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Krisenzone WG-Haushalt: Zusammenleben perfekt organisieren

Jeder dritte Studierende lebt in Deutschland in einer Wohngemeinschaft. Oft ist das eine rein pragmatische Entscheidung: Die Mieten in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Frankfurt sind hoch. Selbst in überschaubaren Unistädten wie Göttingen ist die Wohnungssuche eine Herausforderung. Für eine eigene Unterkunft fehlt vielen das Geld.

Das Ausziehen aus dem Elternhaus klingt nach der ganz großen Freiheit. Endlich eigene Entscheidungen treffen und keine Regeln mehr einhalten müssen! Eine WG bietet hier Anschluss und eine gewisse Nestwärme. Aber ganz ohne Absprachen und Regeln funktioniert auch das Leben unter Gleichaltrigen nicht. Wir werfen einen Blick darauf, was das WG-Glück ausmacht und wie sich der Gemeinschaftsfrust vermeiden lässt.

Dreamteam oder Albtraumbesetzung?

Es gibt Wohngemeinschaften, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel. Da wird gemeinsam gelernt, gefeiert und gelacht. Erfolge werden geteilt, Misserfolge aufgefangen, und wenn sich die WG später auflöst, bleibt sie als schöne Erinnerung an die Studienzeit zurück.

Aber es kann auch schiefgehen, wenn es sich um eine reine Zweckgemeinschaft handelt und die einzelnen Mitglieder weniger optimal zusammenpassen. Als Ordnungsfanatiker allein unter Chaoten? Als Veganer zwischen Fleischessern? Mit gegenseitigem Respekt, Rücksichtnahme und Verständnis kein Problem. Allerdings ist Toleranz nicht automatisch gegeben.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft oft eine Lücke. Über Unordnung in Küche und Bad entbrennen heftige Streitigkeiten. Vor allem Auseinandersetzungen über mangelnde Sauberkeit, Lärm und Geldsorgen belasten die WG-Atmosphäre.


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Mit wem du wohnst mach den entscheidenden Unterschied

Der wichtigste Tipp, damit deine WG-Erfahrung nicht zum Alptraum wird: Such dir deine zukünftigen Mitbewohner mit Bedacht aus.

Vielleicht hast du das große Glück mit Schulfreunden an dieselbe Uni zu gehen. Dann macht ihr euch im Anschluss an das Abi gemeinsam auf die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe. Das heißt zwar nicht automatisch, dass es keine Konflikte zwischen euch geben wird. Die gibt es überall. Aber gegenseitige Sympathie macht viel aus. Es fällt leichter, über kleinere Probleme hinwegzusehen, wenn das Zwischenmenschliche stimmt.

Vielleicht bist du aber auch der Einzige aus deiner alten Clique, der studiert, oder die anderen sind in anderen Städten eingeschrieben. Dann hast du keine Wahl: Du musst neue Kontakte knüpfen und bereit sein, mit fremden Menschen in eine Wohnung zu ziehen. Mit Glück begegnest du netten Kommilitonen aus deinem Studienbereich, die selbst auf der Suche sind. Falls nicht, heißt es, WG-Portale durchforsten.

9 Tipps zur Suche der passenden WG

Wenn du ein paar Punkte berücksichtigst, gestaltet sich die Suche nach der passenden Wohngemeinschaft gleich viel leichter.

1. Mach dir deine Wünsche in Bezug auf das Zimmer bewusst

Ein paar Jahre wohnst du vermutlich in deiner neuen Wahlheimat. Das Zimmer sollte also möglichst zu deinem Bedarf passen, bis du die Uni mit einem Bachelor oder Master in der Tasche hinter dir lässt.

  • Wie groß soll dein Zimmer sein?
  • Welche Lage kommt für dich in Frage? (Wie nahe möchtest du an der Uni wohnen? Bist du motorisiert? Ist eine WG außerhalb der Stadt eine Option?)
  • Gibt es bestimmte Anforderungen, die dein WG-Zimmer erfüllen muss?
  • Welcher Preis ist für dich akzeptabel? (Bedenke, dass du die Kosten regelmäßig stemmen musst.)
  • In welchen Punkten bist du kompromissbereit?

