Vom FH-Master zur Promotion

Wie kommst du als FH-Absolvent an einen Doktortitel? Dr.rer.nat. Stefan Printz und Dr.-Ing. Thomas Figler berichten, wie sie es schafften

Das passiert (noch) nicht alle Tage an den Hochschulen in Deutschland: Nach Masterabschluss folgt die Promotion! Dr.rer.nat. Stefan Printz und Dr.-Ing. Thomas Figler, beide ehemalige Studenten der Hochschule Bochum, wagten diesen Schritt. Beide sagen nach ihrem Abschluss übereinstimmend:

»Es war ein harter Weg, denn man muss ein Teil seines Privatlebens aufgeben, aber es hat sich gelohnt.«

Als Thomas Figler 2003 sein Maschinenbau-Studium begann, ahnte er noch nicht, dass er 2014 seinen Dr.-Ing. machen würde: »Das war ursprünglich so gar nicht geplant«, sagt er heute. Während seiner Studienzeit absolvierte er bei der Firma Voith ein fünfmonatiges Praxisstudiensemester in London. 2007 schrieb er seine Diplomarbeit zum Thema ›Untersuchung unterschiedlicher Kupplungskonzepte im Vergleich zu hydrodynamischen Lösungen im Umfeld eines Nutzfahrzeugverbrennungsmotors‹ bei Voith Turbo in Crailsheim. Dort bot man ihm im Anschluss einen Arbeitsplatz an – mit einer neuen Möglichkeit:

»Ich würde als Doktorrand bei Voith in Crailsheim mit Hinblick auf eine Industrie-Promotion eingestellt. Dieses Angebot war für mich sehr interessant und nach reiflicher Überlegung habe ich zugesagt.«

Dem 32-Jährigen kamen hierbei die Grundlagen des Bologna-Prozesses zugute, die auf eine europaweite Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen ausgerichtet sind: Hochschulabsolventen mit guten Noten sollen die Möglichkeit haben auch zu promovieren.

»Zu dieser Regelung gibt es an den verschiedenen Unis leider gewaltige Unterschiede«, sagt Figler, der sorgfältig recherchierte.

An der Technischen Universität Ilmenau fand er dann die für ihn wichtigen Zulassungsvoraussetzungen:

»Der Fachhochschulabschluss musste bei der Note 1,5 oder besser liegen und die Diplomarbeit bei der Note sehr gut. Diese Voraussetzungen hatte ich erfüllt. Das war aber noch nicht alles: Im Rahmen eines Eignungsfeststellungsverfahren wurde ich noch in Thermodynamik, Werkstoffkunde, Maschinendynamik und Verbrennungskraftmaschinen befragt. Auch hier musste ich einen Notendurchschnitt von 2,5 oder besser erreichen.«

Das klappte alles und nun konnte es für ihn endlich losgehen:

»Von 2007 bis 2012 arbeitete ich mit Höhen und Tiefen an meinem Promotionsthema. Diese Zeit war nicht einfach für mich, denn es ist schon anstrengend einen Beruf auszuüben und nebenbei noch zu promovieren.«

Als Ingenieur war er im Bereich der Entwicklung von Voith Turboverbundaufladesystemen für Nutzfahrzeugdieselmotoren eingesetzt. »Hier ging es um die theoretischen Berechnungen, Simulationen und Auslegungen von mechanischen und hydrodynamischen Komponenten.« Im Januar 2013 konnte der Ingenieur seine Dissertation ›Entwicklung eines Getriebes mit hydrodynamischer Kupplung für Turboverbundaufladesysteme‹ einreichen und im Mai 2014 fand die mündliche Prüfung statt. Doktorvater war Univ. Prof. Dr.-Ing. Klaus Augsburg. Nach anschließender Veröffentlichung der Dissertation ist Figler als frischgebackener Dr.-Ing. weiterhin bei Voith Turbo in Crailsheim tätig. Allerdings hat sich jetzt sein Aufgabengebiet verändert:

»In der neuen Stelle im Bereich Engineering der ›Regelbaren Antriebe‹ bin ich nun für prozessorientierte und technische Schwerpunkte tätig.«

Und er kümmert sich gerne auch noch um den studentischen Nachwuchs: Figler betreut Studienarbeiten und ist Prüfer an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Für Dr. rer. nat. Stefan Printz verlief der ›Promotionsweg‹ ein wenig anders:

»Ich habe nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Vermessungstechniker gemacht und dann meinen Fachhochschulreife nachgeholt.« Dabei stellte er fest: »Ich möchte mein Wissen erweitern und ein Geodäsiestudium absolvieren.« Von 2004 bis 2008 studierte er Geoinformatik an der Hochschule Bochum, schrieb seine Diplomarbeit zum Thema ›Voruntersuchungen zur Einrichtung eines Web-GIS-Servers mit Implementierung des Prototyps zu ArcheoInf‹. Während dieser Zeit war Printz aktiv: Physiktutor im Fachbereich Geodäsie und dann studentischer Mitarbeiter. »Nach Abschluss meiner Diplomarbeit sprachen mich die Professoren Alfred Mischke und Franz Josef Lohmar an und fragten, ob ich nicht Interesse hätte, zu promovieren. Meine Diplomarbeit würde sich dafür sehr gut eignen«, erinnert sich Printz an diese ›Sternstunde‹. Ich überlegte nicht lange und sagte zu. Denn diese Chance bekommt man sicherlich nur einmal im Leben geboten. Ganz wichtig für mich war: Ich konnte an meinem Thema weiterarbeiten.«

Am 1. März 2008 ging es dann für den gebürtigen Düsseldorfer los: In Kooperation mit der Ruhr Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund begannt er mit der Arbeit im Projekt ArcheoInf. »Ich pendelte dann ständig zwischen Dortmund und Bochum hin und her. Das war aber alles kein Problem, denn ich hatte ein festes Promotionsthema.« 2009 übernahm er einen Lehrauftrag an der Hochschule Bochum in seinem Fachbereich Geodäsie:

»In der Geoinformatik habe ich gemeinsam mit Professor Albert Zimmermann und weiteren Studierenden im Team eine eigene Software entwickelt. Hierbei ging es um eine Fachschale für Archäologie und deren Problemlösung. Weitere Lehraufträge, beispielsweise die Entwicklung einer Java-Bibliothek für vermessungstechnische Berechnungen, folgten.«

Von März 2013 bis Februar 2014 zog er dann ganz offiziell als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur TU Dortmund und wurde hier von seinem Doktorvater, Professor Dr. Ernst-Erich Doberkat vom Lehrstuhl Informatik X betreut. Im Februar 2014 konnte er seine Dissertation ›Ein Beitrag zu Normen und Standards der Geoinformatik in der archäologischen Feldforschung‹ einreichen und im September fand dann seine Doktorprüfung statt. »Bis dahin war es ein harter Weg für mich«, sagt der Familienvater rückblickend, »denn man muss sich klar darüber sein, das man während der Promotionszeit auch einen Teil seines Privatlebens aufgibt.« Derzeit ist Printz immer noch an der Hochschule in Bochum anzutreffen:

»Bis 2015 betreue ich gemeinsam mit Dr. Mischke sowie Vertretern der Ruhr Universität Bochum ein Online-Portal zum digitalen Lernen für Bauingenieure.« 


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