Specialist Recruiting: Personaldienstleister im Fokus

Specialist Recruiter suchen nicht irgendjemanden: Sie finden für Unternehmen die Experten, die sie brauchen – mit Vorgaben, die beide Seiten zufriedenstellen

Specialist Recuiting (mauritius images/Pixtal)
Specialist Recuiting (mauritius images/Pixtal)

Timo Lehne, weiß, was zusammengehört. Der 32-Jährige ist Geschäftsführer bei der SThree Group, einer internationalen Personalberatung, die sich auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften in den Bereichen IT, Finance, Accounting, Banking, Pharma, Engineering und Sales spezialisiert hat.

Specialist Recruiter bei der SThree Group

Seit der Gründung 1986 wächst das Unternehmen organisch: Lehne hat einst als Specialist Recruiter begonnen und sich bis zur Position als Geschäftsführers entwickelt:

»Daher kenne ich auch den Tagesablauf eines Recruiters sehr gut. Im Grunde genommen bildet er die Schnittstelle zwischen Nischenexperte und dem Kunden. Seine Aufgabe ist es, diese beiden Parteien erfolgreich zusammenzubringen und eine Win-Win-Situation zu schaffen.«

Stellenangebote:

Heute kümmert sich Lehne neben den wichtigsten Kunden, um interne operationale Themen wie Strategie, interne Prozesse und hauptsächlich um das Management seiner Mitarbeiter. Er weiß, dass eine Tätigkeit im Specialist-Recruiting-Bereich vor allem eine gewisse Offenheit erfordert, schließlich arbeitet man mit Menschen zusammen:

»Je nach Gesprächspartner verlaufen die Verhandlungen unterschiedlich. Aber genau dies macht den Beruf sehr vielseitig«, beschreibt er und geht weiter darauf ein, dass es in Zeiten des Fachkräftemangels zwar manchmal eine Herausforderung darstellt, nach raren hochspezialisierten Fachkräften zu suchen, aber er und sein Team dies als Ansporn sehen:

»Trotz der aktuell etwas angespannten Marktsituation und dem ›War for talents‹ können wir unseren Kunden stets zeitnah die passenden Profile von Spezialisten und Fachkräften präsentieren.«

Allerdings reiche es schon lange nicht mehr, eine einfache Stellenanzeige zu schalten. Es gilt, proaktiv auf Fachkräfte zuzugehen und langfristige Beziehungen aufzubauen: »Nur so können wir unsere Dienstleistung qualitativ hochwertig anbieten«, fasst Lehne zusammen. 

Specialist Recruiting bei Hays

Alexander Heise kann hier nur zustimmen. Er ist bei Hays tätig und kann den Rückgang von Fachkräften aus nächster Nähe beobachten. Der Managing Director ist bei Hays für alle Special Skills in den Bereichen Construction & Property, Life Sciences, Legal, Retail und Healthcare zuständig. Insbesondere Akademiker mit mehreren Jahren Berufserfahrung sind gesucht:

»Das Durchschnittsalter der freiberuflichen Spezialisten, mit denen wir zusammenarbeiten, liegt beispielsweise im Ingenieursbereich zwischen 40 und 50 Jahren. Wenn diese Spezialisten und deren Know-how dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen, wird sich eine Lücke an Fachwissen auftun, die die Absolventen und Young Professionals von heute aufgrund des demografischen Wandels vermutlich nicht vollständig füllen können«, erklärt Heise. 

Stellenangebote:

Da ist guter Rat teuer – woher also die Fachkräfte nehmen? Bei Hays schreibt das zentrale Rekrutierungsmanagement nicht nur täglich Stellenanzeigen in zielgruppenspezifischen Jobbörsen aus, die Recruiter kontaktieren auch aktiv über gängige Karrierenetzwerke und besuchen Messen, um den Kontakt zu wechselwilligen Spezialisten herzustellen. Aktuell sei die Suche auf den deutschen Markt beschränkt, so Heise. Grund: Einige Kunden fordern explizit deutsche Experten. In Zukunft werden allerdings die Beziehungen zu den internationalen Hays-Landesgesellschaften gestärkt werden, um die Spezialisten für die Kundenanfragen zu finden. 

