Von der Musik zu MINT: Quereinsteiger in MINT-Berufe

Christina Mitropoulos- Bott (41) hat Musik studiert und arbeitet heute als Websphere Partner Manager bei IBM.

Foto:

Christina Mitropoulos-Bott

»Als ich vor rund 20 Jahren an der Musikhochschule Dortmund und der Folkwang- Hochschule Essen Musik studiert habe, deutete nicht allzu viel darauf hin, dass ich später mal in der IT-Branche landen würde. Bereits mit 22 Jahren konnte ich einen instrumentalpädagogischen Abschluss vorweisen, mit Mitte 20 war ich Dozentin an einer Musikhochschule und übte parallel eine freischaffende Konzerttätigkeit aus.

Doch schon bald überholte die Realität meine Traumkarriere. Aufgrund sinkender Ausgaben im Kulturbereich schwanden die Aussichten im Musikbusiness. Mit Ende 20 sah ich als Musikerin keine großen Entwicklungsperspektiven mehr. In der Informatik boten sich damals allerdings interessante Möglichkeiten. Ich begann eine auf 18 Monate angelegte Umschulung zur Informationbrokerin Wirtschaft und Technik. Dabei traf ich auf Geisteswissenschaftler, Bundeswehrsoldaten und Berufsrückkehrerinnen nach der Elternzeit, eine bunte Mischung also, die aufzeigt, welche Hoffnungen in den 1990er Jahren auf der IT ruhten.

Bereits nach sechs Monaten wurde ich in meinen ersten IT-Job abgeworben und es folgte eine berufsbegleitende Weiterbildung zur IT-Prozessmanagerin. Dort war ich aber die einzige Fachfremde und die Zulassung zum IT-Prozessmanager wurde mir von meinem damaligen Arbeitgeber zunächst verweigert. Erst ein persönliches Gespräch mit dem Prüfungsleiter konnte die Vorbehalte mir und meinem ‘Exoten-Status’ gegenüber ausräumen.

Mittlerweile bin ich bei IBM und damit einem der ‘Big Player’ der IT-Branche gelandet, wo ich seit wenigen Wochen als Websphere Partner Manager tätig bin. Der Musik bin ich in meinem Privatleben aber immer verbunden geblieben. Übrigens können sich ITler etwas von Musi - kern abschauen: Sie können ganz generell lernen, dass die Inszenierung eines Termins enorm wichtig ist. Ich habe schon häufig lieblos gestaltete Termine mit Folienschlachten erlebt. Studenten, die merken, dass ihr Studium doch nicht die erwünschte Erfüllung mit sich bringt, rate ich zudem zu mehr Mut. Veränderungen bringen zwar immer ein gewisses Risiko mit sich, stellen aber auch eine große Chance dar!«

10.03.2015
Teile diese Seite

Jobs im MINT-Bereich:

Artikelsuche

MINT-Basiswissen:


Otto fragt: "Um Mint-Berufe ausüben zu können, muss ich doch ein Mathegenie sein und Frauen lerne ich dort auch nicht kennen, oder?" 

 

Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin 'MINT Zukunft schaffen', antwortet:

»Beides stimmt definitiv nicht! Allerdings sollte man die vier Grundrechenarten beherrschen und integral- und differentialrechnung sowie etwas Vektorrechnung sollte man schon können. nur glaube ich nicht, dass dies mehr Anforderungen stellt als eine Sprache zu erlernen – und dabei meine ich nicht, um Konversation machen zu können, das kann man eh nur richtig nach einem Aufenthalt im lande, sondern ihre Grammatik, ihre Semantik …

Mathematik sind aber auch nicht die Rechenverfahren. Mathematik ist die Sprache, in der wir uns Vorstellungen, Modelle von der uns umgebenden natur machen. Sie erfasst Modelle der aus der natur für uns abgeleiteten technik, wie zum Beispiel elektrischer Strom mit Begriffen aus ›dem Strom, dem Fluß‹ beschrieben wird. hier setzt das Verständnis dafür ein, was diese Modelle leisten und was nicht, wo ihre Grenzen sind.

Und was die Mädels angeht: ihre Zahl in Mathematik und Naturwissenschaften steigt stetig an!«

Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin

MINT Zukunft schaffen