Warum setzten wir uns eigentlich in der Uni immer wieder auf den gleichen Platz? Foto: @jhong8/unsplash

Immer auf dem gleichen Platz

1.000 Dinge, die uns in Schule und Studium genervt haben. Heute: die geheime Sitzordnung

Der magische Moment, der über Freundschaften, Halswirbelverrenkungen und Aufmerksamkeitsschwelle des neuen Semesters bestimmen wird, findet statt, noch bevor das Seminar wirklich losgeht: die Wahl des ersten Sitzplatzes beim Betreten des Seminarraums. Denn aus irgendeinem undefinierbaren Grund ist es Gesetz, dass sich alle Kommilitonen von nun an, wann immer möglich, auf denselben Platz wie am ersten Tag setzen werden. Wer an jenem entscheidenden Tag zu spät dran ist, muss nehmen, was übrig bleibt – zum Beispiel im toten Winkel, hinter der Quasselstrippe, die – wahrscheinlich genetisch bedingt – einfach nicht leise flüstern kann, geschweige denn gesteigerten Wert darauf  legt. Oder direkt in der ersten Reihe, vis-à-vis mit dem Dozenten, dessen feuchte Aussprache alle Zuhörer benetzt, die nicht weit genug entfernt sitzen oder sich eben nicht trauen, dem Vortrag im Regencape zu lauschen.

Sich einfach umzusetzen, würde die anderen wahrscheinlich zutiefst verstören. Gewohnheitstiere wollen ihren Platz nunmal nur ungern wieder hergeben. Selbst notorische Zuspätkommer sind deshalb spätestens ab dem zweiten Semester an diesem einen Tag früher da, um ihr Revier zu markieren. Der einzige Unterschied zur Liegestuhlreservierung auf Malle: Handtücher kommen dafür nur äußerst selten zum Einsatz.


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