Specialist Recruiting: Nachfrage steigt!

»Die Nachfrage nach Spezialisten wird vor allem durch Ressourcenengpässe und Auftragsspitzen vorangetrieben«, sagt der Managing Director Special Skills und erklärt weiter, dass das Unternehmen intensiv daran gearbeitet hat, wie sich der Einsatz der Spezialisten unter Berücksichtigung rechtlicher Regulierungen sauber abbilden lässt, um den Kunden weiterhin flexible Beschäftigungsmodelle bieten zu können.

Weiter beschäftigt sich das Key-Account-Management bei Hays permanent mit der Optimierung der internen Prozesse – beispielsweise damit, wie Synergien zwischen den einzelnen Specialisms und Vertragsarten noch besser genutzt werden können, um die Kunden noch intensiver zu betreuen und strategische Kooperationen voranzutreiben. 

Heises Aufgabenspektrum geht dabei weit über Akquisegespräche hinaus:

»Als Managing Director beschäftige ich mich tagtäglich mit strategischen Themen, die unser Kerngeschäft betreffen. Ich begleite Rahmenvertragsverhandlungen sowie Besprechungen zu rechtlichen Änderungen mit unseren Kunden und bereite Bedarfsanalysen vor. Zudem betreue ich viele Führungsthemen und unterstütze meine Teams dabei, erfolgreich zu sein und die gemeinsam definierten Ziele zu erreichen.«

Um eine freie Stelle mit richtigen Experten zu besetzen, bedarf es gut ausgebildeter Recruiter. Doch auch diese Branche merkt den Fachkräftemangel:

»Wir suchen stetig Vertriebstalente, die uns unterstützen. Diese zu finden, wird immer schwieriger«, sagt Lehne von der SThree Group. Alexander Heise von Hays kann sich hier nur anschließen. Es ist nicht einfach, die Besten ausfindig zu machen. Aber es gibt sie – und Specialist Recruiter finden sie. Überall.

Text: Evelyn Eberl

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Specialist Recruiting

Specialist Recruiting: Einblicke in die Personaldienstleistung

Es gibt Berufe mit einem zweifellos besseren Ruf als Personaldienstleister. Wie das schon klingt, ›Per-so-nal-dienst-leis-tung‹. Am ehesten doch noch wie das, was der irische Comedian und Schauspieler Dylan Moran einmal über die deutsche Sprache sagte, nämlich » like typewriters eating tin foil being kicked down the stairs«. Sind wir ehrlich: Mitunter stehen Personaldienstleister immer noch im Ruch moderner Menschenhändler, ausgerüstet mit befristeten Knebelverträgen statt altmodischer Fußketten. Verdient ist das nicht.

 

Das betont auch Christian Cauers, Pressesprecher und stellvertretender Leiter Unternehmenskommunikation bei der AutoVision GmbH:

 

»Personaldienstleistung ist heute nicht mehr nur mit Zeitarbeit oder befristeten Arbeitsverträgen gleichzusetzen, sondern es werden längerfristige Perspekiven geboten.«

Eine Anstellung beim Prozess- und Personaldienstleister AutoVision, einer Tochtergesellschaft des Volkswagenkonzerns, kann auch eine unbefristete Festanstellung sein, versichert Cauers. Und eine attraktive noch dazu. Die Tarife bei der AutoVision sind an die der Konzernmutter Volkswagen angelehnt, und:

 

»Gerade in den ersten Berufsjahren können Absolventen umfangreiche Erfahrungen sammeln und den eigenen Horizont erweitern«, verspricht Cauers.

Was vor allem daran liegt, dass die bei AutoVision angestellten Fachkräfte zeitlich begrenzt in vielen verschiedenen Projekten und Branchen tätig sein können – auch im Ausland übrigens, wenn Dienstreisen, länderübergreifende Projekte oder besondere Kundenanfragen den Mitarbeiter dorthin ziehen. Arbeit für einen Personaldienstleister verspricht deshalb – besonders für Einsteiger – Abwechslung statt Monotonie.

