Mann mit Behinderung bei Radrennnen
@Unsplash

Richtig bewerben mit Behinderung – Im Anschreiben darauf hinweisen oder nicht?

Zunächst sollte man meinen, dass eine Behinderung den Bewerbungsprozess nicht beeinflusst. Eine Behinderung sagt schließlich nichts über die fachliche Qualifikation des Bewerbers aus. Was du in einem Bewerbungsgespräch angeben musst, wenn du eine Behinderung hast und wie du dich am besten mit Behinderung bewirbst, erfährst du von uns.

Bewerben mit Behinderung – Die offiziellen Regeln

Menschen mit einer Behinderung ab 30 Prozent gelten als leicht behindert. Liegt der Grad der Behinderung über 50 Prozent, so sind sie schwer behindert. Für leicht behinderte Menschen besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf eine Bescheinigung der Behinderung auf 50 Prozent zu stellen. In bestimmten Einzelfällen, zum Beispiel wenn eine Diskriminierung aufgrund der Behinderung zu befürchten ist, kann diese Option in Betracht gezogen werden. In Deutschland ist ein Arbeitgeber mit einer Mitarbeiterzahl von 20 Personen gesetzlich verpflichtet, fünf bis sechs Prozent seiner Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen. Hält er sich nicht daran, muss er eine ›Ausgleichsabgabe‹ für jede nicht korrekt besetzte Position zahlen.

Bewerben mit Behinderung – Behinderung in der Bewerbung bzw. im Anschreiben angeben?

Viele Bewerber wissen nicht, ob sie ihre Behinderung in der Bewerbung angeben sollen oder nicht. Die Angst besteht, aus Mitleid und nicht wegen der Qualifikation eingestellt zu werden, dass ihre spezifische Behinderung eine Anpassung des Arbeitsplatzes benötigt und somit zu viel Aufwand für den Arbeitgeber wäre. Für Arbeitnehmer mit Behinderung gilt ein gesonderter Urlaubsanspruch sowie Kündigungsschutz. Ob du deine Behinderung in der Bewerbung angeben solltest oder nicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Unterscheide:

  • Schränkt dich deine Behinderung beruflich nicht ein, dann musst du sie auch nicht in der Bewerbung angeben. Jedoch solltest du deinen zukünftigen Arbeitgeber darüber in Kenntnis setzen. Leidest du beispielsweise unter Diabetes können schnell Gerüchte entstehen, wenn du mehrmals am Tag verschwindest um dir dein Insulin zu spritzen. Außerdem kann es auch gefährlich für dich werden, wenn du einen Schock erleidest und niemand weiß, wie dir zu helfen ist.
  • Schränkt dich deine Behinderung beruflich ein, ist es ratsam deinen Chef im Vorfeld zu informieren, um deinen Arbeitsplatz gegebenenfalls an deine Bedürfnisse anzupassen.
  • Bewirbst du dich im öffentlichen Dienst, solltest du deine Behinderung auf jeden Fall entweder in Lebenslauf oder Anschreiben angeben. Denn Unternehmen im öffentlichen Dienst sind gesetzlich dazu verpflichtet, Bewerber mit Behinderung zumindest zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Wichtig: Ein ärztliches Attest, das du als Anlage beifügst, genügt nicht.
  • Hast du eine sichtbare Behinderung, solltest du das auf jeden Fall im Bewerbungsschreiben erwähnen. So kann sich dein potentieller Arbeitgeber darauf einstellen. Wenn beispielsweise eine Gehbehinderung vorliegt, kann er einen barrierefreien Ort für das Vorstellungsgespräch wählen.

Bist du dir außerdem unsicher, wie in dem Unternehmen bei dem du dich bewerben möchtest mit Behinderungen im Allgemeinen umgegangen wird, dann informiere dich vorher bei dem Gleichstellungsbeauftragten. Diesen gibt es in den meisten großen Firmen und du erfährst, ob eine Bewerbung überhaupt Sinn macht.

