Weiterbildung im Alter: Studieren als Senior

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Zwischen Rentenantrag und Hörsaal - immer mehr Senioren zieht es an die deutschen Universitäten. Vornehmlich im Süden wird hier aktive Weiterbildung betrieben.

Senioren haben vor allem eins: Zeit. Und genau an diesem Punkt unterscheiden sie sich von der berufstätigen Generation, die häufig Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, und in Anbetracht dieser Doppelbelastung nicht einmal einen Gedanken an eine Weiterbildung verschwenden kann. Senioren haben hier ganz andere Optionen – und nutzen diese auch zunehmend häufiger. So kann der „fitte“ Senior nicht nur derjenige sein, der zum Walken und zum Schwimmen geht und sich im Obst- und Gartenbauverein engagiert. Der „fitte“ Senior kann auch geistig fit sein – und sich beispielsweise einem Studium widmen. Als Senior studieren?

Diese Möglichkeiten gibt es.

Der Akademische Verein der Senioren in Deutschland (AVDS) weist praktischerweise direkt alle Optionen aus, auch als Senior noch ein Studium aufzunehmen. Dabei hat die ältere Generation diese Möglichkeiten:

Bachelor, Master & PromotionWer über eine dieser Zugangsvoraussetzungen verfügt
  • Abitur für den Bachelorstudiengang
  • Grundstudium für den Masterstudiengang
  • Akademischer Abschluss für die Promotion,
der kann ein reguläres Studium beginnen und dieses mit dem Bachelor-, Master- oder Doktor-Titel abschließen. Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss dieselben Prüfungen absolvieren (und bestehen) wie die jüngeren Kommilitonen.


FernstudiumWer sich nicht mehr aufraffen kann oder möchte, ein Studium an einer Universität aufzunehmen, dem stehen auch die Türen zum Fernstudium offen. Der größte Vorteil ist dabei die Möglichkeit, ort- und zeitunabhängig Inhalte zu erlernen. Wichtig: Für ein Fernstudium sind heute Computerkenntnisse Grundvoraussetzung. Von der Fernstudium-Variante profitieren vor allem diejenigen, die durch körperliche Einschränkungen nicht mehr mobil sind oder gar auf Pflege durch kompetente Pflegekräfte angewiesen sind.

GasthörerstudiumWird kein Seniorenstudium ausgewiesen, haben Senioren die Möglichkeit, sich als Gasthörer an der Universität einzuschreiben und so sowohl Vorlesungen als auch Seminare zu besuchen. Über die jeweiligen Bestimmungen zum Gasthörerstatus informieren die Universitäten selbst.

SeniorstudiumWer rein aus Interesse und ohne Ambition auf einen Titel studieren möchte, der gehört zu den Senioren, die ein sogenanntes „Seniorenstudium“ aufnehmen. Die beliebtesten Fächer sind Philosophie, Geschichte, Theologie, Germanistik, Archäologie und Naturwissenschaften.

ZertifikatsstudiumWer ein Zertifikatsstudium absolvieren will, dem steht dafür nur eine geringe Anzahl an Universitäten zur Verfügung. In Berlin, Dortmund, Flensburg, Frankfurt, Hannover, Kassel, Mainz, Münster, Oldenburg, Paderborn und Wuppertal werden entsprechende Zertifikatsstudiengänge angeboten.
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Wer einen akademischen Grad erreichen möchte, der wird nicht nur im Hörsaal, sondern auch in der Bibliothek um einen Platz kämpfen.

Senioren an der Uni. Ein Phänomen, das mittlerweile allgegenwärtig ist

Wer sich bei Studenten der Geisteswissenschaften informiert, der wird auf zustimmendes Nicken stoßen, denn gerade in diesem Bereich trifft sich die alte und junge Generation beim „Seniorenstudium“. Wie sie aufgenommen werden, ist zweigeteilt, denn so mancher Dozent fürchtet das Wissen der Senioren auch ein Stück weit, denn nicht jeder junge Professor kann dasselbe Know-how haben wie ein Senior.

Vor allem Historiker scheinen unter diesem „Zeitzeugenproblem“ zu leiden, obgleich sie diese Chance doch besser nutzen sollten. Letztlich darf es bei der Geschichte und vor allem im Geschichtsstudium allerdings nicht darum gehen, ein Sammelsurium an Einzelmeinungen zusammenzubringen, um sich daraus selbst eine Wahrheit zu stricken. Gerade im Fach Geschichte gibt es nämlich einen großen Quellenfundus, der beleuchtet wird, um daraus Ableitungen zu treffen.

Die Zeit-Redaktion fasst die Entwicklung in diese Zahlen: „Das mit Abstand beliebteste Fach ist seit Jahren Geschichte. 4.600 Gasthörer zog es 2013/14 zu historischen Seminaren und Vorlesungen, gefolgt von Veranstaltungen in Philosophie (2.900) und Wirtschaftswissenschaften (2.700). Der AVDS beziffert die Zahl der Älteren, die sich auch oder ausschließlich mit Geschichte beschäftigen, auf 10.000.“

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Mit Blick auf die technischen Fähigkeiten steht die Generation der Senioren den Jüngeren in nichts nach.

Senioren haben essentiell wichtige Ressourcen, um ein Studium zu beginnen: Zeit, Geld und Interesse. Zudem können sie sie so umsetzen:

  • Sie nutzen ihre zeitlichen Ressourcen, um top vorbereitet zum Seminar oder zur Vorlesung zu erscheinen. Zudem erscheinen sie in der Regel überpünktlich und schnappen zu manchem jungen Studenten schon mal die Plätze in der ersten Reihe weg. Auf die unvorbereiteten jungen Studenten reagieren sie häufig mit abfälligem Kopfschütteln.
  • Sie arbeiten technisch versiert mit dem Tablet, anstatt beinahe antiquiert mit Block und Stift anzutreten. Damit wischen sie auch die Vorteile vom Tisch, sie seien nicht „up-to-date“ genug, um zu studieren. Häufig sind es die Senioren, die zu allererst nachfragen, warum die Seminarunterlagen nicht pünktlich in der Cloud lagen.
  • Sie fragen aktiv nach und beteiligen sich am Lehrgeschehen – obgleich es Ihnen nicht um einen Abschluss, sondern vielmehr um die „Kopfarbeit“ geht. Eingebremst werden sie nur dann, wenn statt einem hilfreichen Beitrag ein Monolog über Vergangenes folgt, dem gerade die ältere Generation manchmal verfällt.

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die regionale Komponente, die in dem Beitrag beschrieben wird: „Beim Seniorenstudium offenbaren sich große regionale Unterschiede. (…) ‚Vorlesungen gelten im Süden als bürgerliche Fortbildungsangebote.‘“ Dass das Seniorenstudium immer mehr Menschen der älteren Generation in die Hörsäle bringen wird, ist unbestritten. Wo sie sich hingegen nicht anfeinden werden, ist im Bereich des Dualen Studiums. Denn eine Ausbildung nebst Studium zu absolvieren – das machen wirklich nur die Young Professionals.

Ein Beitrag des externen Autoren Tobias Neubauer

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