 

Personaldienstleister: für viele das ideale Karriere-Sprungbrett!

Sehr ähnlich klingt das aus dem Munde Carina Jackowskis. Jackowski verantwortet heute als Bereichsleiterin Recruiting den bundesweiten Recruitingbereich der Hamburger Argo AG. Früher war sie selbst einmal das, was heute ›Specialist Recruiter‹ genannt wird – zuständig also für das Anwerben von Fach- und Führungskräften, Ingenieuren und IT-Spezialisten. Wollte sie damals zum Beispiel einen talentierten und hochqualifizierten Ingenieur für sich und eine Tätigkeit bei einem Personaldienstleister gewinnen, sagte sie ihm Folgendes:

 

»Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder du startest als kleine Nummer in einem großen Konzern und konstruierst vielleicht die ersten fünf Jahre lang ein und dasselbe Bauteil, was bestimmt eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe ist. Bei uns aber hast du die Möglichkeit, in wenigen Jahren an vielen verschiedenen Projekten in unterschiedlichen Branchen mitzuarbeiten – und vielleicht sogar schon Projektleiter zu werden.«

 

Insbesondere Jungingenieure, versichert Jackowski, hätten bei Personaldienstleistungen die Möglichkeit, sich umfassend und schnell zu entwickeln. Weil sie Aufstiegschancen haben und in den wechselnden Projekten viele verschiedene Menschen treffen, die sie alle auf die eine oder andere Weise bereichern. Gerade mit dieser Perspektive, so Jackowski, habe sie schon viele Bewerber für Argo gewinnen können.

Personaldienstleister sind besser als ihr Ruf!

Genau genommen sind es mehr als 3.800 Mitarbeiter, die heute an 46 Standorten in sechs Ländern für die Argo AG arbeiten. Zu ihnen zählen unter anderem besagte Ingenieure, Kaufleute, aber auch Fachkräfte aus der Luft- und Raumfahrt. Auch Unternehmensberatung gehört zu den Geschäftsfeldern bei Argo, der klare Fokus aber, sagt Jackowski, liegt auf der Personaldienstleistung. Zu den Eigentümlichkeiten dieser Branche gehört es dabei, dass Absolventen gleich in zweierlei Hinsicht Karriere machen können: Indem sie sich rekrutieren und vermitteln lassen, oder indem sie selbst rekrutieren. Jackowski beschreibt ihre Recruiter als Absolventen mit einer ausgeprägten Dienstleistungsorientierung:

»Wir brauchen Mitarbeiter, die sich ›hineinwuseln‹«, sagt sie und meint solche, die »auch auf unkonventionellen Wegen gute Leute finden können und dann ein gewisses Händchen dafür haben, Kompetenzprofile zu erstellen – und diese dann wieder den Kunden anzubieten.«

Dieses Können vorausgesetzt, sei das eigentliche Studienfach dann für einen Einstieg als Specialist Recruiter nicht mehr so wichtig. »Wobei ich natürlich bevorzugt Bewerber einlade«, schränkt Jackowski ein, »die einen Personalschwerpunkt haben und zum Beispiel auf ein Praktikum in der Personalbeschaffung zurückblicken können.«

Passende Stellen:

Personaldienstleister: ein vielseitiger Beruf.