Bewerben mit Behinderung – Vorstellungsgespräch: ›Das Recht zur Lüge‹

Nicht immer lässt sich das Thema Behinderung im Bewerbungsgespräch umgehen. Fragt der Arbeitgeber im Gespräch gezielt nach eventuellen Behinderungen, hast du das ›Recht zur Lüge‹: Der Arbeitgeber greift hier in dein Persönlichkeitsrecht ein. Man muss sich aber die Frage stellen, ob der Arbeitgeber nicht doch das Recht hat, sich im Vorfeld darüber informieren zu dürfen – schließlich wäre es für ihn wirtschaftlich von Nachteil, Schwerbehinderte zu beschäftigen und trotzdem die ›Ausgleichsabgabe‹ zu zahlen, weil er von den Behinderungen seiner Mitarbeiter nichts weiß. Hier vermischen sich die Meinungen, dennoch sollte dein Persönlichkeitsrecht an erster Stelle stehen.

Bewerben mit Behinderung – Formulierungen im Anschreiben

Wie bei jeder Bewerbung, sollten deine Stärken und Qualifikationen im Vordergrund stehen. Gleiche dein Anschreiben mit der Stellenbeschreibung ab und stelle sicher, dass in deinem Lebenslauf deine bisherigen Berufserfahrungen sauber gelistet sind. Das macht beim Personaler schon mal einen guten Eindruck und zeigt, dass du dich von deiner Behinderung nicht verunsichern oder von einer Bewerbung abhalten lässt. Möchtest du deine Behinderung in deiner Bewerbung trotzdem zur Sprache bringen, haben wir drei mögliche Formulierungen für dich:

»Obwohl ich auf den Rollstuhl angewiesen bin, schränkt mich das in keinster Weise bei der Ausführung meiner Tätigkeiten ein.«

»Der Vollständigkeit halber möchte ich Sie darüber in Kenntnis setzen, dass bei mir eine Behinderung des Grad xy vorliegt, sich dieses aber in keinster Weise auf meine Arbeitsfähigkeit oder -leistung auswirkt.«

»Aufgrund meiner Behinderung kann ich meiner Tätigkeit lediglich unter bestimmten Behinderungen ausführen. Diese beeinträchtigt jedoch weder Effizienz noch Qualität meiner Arbeit.«

Achte bei der Formulierung immer darauf, dass sie in eine positive Richtung geht, du willst schließlich kein Mitleid erregen, sondern dem potentiellen Arbeitgeber signalisieren, dass deine Behinderung deine Arbeit in keinster Weise beeinträchtigt.

Bewerben mit Behinderung – Auf die richtige Stelle bewerben

Wenn du dich trotz Behinderung auf eine Stelle bewirbst, bei der sich deine Behinderung nachteilig auswirkt, kannst du mit wenig Erfolgschancen rechnen. Meist müssen deine Kollegen mehr arbeiten und Aufgaben für dich übernehmen und du stellst keine vollwertige Unterstützung darf – ärgerlich für dich und für das Betriebsklima. Sich das einzugestehen ist nicht einfach, aber notwendig. Du musst deine Jobsuche auf Stellen beschränken, bei der deine Behinderung keine Rolle spielt und die Qualität deiner Arbeit nicht darunter leidet.

Bewerben mit Behinderung – Hilfe holen

Bewerbungen überzeugend schreiben ist schon ohne Handicap schwer genug, ist man sich aufgrund seiner Behinderung auch noch unsicher, ob man für die ein oder andere Stelle geeignet ist, gleich doppelt. Deshalb wird Menschen mit Behinderung Hilfe angeboten, sei es bei der Jobsuche oder der Bewerbung. Oft fehlt aufgrund in der Vergangenheit liegender Misserfolge die Motivation. Scheue dich nicht, Hilfe zu holen und deine Bewerbungsunterlagen von einem Profi überarbeiten zu lassen. Nützliche Informationen findest du bei der Agentur für Arbeit, den Integrationsämtern, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales oder im Sozialgesetzbuch.


Anzeige

Anzeige