Prof. Bernhard Schwarz im Interview

Dank Tae-Kwon-Do zum Ingenieursdiplom. Professor Bernhard Schwarz über seine Begeisterung für MINT-Fächer.

Prof. Dr. Bernhard Schwarz

Herr Prof. Dr. Schwarz, woher rührt Ihre Begeisterung für Elektrotechnik?

Die Begeisterung für Technik war mir wohl in die Wiege gelegt, der Berufswunsch des Ingenieurs daher selbstredend. Die Festlegung auf die Elektrotechnik fiel bei intensiverer Auseinandersetzung mit den Studieninhalten und vielfältigen Anwendungsgebieten.

Wie war Ihre Zeit als Student?

Sehr spannend, nicht nur des eigentlichen Studiums wegen. Es war zwar einerseits eine fachlich fordernde Zeit, jedoch gepaart mit sehr intensiven sportlichen Aktivitäten im Tae-Kwon-Do sowie einem Ausgleich durch Gitarrenspiel.

Haben Sie eine besonders schöne Erinnerung aus dieser Zeit?

Im Bereich der Technik war es sicher die erste Studienarbeit, in welcher ich mein erstes Gerät, einen Papierbelichtungsmesser für Dunkelkammerarbeiten, vom Konzept bis zum Test entwickelt und aufgebaut habe, also erlerntes Wissen erfolgreich zur Anwendung gebracht habe. Im nichttechnischen Bereich waren es die vielen Erlebnisse im Sport, ohne welche ich das Studium sicherlich nicht so erfolgreich abgeschlossen hätte.

Warum haben Sie sich entschlossen ein MINT-Fach zu studieren?

Es war pure Neugier auf Technik, auf die Anwendung theoretischen Wissens und auf praktische Aufgabenstellungen.

Wie sind Sie auf die MINT-Initiative ›Zukunft schaffen‹ aufmerksam geworden?

Als Rektor der Hochschule Esslingen bin ich in vielerlei Arbeitskreisen tätig, oft gemeinsam mit Verbänden. Hier bleibt es nicht aus, dass man sich über Initiativen zur dringend notwendigen Beförderung der MINT-Fächer austauscht.

Was begeistert Sie an der MINT-Initiative?

Die Breite der Bewegung, sei es mit Blick auf die vielen Akteure aus allen Gesellschaftsteilen oder mit Blick auf die Vielfalt der Aktivitäten.

Wie schlimm wird uns der Fachkräftemangel treffen, der von Experten für 2015 auf 8.000 fehlende Elektroingenieure bezifffert wird?

Das Jahr 2015 wird noch lange nicht die Spitze des Eisbergs sein und 8.000 fehlende Ingenieure im Bereich der Elektrotechnik halte ich für untertrieben.

Was für Konsequenzen hat dieser Fachkräftemangel im Bereich Elektrotechnik?

Einerseits führt er zur Gefahr der Verlagerung von Entwicklungskapazitäten in andere Teile der Welt. Andererseits kann er zu einem Wettbewerb um die wenigen Ingenieure mit deutlich steigenden Gehältern führen. Deutschland lebte bislang von seiner Innovationskraft, diese ist jedoch an Menschen gebunden, welche uns zunehmend fehlen werden.

Wie könnte man Abiturienten dazu bewegen, sich häufiger für einen MINT-Studiengang zu entscheiden? Und können Studenten Ihrer Meinung nach hier mitwirken?

In den vielfältigen Aktivitäten unserer Hochschule Esslingen zur Motivation junger Menschen ist eine Vielzahl von Studierenden beteiligt. Die Freude an Technik kann von diesen viel authentischer transportiert werden als von uns – vorsichtig ausgedrückt – etwas Älteren. Abiturienten zu überzeugen ist jedoch der falsche Ansatz, diese haben ihr Interesse an Naturwissenschaft und Technik schon längst entdeckt oder eben auch nicht. Die Werbung für MINT muss bereits in jungen Jahren erfolgen, weswegen wir – alleine sowie gemeinsam mit Verbänden – eine Vielzahl von Aktivitäten entwickelt haben, von Projekten wie ›Pfiffikus‹ in Kindergärten bis hin zu Schüler- Ingenieur-Akademien in Gymnasien.

Was macht das Studium ganz besonders spannend und die Berufsaussichten hervorragend?

