier hilfreiche Werkzeuge sein. Ein Vorgespräch hilft dabei, herauszufinden, ob man auf einer Wellenlänge liegt.

Outplacement Beratung: Ablauf

In der Outplacement Beratung gilt es zunächst, herauszufinden, wo der ausgeschiedene Mitarbeiter seine berufliche Zukunft sieht und wie er diese gestalten möchte. Oft muss dies erst gemeinsam mit dem Kandidaten erarbeitet werden, da dieser sich in seiner alten Position keine detaillierten Gedanken dazu gemacht hat.

Sind die Fragen zur beruflichen Zukunft geklärt, geht es darum, die Erfahrungen und Fähigkeiten des Ausgeschiedenen klar herauszuarbeiten und zu strukturieren. Das sind die zwei zeitaufwändigsten und intensivsten Stufen der Beratung. Denn für sie muss der Kandidat viel über sich selbst nachdenken und sich auf der Basis seiner bisherigen Erfahrungen einen Plan für die Zukunft konzipieren.

Dabei unterstützt natürlich stets der Outplacement Berater mit Denkanstößen und Bewerbungswissen. Dies kann dem Klienten helfen, schnell wieder selbstsicherer zu werden und nicht zu verzweifeln. Denn mit einer optimistischen Sichtweise findet sich auch schneller ein neuer Job und der Kandidat kann sich zudem zuversichtlicher und kompetenter präsentieren. Mit diesen neugewonnenen Kenntnissen über die eigene Person können dann die Bewerbungsunterlagen aktualisiert und passende Stellen und Unternehmen herausgesucht werden. Um bei den Vorstellungsgesprächen optimal aufzutreten, wird als nächstes die Selbstpräsentation geübt und perfektioniert. Außerdem muss eine angemessene Gehaltsvorstellung formuliert werden.

Outplacement Beratung: Kosten

Die Kosten für eine Outplacement Beratung variieren stark von Anbieter zu Anbieter und sind vor allem auch von der Dauer der Beratung abhängig. Teurer heißt hier aber nicht gleich besser, sondern es muss vor allem ein Berater gefunden werden, der die nötigen Qualifikationen und Kompetenzen mitbringt und vor allem auch auf einer Wellenlänge mit dem Klienten ist. Wenn man sich nicht versteht und dem Outplacement Berater nicht vertraut, wird die Beratung zu keinem herausragenden Ergebnis führen. Schließlich muss man absolut offen sein und auch Vorschläge und Anregungen des Outplacement Beraters annehmen können.

1. Unbefristete Beratung

Bei einer unbefristeten Beratung, die bis zum neuen Arbeitsvertrag oder zum Ende der Probezeit andauert, fallen etwa Kosten in Höhe von 20 bis 25 Prozent des Jahresbruttogehalts an. Hinzu kommen Sachkosten und gegebenenfalls Kosten für eine Rückkehrgarantie – diese garantiert, dass der Klient nach fehlgeschlagenem neuen Berufsstart kostenfrei zurück in die Beratung kann, zumindest für eine Dauer von sechs bis zwölf Monaten nach Anfang in der neuen Arbeit.

2. Befristete Beratung

Entscheidet das Ex-Unternehmen oder der ausscheidende Mitarbeiter sich für eine befristete Beratung, kann er zwischen drei, sechs oder zwölf Monaten Dauer wählen. Professionelle Beratungen bieten auch individuelle Zeiträume an. Die Kosten variieren auch hier von Anbieter zu Anbieter. Weitere Aspekte, die den Preis beeinflussen, sind die Hierarchiestufe des Klienten und die Dauer des Programms. So zahlt eine Fachkraft für ein dreimonatiges Outplacement Beratungsprogramm etwa 5.000 Euro, während ein Top-Manager für zwölf Monate schon 25.000 Euro bezahlen muss. Je nach definiertem Beratungsspektrum fallen zudem Kosten für Zusatzleistungen wie etwa Weiterbildungen oder Jobhunting an. Letzteres heißt, dass der Outplacement Berater auch aktiv nach Stellen für den Kandidaten sucht. Dies ist kein Bestandteil klassischer Outplacement Beratungen, da diese ja eigentlich als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht sind, wie oben schon beschrieben.

3. Beratungskontingent

Daneben gibt es noch das Angebot eines Beratungskontingents – hier wird der Outplacement Berater je nach Stundenzahl bezahlt. Üblicherweise fällt hier ein Honorar von 250 bis 300 Euro pro Stunde an beziehungsweise 2.000 Euro für einen kompletten Tag. Diese Form der Outplacement Beratung ist allerdings weniger üblich und wird nur von wenigen Beratern angeboten.

Outplacement Beratung: Vertragsgestaltung

Damit die Outplacement Beratung auch erfolgreich verläuft und keine Enttäuschungen birgt, sollte im Vertrag alles Wichtige festgehalten sein. Dazu gehören:

  • Zeitrahmen: Unbefristete oder Befristete Beratung – im Falle von letzterer eine genaue Dauer. Zudem sollte hier stehen, wie viele Sitzungen eingeplant sind und wie lange diese dauern.
  • Leistungen: Der wohl wichtigste Punkt im Vertrag neben Kosten und zeitlichem Rahmen. Hier ist festgelegt, was dem Klienten bei der Outplacement Beratung zusteht: Persönliche Beratungsgespräche, Weiterbildungen, Jobhunting, Rückkehrgarantie, Online-Angebote, Nutzung von Büroräumen im Beratungsunternehmen etc. Eine genaue Definition ist wichtig, damit später keine versteckten Kosten entstehen.
  • Methoden: Hier kommt es darauf an, wie individuell die Beratung auf dich zugeschnitten wird. Werden etwa nur standardisierte Vorgehensweisen und Methoden angewendet oder besteht Zeit und Raum für Abweichungen vom vorgegebenen Weg, um auf die persönlichen Bedürfnisse des Klienten einzugehen? Die persönlichen Vorstellungen und Präferenzen geben hier den Ausschlag für oder gegen einen Anbieter von Outplacement Beratung.
  • Ablaufplan: Gibt es einen Plan über die zeitliche Abfolge der einzelnen Leistungen und Beratungsbausteine? Wenn ja, wie sieht er aus und ist es möglich, von diesem abzuweichen?
  • Beraterwechsel: Es ist wichtig, bei Unzufriedenheit den Berater wechseln zu können. Eine entsprechende Klausel sollte im Vertrag notiert sein.

Diese Punkte solltest du aufmerksam lesen und prüfen bevor du dich auf eine Outplacement Beratung bei einem bestimmten Anbieter einlässt. Ein Rücktritt vom Vertrag gestaltet sich später schwierig und die Beratung soll ja auch zum gewünschten Erfolg führen.


Anzeige

Anzeige