Gut möglich also, dass Jackowski auch Yvonne Priemer eingeladen hätte, hätte sie sich denn bei Argo beworben. Schließlich zählten Diagnostik, wissenschaftliche Methoden und Vertiefungen im Bereich der Personalauswahl zu den Schwerpunkten des Psychologiestudiums, das Priemer 2010 an der Philipps-Universität Marburg abschloss. Die 27-Jährige aber entschied sich für die AutoVision, wo sie im Oktober 2010 als Recruiterin direkt einstieg. »Aus Kassel kommend hatte ich ohnehin schon einen engen Bezug zum Volkswagen-Konzern«, erzählt Priemer. Sich bei der AutoVision um eine Stelle in der Personalarbeit zu bemühen, lag da nur nahe, zumal sie diese Tätigkeit als ›besonders vielfältig‹ empfindet. In Priemers Verantwortung liegt es, geeignetes Personal in den Bereichen Logistik, Qualitätssicherung, Forschung und Entwicklung sowie Versuch und Konstruktion auszuwählen und zu gewinnen. Sie rekrutiert Spezialisten, Fach- und Führungskräfte und plant die diversen Auswahlverfahren – vom Bewerbungsgespräch bis hin zum Assessment Center. Schlussendlich repräsentiert Priemer ihren Arbeitgeber auf Messen und bei Informationsveranstaltungen und Workshops. »Tiefe Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Trends der Automobilindustrie innerhalb eines der größten Konzerne der Welt« böten sich Yvonne Priemer bei alldem, was sie neben dem »Kennenlernen und Zusammenbringen verschiedener Menschen« auch am meisten an ihrer Tätigkeit reize.

 

Personaldienstleistung bietet zahlreiche Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Kommunikative und zwischenmenschliche Aspekte sind es auch, die Markus Dahms an seiner Arbeit als Account Manager beim Personaldienstleister Hays begeistern. Dahms studierte BWL mit dem Schwerpunkt Handel an der DHBW Mannheim, seit September letzten Jahres ist er bei Hays damit betraut, Experten im Bereich Sales und Marketing zu vermitteln. Mit Hilfe eines großen Expertenpools unterstützt er seine Kunden dabei, passende Fachkräfte für ihre Vakanzen zu finden. Dafür steht der 25-Jährige im ständigen Austausch, mit Kunden wie mit Bewerbern.

 

»Oft bin ich unterwegs zu Beratungs- und Feedbackgesprächen, auf Präsentationsterminen bei potenziellen Neukunden, oder ich begleite Kandidaten zum Vorstellungsgespräch beim Kunden.«

 

Seine Arbeit versteht Dahms dabei als »eine hochwertige Dienstleistung«, die eine gute Selbstorganisation, Zuverlässigkeit und Ausdauer erfordere. »Auch ist es ganz wichtig«, fügt er hinzu, »genau zuzuhören, was der Kunde will.« Yvonne Priemer steht bei AutoVision derweil vor der Herausforderung, die fachlichen Anforderungen ihrer Fachbereiche mit den auf dem Bewerbermarkt vorhandenen Potenzialen in Einklang zu bringen. Als Lohn winkt beiden mehr als nur gute Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten, die es zweifelsfrei gibt. »Durch gute Leistung und einen gewissen Ehrgeiz kann man sich schnell nach oben entwickeln«, weiß Dahms. Karrierestufen wären in seinem Fall die zum Key Account und später zum Teamleiter oder Senior Key Account Manager. Honoriert werden Dahms’ Mühen aber noch in einer ganz anderen Hinsicht: »Wenn ich meinen Kunden erfolgreich den passenden Experten vermittelt und so auch ein bisschen den Erfolg eines Projekts mitbeeinflusst habe«, darf der 25-jährige Account Manager immer auch ein wenig stolz auf sich und seine Arbeit sein.

Fassen wir zusammen: Personaldienstleistungen haben wenig zu tun mit Knebelei und weiß Gott besseres verdient als ihren manchmal ausgesucht schlechten Ruf. Gerade frisch gebackenen Absolventen gelingt bei ihnen oftmals der Einstieg ins Arbeitsleben. Später bieten Personaldienstleister gleichzeitig Abwechslung und Aufstiegsmöglichkeiten, und das Rekrutierten wie Recruitern gleichermaßen.

 

Text: Marco Schrage

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80 Prozent der 169 befragten Unternehmen arbeiten mit Personaldienstleistern bei der Rekrutierung von festen und externen Mitarbeitern zusammen.

Quelle: www.hays.de 

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