2. Suche nach einem freien WG-Zimmer

  • Auf verschiedenen WG-Portalen kannst du deutschlandweit nach einer passenden Unterkunft in deiner Wahlstadt suchen. Konzentriere dich nicht nur auf ein einziges Portal, suche lieber breitgefächert.
  • In Facebook-Gruppen lässt sich ebenfalls nach WG-Zimmern Ausschau halten.
  • Studierende, die Mitbewohner suchen, machen häufig Aushänge am Schwarzen Brett. Schau dich an deiner Uni um.
  • Möglicherweise wird in der Stadt deiner Wahl ein WG-Speed-Dating veranstaltet.
  • Bewirb dich um ein Zimmer im Studentenwohnheim.
  • Sprich über deine Studienpläne. Bitte Freunde, Verwandte und Bekannte um Unterstützung. Möglicherweise kennt jemand aus deinem näheren Umfeld jemanden in der Stadt deiner Wahl und kann dir einen Kontakt vermitteln.
  • Mach einen Aufruf in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram. Bitte deine Kontakte, deine Suchanfrage zu teilen.

3. Verliere keine Zeit

  • Viele Studierende sind kurz vor Semesterbeginn auf der Suche nach einer Bleibe. Wenn du eine WG-Anzeige siehst, reagiere so schnell wie möglich. Verfügbare Zimmer sind oft in wenigen Stunden oder Tagen vergeben.
  • Meldet sich jemand bei dir, antworte zeitnah.

4. Setze auf den persönlichen, direkten Kontakt

Anrufe sind persönlicher als Skype oder eine Nachricht per WhatsApp. Unterschätze nicht die Macht der Stimme. Am Telefon zeigt sich, wie sympathisch ihr einander seid. Außerdem gehen Text-Nachrichten eher unter. Ein Anruf bleibt in Erinnerung.

5. Gib eine eigene Anzeige auf

Warte nicht, bis du auf die perfekte Anzeige stößt. Such einfach auf eigene Faust und gib eine eigene Anzeige auf. Dafür kommen WG-Portale, die Lokalzeitung und das Schwarze Brett an der Uni oder an deinem Seminar infrage. Vorteil: Du kannst dich präsentieren und deine Wünsche an deine zukünftige WG auf den Punkt bringen.

6. Stell dich auf ein persönliches Kennenlernen ein

Wer nach einer Mitbewohnerin oder einem Mitbewohner sucht, möchte dich kennenlernen. Das heißt, du brauchst Zeit und die Möglichkeit, dort hinzufahren. Falls das für dich nicht infrage kommt, ist Skype gegebenenfalls eine Alternative. Allerdings funktioniert das nicht immer: Deine zukünftigen Mitbewohner wollen sich einen Eindruck von dir verschaffen. Am besten geht das persönlich.

7. Bleib ehrlich

  • Flunkern bringt nichts. Wenn du dich am Telefon als ordentlich und gewissenhaft präsentierst, in Wirklichkeit aber das genaue Gegenteil bist, fliegt das später auf. Steh zu dir: Bist du jemand, der mehrmals die Woche um die Häuser zieht, nenn die Dinge beim Namen. In einer WG, in der das Studium im Fokus steht und für gemeinsames Feiern keine Zeit bleibt, fühlst du dich dann vermutlich sowieso nicht wohl.
  • Umgekehrt gilt das ebenso: Möchtest du in erster Linie in Ruhe gelassen werden und dich voll und ganz auf dein Studium konzentrieren, lenkt dich die Feierfreude deiner Kommilitonen höchstwahrscheinlich ab.

8. Erscheine pünktlich zum Besichtigungstermin

WG-Zimmer sind begehrt. Aus diesem Grund raten wir zu Pünktlichkeit. Getreu dem Motto: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, solltest du alles tun, um beim WG-Casting positiv im Gedächtnis zu bleiben.

9. Komm allein

  • Weder deine Eltern, deine Geschwister noch ein Freund sind in dieser Situation eine Hilfe. Stell dich bei deinen zukünftigen Hausgenossen allein vor. Schließlich willst nur du dort einziehen. Nicht deine Familie oder deine Freunde.
  • Zeige, dass du auf eigenen Beinen stehst, selbstbewusst bist und Verantwortung für dich übernimmst. (Genau das wird von dir erwartet, wenn du Teil einer WG wirst.)