Die Elektrotechnik hat sehr viele Facetten, von der Energieerzeugung und -übertragung über das hochaktuelle Thema der Antriebstechnik, der Automatisierungstechnik, der Sensorik, der Rechnertechnik, der Leistungs- oder Mikroelektronik bis zur Informations-, Kommunikations- und Nachrichtentechnik. Elektrotechnik ist allgegenwärtig, und dies in stark wachsendem Maße. Es ist einfach spannend, das Ergebnis der Arbeit alltäglich präsent zu haben und sich der Bedeutung bewusst zu sein. Leider steht diesem wachsenden Bedarf kein entsprechender Aufwuchs an Studierenden gegenüber, so dass die Nachfrage nach Absolventen massiv steigen und zu noch besseren Berufsaussichten als heute führen wird.

Was für Eigenschaften muss man mitbringen, um in der Branche erfolgreich zu sein?

›Die Branche‹ gibt es nicht. Elektrotechnik ist allgegenwärtig, im privaten wie im beruflichen Leben. Auch die Tätigkeitsfelder sind vielfältig, von Forschung und Entwicklung über Service, Einkauf und Vertrieb, Produktion und vieles mehr. Natürlich ist es über das Fachliche hinaus zunehmend wichtig, weitere Qualifikationen nachzuweisen, vom Projektmanagement über Sprachen bis hin zu Präsentationstechniken. Dieses ist jedoch Bestandteil insbesondere eines jeden anwendungsorientierten Studiums, so dass jede Sorge um mangelnde Qualifikationen unbegründet ist.

Wohin geht der Trend in der Elektrotechnik? Welche Forschungsschwerpunkte sind besonders spannend?

Energieeffizienz ist sicherlich eines der dominierenden Themen der kommenden Jahre. Dieses wird alle Bereiche der Technik betreffen, von kleinsten Einheiten bis hin zur Energiewandlung. Hinzu kommen immer neue und leistungsfähigere Werkzeuge der Entwicklung und Simulation. Schließlich ist die zunehmende Integrationsdichte sowie steigende Funktionalität zu nennen, welche immer neue Horizonte eröffnet. In jedem Fall ist Elektrotechnik zunehmend als Teil des Ganzen zu betrachten, als Teil eines mechatronischen Systems, in welchem die Grenzen zwischen den Disziplinen verschwimmen.
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Prof. Dr.-Ing. Bernhard Schwarz
Neben seiner Tätigkeit als Rektor an der Hochschule Esslingen ist Prof. Dr.-Ing. Bernhard Schwarz im Senat tätig, Mitglied des Umweltausschusses, des Lenkungskreises Qualität, des Ausschusses Studiengebühren und des Haushaltsausschusses. Der 1954 geborene Autor hat an der Universität in Stuttgart Elektrotechnik studiert. Er war der Gründungsdekan der Fakultät für Mechatronik an der HS Esslingen sowie beteiligt an der Entstehung des Kompetenznetzwerks Mechatronik e.V.
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10.03.2015
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Otto fragt: "Um Mint-Berufe ausüben zu können, muss ich doch ein Mathegenie sein und Frauen lerne ich dort auch nicht kennen, oder?" 

 

Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin 'MINT Zukunft schaffen', antwortet:

»Beides stimmt definitiv nicht! Allerdings sollte man die vier Grundrechenarten beherrschen und integral- und differentialrechnung sowie etwas Vektorrechnung sollte man schon können. nur glaube ich nicht, dass dies mehr Anforderungen stellt als eine Sprache zu erlernen – und dabei meine ich nicht, um Konversation machen zu können, das kann man eh nur richtig nach einem Aufenthalt im lande, sondern ihre Grammatik, ihre Semantik …

Mathematik sind aber auch nicht die Rechenverfahren. Mathematik ist die Sprache, in der wir uns Vorstellungen, Modelle von der uns umgebenden natur machen. Sie erfasst Modelle der aus der natur für uns abgeleiteten technik, wie zum Beispiel elektrischer Strom mit Begriffen aus ›dem Strom, dem Fluß‹ beschrieben wird. hier setzt das Verständnis dafür ein, was diese Modelle leisten und was nicht, wo ihre Grenzen sind.

Und was die Mädels angeht: ihre Zahl in Mathematik und Naturwissenschaften steigt stetig an!«

Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin

MINT Zukunft schaffen