Tipps zum WG-Casting für neue Mitbewohner

Wenn du auf diese Weise keine Bleibe findest, bleibt dir noch eine Möglichkeit: Such dir eine schöne Wohnung zu einem vertretbaren Preis. Rechne Miete und Nebenkosten auf die Anzahl der verfügbaren Zimmer um (ohne Küche, Flur, Bad und Gemeinschaftsraum) und gründe deine eigene Wohngemeinschaft. Das bedeutet: Statt dich überall als netten Mitbewohner zu präsentieren, inserierst du nun selbst und mögliche Kandidaten bewerben sich bei dir.

Inseriere auf WG-Portalen, auf Facebook und am Schwarzen Brett. Erzähle deinen Freunden und Bekannten von deiner WG und bitte sie darum, die Information weiterzugeben. Je mehr Aufmerksamkeit du erzeugst, desto besser.

Vermutlich wirst du von Interessierten überrollt. Aber nicht jeder Wohnungssuchende ist für dich ein idealer Mitbewohner. Es ist sinnvoll, vorab ein paar Kriterien festzulegen, nach denen du die Bewerber grob vorsortierst. Dann bleibt am Ende hoffentlich eine überschaubare Anzahl übrig, die du zum Kennenlerngespräch einladen kannst.


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1. Die wichtigsten Punkte vorab klären

  • Hat die Person das nötige Budget für Miete und Nebenkosten?
  • Sollen deine Mitbewohner ebenfalls Studierende sein? Falls ja: Spielt das Studienfach für dich eine Rolle? 
  • Welches Geschlecht und welche Alterspanne stellst du dir vor?
  • Darf dein Mitbewohner ein Kind haben?
  • Was ist mit Haustieren?
  • Müssen Interessierte bereits WG-Erfahrung vorweisen?
  • Kommt ein Raucher infrage? Falls ja: Welche Bedingungen gibt es? Darf in der Wohnung geraucht werden?
  • Ist eine multikulturelle Wohngemeinschaft eine Option?

2. Regeln für das Zusammenleben aufstellen

  • Was sind für dich absolute No-Gos?
  • Wie viel gemeinsame Zeit möchtest du mit deinen Mitbewohnern verbringen? Geht jeder seiner Wege oder sind gemeinsame Unternehmungen für dich wichtig?
  • Welche Regeln gelten in Bezug auf Ernährungsgewohnheiten, Einkaufen und Kochen? Jeder für sich, einer für alle? Sind Fleischesser, Vegetarier und Veganer gleichermaßen willkommen?

3. WG-Casting durchführen

  • Das Kennenlernen kostet Zeit. Vermutlich möchtest du schnell eine Entscheidung fällen. Lade am besten alle infrage kommenden Personen nacheinander an einem Wochenende zum Kennenlernen und zur WG-Besichtigung ein. Das erleichtert dir den direkten Vergleich. Verzichte darauf, mehrere Bewerber gleichzeitig einzuladen. Meistens bleibt dann nicht genug Zeit für ein richtiges Gespräch.
  • Stell dich vor, führe deinen Besuch durch die Räume. Im Anschluss sollte er Zeit bekommen, um ein bisschen von sich zu berichten. Du merkst vermutlich schnell, ob die Chemie stimmt.
  • Mit den richtigen Fragen stellst du fest, wie gut die andere Person zu dir passt.

Mögliche Fragen beim WG-Casting

  1. Ziehst du gerade von Zuhause aus? Wo hast du vorher gewohnt?
  2. Warum suchst du eine WG?
  3. Wie finanzierst du deine Miete und deinen Lebensunterhalt? Hast du einen Nebenjob oder unterstützen dich deine Eltern?
  4. Bist du Einzelkind oder hast du Geschwister?
  5. Spielst du ein Instrument? Bringst du das mit in die WG?
  6. Bist du Raucher?
  7. Wie sieht dein Tagesablauf aus?
  8. Was machst du abends und an den Wochenenden?

Knackpunkt Finanzen – So regelt ihr die wichtigsten Ausgaben

Um grundlegende Kosten und regelmäßige Ausgaben rund um die WG zu organisieren, gibt es verschiedene Modelle, die sich bewährt haben.

Gemeinschaftskasse oder klare Kostentrennung

Die Finanzen sind einer der Hauptstreitpunkte in Wohngemeinschaften. Ist es die Lösung, alles gemeinsam einzukaufen und die Kosten einmal monatlich gleichmäßig auf alle aufzuteilen? Das hieße, gemeinsame Einkaufslisten müssten geschrieben und ein Einkäufer bestimmt werden. Einmal pro Monat ist dann die große Abrechnung – ein enormer Aufwand. Was passiert, wenn jemand ein anderes Shampoo nutzen möchte als der Rest? Oder andere Ernährungsgewohnheiten hat? Viel unterwegs ist? Streit scheint bei diesem Modell vorprogrammiert.

Allerdings ist es auch nicht sinnvoll, fünf Toilettenreiniger, fünf Spülmittelflaschen und fünf Gewürzsammlungen aufzubauen. Das frisst wertvollen Platz und erschwert das Putzen der Wohnung.

Meist ist eine Mischform sinnvoll: Dinge, die alle WG-Bewohnerinnen und Bewohner brauchen, kauft ihr am besten zusammen. Das sind Dinge wie Toilettenpapier, Reinigungsmittel und Gewürze. Dafür ist ein separates WG-Konto hilfreich, in das alle zu einem festgelegten Zeitpunkt eine bestimmte Summe einzahlen. Per EC-Card hat jeder darauf Zugriff. Damit ist es kein Problem, Staubsaugerbeutel und Spülmittel aus dem Supermarkt mitzubringen. Auch Reparaturen und gemeinsame Anschaffungen wie eine neue WG-Mikrowelle können aus der Gemeinschaftskasse bezahlt werden.

Individuellere Ausgaben für Lebensmittel oder andere Verbrauchsartikel übernimmt dann jeder für sich selbst.

Nebenkosten möglichst günstig organisieren

Zusätzlich zur Miete müssen die Nebenkosten abgerechnet werden. In den meisten WGs wird die Summe einfach durch die Anzahl der Bewohner geteilt. Falls eine Nachzahlung kommt, beteiligen sich alle zu gleichen Teilen daran. Das ist die einfachste Methode.

Neben den üblichen Betriebskosten wie Wasser, Strom, Heizung und Müllabfuhr kann ein Hausmeister dazu kommen. Vergesst Internet und Telefon nicht. Auch diese Kosten müsst ihr einkalkulieren.

Gerade die Stromkosten bergen Konfliktpotenzial: Manche Mitbewohner leben minimalistisch mit Laptop und Smartphone. Andere bringen womöglich zusätzlich ihren Desktop, eine Musikanlage oder elektrische Musikinstrumente mit. Um Ärger zu vermeiden, solltet ihr euch auch hier absprechen. Zudem gibt es beim Abschluss des Versorgungsvertrages gerade für WGs mehrere Möglichkeiten – je nachdem, wer unterzeichnet. Ist ein Mitbewohner hier der Hauptverantwortliche, kann er sich gegebenenfalls durch zusätzliche Unterverträge den anderen Bewohnern gegenüber absichern.

Tipps für Ausgaben bei Lebensmitteln und Getränken in der WG

Eventuell gibt es bei Lebensmitteln Überschneidungen. Lebst du mit vier Kaffeetrinkern zusammen, bietet es sich an, Vorräte gemeinsam aufzustocken. Das Gleiche gilt für Milch, Essig und Öl, Zucker oder Süßstoff. Stimmt ab, ob und welche wiederkehrende ihr Ausgaben von eurem Gemeinschaftskonto zahlen wollt.

Problem: Es bedienen sich nie alle in gleichem Maße. Der eine rührt drei Löffel Zucker in seinen Kaffee, der andere einen. Schon entsteht ein Ungleichgewicht. Mach das in deiner WG unbedingt zum Thema. Wenn euch das bewusst ist und alle darauf vertrauen, dass sich das an anderer Stelle ausgleicht, gibt es später deswegen keinen Streit.

Klar geregelte Mietverhältnisse

Bei Mietverträgen gibt es drei unterschiedliche Möglichkeiten:

1. Ein WG-Bewohner ist der Hauptmieter, die anderen sind Untermieter.

Eine Person ist der Hauptmieter und schließt den Vertrag mit dem Vermieter. Mit den anderen WG-Bewohnern vereinbart der Hauptmieter anschließend Untermietverträge.

Vor- und Nachteile

Der Hauptmieter hat alle Rechte und Pflichten eines Mieters. Er haftet für das schuldhafte Verhalten der anderen WG-Bewohner mit. Beispielsweise ist er für regelmäßige Mietzahlungen verantwortlich. Zahlt ein Mitbewohner seine Miete nicht, stehen die „Untermieter“ nicht in der Pflicht. Der Hauptmieter muss trotzdem den kompletten Betrag überweisen. Falls Schäden passieren, ist er derjenige, der mit dem Vermieter verhandelt.

Auch Untermieter tragen bei diesem Modell ein gewisses Risiko: Zahlt der Hauptmieter die Miete nicht pünktlich, droht die Kündigung. Selbst wenn sie ihrerseits ihre anteilige Miete ordnungsgemäß bezahlt haben. Möchte der Hauptmieter kündigen, etwa, weil er sein Studium beendet hat und in eine andere Stadt zieht, ist er gezwungen, allen Untermietern zu kündigen. Ausnahme: Im Vertrag ist vereinbart, dass ein Untermieter in den Stand des Hauptmieters aufsteigt.

2. Jeder WG-Bewohner ist ein Hauptmieter

Bei dieser Variante unterzeichnen alle WG-Bewohnern den Mietvertrag und haften gegenüber dem Vermieter. Eine Kündigung kann nur von allen gemeinsam ausgesprochen werden. Der Vermieter richtet seine Schreiben an sämtliche Vertragspartner.

Vor- und Nachteile

Alle WG-Mitglieder haben die gleichen Rechte und Pflichten. Allerdings haften sie gesamtschuldnerisch. Zahlt etwa eine Person die Miete nicht, kann der Vermieter sie von einem anderen WG-Bewohner seiner Wahl einklagen. Vermieter bevorzugen häufig diese Vertragsvariante.

3. Jeder WG-Bewohner ist ein Mieter

Der Vermieter schließt mit jedem WG-Bewohner einen eigenen Mietvertrag über das jeweilige Zimmer und die anteilige Mitbenutzung von Gemeinschaftsräumen. 

Vor- und Nachteile

Jeder Mieter haftet für sich. Zahlt jemand seine Miete nicht, stehen die anderen nicht in der Pflicht. Jeder Mieter kann seinen Vertrag fristgerecht kündigen. Um einen Nachmieter muss er sich nicht kümmern. Allerdings heißt das auch, dass die WG-Partner ihre Mitbewohner nicht frei aussuchen dürfen. Der Vermieter kann entscheiden, wer einziehen darf.

4. Sonderfall Zwischenmiete

Sei es für ein Auslandssemester oder ein Praktikum in einer anderen Stadt – soll das WG-Zimmer zwischenvermietet werden, solltest du auch verschiedene Punkte beachten. In einem separaten Mietvertrag lassen sich alle wichtigen Details festhalten.

Knackpunkt Sauberkeit

Unterschiedliche Vorstellungen sind oft ein Problem

Im Idealfall haben alle Mitbewohner ähnliche Vorstellungen, was das Putzen und Aufräumen angeht. Sauberkeitsfanatiker und Messies passen nicht zusammen. Diese Unterschiede lassen sich auch mit gutem Willen nicht überwinden. Merkst du, dass du völlig anders gepolt bist als deine potenziellen Mitbewohner, suche dir besser eine andere WG.

Verschiedene Möglichkeiten zur Organisation der Sauberkeit

Meistens bewegen sich die Vorstellungen allerdings zwischen diesen beiden Extremen. Eine gute Idee für WGs ist ein Putzplan: Wer Unordnung macht, beseitigt sie zeitnah. Für die Sauberkeit in Bad, Küche und Gemeinschaftsräumen sind die WG-Mitglieder abwechselnd zuständig. Am besten ist ein gemeinsamer Wochen- und Putzplan, in dem alle Aufgaben festgehalten werden. Das sorgt für Routine. Die einzelnen Aufgaben können wöchentlich oder monatlich rotieren.

Eine andere Möglichkeit für WGs, die es sich finanziell erlauben können, ist die Beschäftigung einer Putzkraft, die sind um die Grundreinigung kümmert. Das entlastet den WG-Alltag enorm. Darüber hinaus kann in regelmäßigen Abständen (etwa im Frühjahr) mit einer größeren Aktion wieder für Ordnung gesorgt werden.

Knackpunkt Sozialverhalten

Partyanimal versus introvertierter Einzelgänger

Auch die Persönlichkeiten sollten einigermaßen übereinstimmen. Sonst sitzt du als extrovertierter Partygänger, der gern auf andere zugeht und das Leben locker nimmt, womöglich zwischen einer Gruppe introvertierter Nerds und Eigenbrötler. Ist es dir wichtig, nicht nur eine reine Zweckgemeinschaft zu haben, in der jede Person eigene Wege geht? Sag das offen beim Kennenlernen. Achte auf die Reaktionen der anderen. Das Gleiche gilt, wenn du dich komplett auf dein Studium konzentrieren möchtest und dein Sozialleben dafür hintenanstellst.

Positive und negative Gruppendynamik

Es verbessert die Gruppendynamik enorm, wenn du ab und zu mal eine Pizza für alle ausgibst, einen Kuchen für die gesamte Gruppe backst oder einen Filmabend organisierst. Du hast die Vorräte der anderen geplündert? Ersetze, was du weggenommen hast. Warte nicht, bis deswegen die Stimmung kippt.

Fall es bei euch in der WG kriselt, setzt euch zusammen und redet darüber. Die meisten Konflikte lassen sich im Gespräch lösen. Um die Stimmung hinterher zu verbessern, helfen gemeinsame Unternehmungen: Geht picknicken, zieht zusammen um die Häuser oder schmeißt zu Hause eine Party.

Umgang mit Besuch in der WG

Irgendwann bekommt vermutlich jedes WG-Mitglied Besuch. Eltern und Geschwister schauen vorbei. Ab und zu schneit ein Kumpel herein. Mitstudierende erscheinen zum gemeinsamen Lernen. Wirklich problematisch wird es, wenn sich jemand verliebt und der neue Partner oder die neue Partnerin häufiger über Nacht bleibt oder die Wochenenden mit in der WG verbringt. Dadurch wird der ohnehin begrenzte Wohnraum noch enger. Der Kampf um das Badezimmer verschärft sich, und auch die Geräuschkulisse kann zum Problem werden.

Wenn du mit deiner großen Liebe einen romantischen Abend mit einem gemeinsamen Essen planst, passt es nicht, wenn deine Mitbewohner parallel dazu ihre Eltern zu Gast haben oder die Küche blockieren. Auch hier heißt es: Absprachen treffen.

Tipps zur Wahrung der Intimsphäre

Die Intimsphäre ist in WGs eine knifflige Angelegenheit. Hier gilt es, Höflichkeit und Respekt walten zu lassen.

  1. Informiere deine Mitbewohner, bevor du Besuch erwartest. Einigt euch am besten auf einen Kalender, in den ihr eintragt, wer wann vorbeikommt.
  2. Bitte um Rücksicht und sei selbst rücksichtsvoll, wenn du oder jemand anderes einen Gast bei euch habt. Falls es sich um einen Liebespartner handelt, mit dem du (oder jemand anders) einen ungestörten romantischen Abend verbringen möchte, einigt euch darauf, dass die anderen in der Zeit ins Kino gehen, Pizza essen und um die Häuser ziehen.
  3. Legt eine Höchstmenge an Besuchen pro Person fest. Dann regt sich niemand auf.
  4. Einigt euch darauf, an geschlossenen Türen anzuklopfen und nicht einfach so ins Zimmer zu platzen.
  5. Das Zimmer deiner WG-Mitbewohner ist eine Tabuzone, wenn er nicht zu Hause ist. Das gilt auch für die private Post.
  6. Wenn du laute Musik hören willst, setze Kopfhörer auf. Das stellt sicher, dass du niemanden beim Lernen störst.

Fazit

Das WG-Leben ist nichts für Egoisten. Regeln, Absprachen und Kompromisse sind an der Tagesordnung. Über Finanzen und das gemeinsame Leben muss geredet werden. Trotzdem macht es Spaß, mit anderen zusammenzuwohnen, wenn sich alle gut verstehen und in puncto Sauberkeit ähnlich ticken. Mit unseren Tipps gelingt es dir hoffentlich, die Krisenzone WG zu entschärfen.

Gastbeitrag