MINTler im öffentlichen Dienst

Der öffentliche Dienst glänzt mit zigfachen Möglichkeiten für MIntler – fernab jeglicher Staubschicht-Klischees

Diplom-Ingenieur im öffentlichen Dienst

Günther Steudle kann damit leben. Und manchmal sogar darüber lachen. Während er allerdings Witzen über Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, durchaus etwas abgewinnen kann, so kann er ab und an nur seinen Kopf schütteln, wie viel Unwissenheit oder gar Falschwissen bezüglich seines Berufsstandes im Umlauf ist. Mit den Begriffen ›Ärmelschoner‹ und ›verstaubt‹ kann er schon gar nichts anfangen: »Seit Anfang der 1970er Jahre sind speziell in der Vermessungverwaltung die Zukunftspfade für eine digitale Welt gelegt worden. Es wurde echte Pionierarbeit in der Datenverarbeitung geleistet – heute haben wir bundesweit die modernsten Informationssysteme mit wichtigen Inhalten zu Grund und Boden«, erklärt Steudle.

Was macht er also, der 59-Jährige mit dem Sinn für Humor und dem Faible für Grund und Boden? Steudle ist Diplom-Ingenieur und Leiter des Grundsatzreferats Vermessung und Geoinformation beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Dass er im öffentlichen Dienst gelandet ist, sei einerseits dem Zusammentreffen mit einem Studienkollegen, der seinerseits bereits im öffentlichen Dienst tätig war, aber auch ›seinem latenten Bestreben‹ geschuldet:

»Dadurch wurde der Reiz in mir geweckt, in dem vielseitigen Berufsfeld von Landesvermessung, Liegenschaftskataster und Kartographie die Herausforderung zu suchen«, erklärt Steudle, der 1979 das Ingenieurstudium der Vermessungstechnik abgeschlossen und im Anschluss den zweijährigen Vorbereitungsdienst für den höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst absolviert hat. Bevor er dann schlussendlich als Vermessungsassessor beim Ministerium eingestiegen ist, hat der 59-Jährige Berufserfahrung an der Uni und in der Wirtschaft gesammelt.

Aufstieg zur Führungskraft

Heute sind seine Tätigkeiten stark von Führungsaufgaben geprägt: »Viele Personalentwicklungsgespräche, Maßnahmen zur Personalsteuerung, Erarbeitung von Personalkonzepten und fachliche Konzeptionen, zahlreiche, zeitlich begrenzte Projekte – auch zusammen mit anderen Fachdisziplinen – sind Teile meiner täglichen Aufgaben wie auch die aufgabenkritische Untersuchungen nachgeordneter Geschäftsbereiche, die Leitung von länderübergreifenden Fachgremien im Bereich des amtlichen Vermessungs- und Geoinformationswesen«, zählt Steudle auf.

Doch ist es damit nicht getan. Er ist zudem noch dafür verantwortlich, das Wirken nach außen zu vermitteln, sei es durch Publikationen oder durch Fachvorträge zum Vermessungsrecht, zum Berufsrecht der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, zur Festlegung von Vermessungsgebühren und zum Thema Ausbildung und Berufsnachwuchs.

Es liegt auf der Hand, dass diese Aufgaben mit einer gewissen Interdisziplinarität verbunden sind. Diese ergebe sich, so Steudle, alleine durch die Bedürfnisse und Anforderungen von Verwaltung, Wirtschaft, Rechtspflege und Wissenschaft an die Geobasisdaten der Vermessungsverwaltung, Eigentumssicherung, Tourismus, Geodaten für Polizeinotruf, Navigationssysteme und Hochwasserschutz.

Chemikerin bei der Leibnitz-Gemeinschaft

Diese Interdisziplinarität hat auch Dr. Karin Effertz in ihrer Arbeit, »prototypisch« sei dies für ihre Tätigkeit bei der Leibniz-Gemeinschaft. Dort betreut sie die naturwissenschaftlich-technischen Institute, die sich thematisch unter dem Slogan ›Licht, Materialen und Modelle‹ bündeln lassen. Die promovierte Chemikerin ist dabei für die Vor- und Nachbereitung der entsprechenden Gremiensitzungen und die Netzwerkpflege mit den Instituten verantwortlich.

»Darüber hinaus habe ich vor kurzem das gemeinsame Doktorandenforum der naturwissenschaftlichen Institute hier in Berlin mitkonzipiert und organisiert. Außerdem bin ich für das Querschnittsgebiet ›Hochschulkooperation‹ zuständig, verfolge die aktuelle wissenschaftliche Debatte und sorge dafür, dass die relevanten Informationen an den richtigen Stellen bei Leibniz ankommen«, führt Effertz weiter aus.

Als Ansprechpartnerin für die Leibniz-Forschungsverbünde Energiewende – Medizintechnik, Nanosicherheit und Science 2.0 dominieren interdisziplinäre Tätigkeiten ihren Arbeitsalltag.

Es ist aber genau diese Vielseitigkeit, die sie an ihrem Job besonders mag, unter anderem, weil sie Einblicke in die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Sachfragen und die Kultur der Zusammenarbeit erhält. Günther Steudle kann hier einhaken – auch er schätzt die unterschiedlichen Aspekte seiner Arbeit: »Personal, Technik, Recht, Haushalt und die Möglichkeit, dort zukunftsgerichtet im Fachbereich mitzugestalten.« Mit letztem Punkt verweist er auf seine Lehrtätigkeit an der Universität, wo er nicht nur die nächste Generation an Geodäten heranwachsen sieht, sondern er auch Überzeugungsarbeit für gute Einstellungsperspektiven leistet. Wenngleich sowohl Steudle als auch Effertz ihre Tätigkeit sehr schätzen, so ist ihnen auch bewusst, dass eine Anstellung in der freien Wirtschaft finanziell rentabler wäre, oder, wie es Steudle ausdrückt »die Korrelation von Leistung und Entlohnung durchaus stärker ausgeprägt wäre«. Abgesehen von den monetären Defiziten sind es allerdings Punkte wie Familienfreundlichkeit und die Anerkennung der Arbeit, die beide als ausschlaggebende Vorteile am öffentlichen Dienst sehen. »Wer gut und engagiert, begeisterungsfähig und mobil ist, hat beste Chancen, schnell nach oben zu kommen und dort mitzugestalten«, sagt Steudle. Möglichkeiten, eine Anstellung als MINTler zu finden, gibt es dabei im Ressortbereich genügend, ob als Forstingenieure, Biologen, Lebensmittelchemiker, Geodäten, Landwirtschaftsingenieure oder ITler. Die Verwaltung im Allgemeinen bietet für alle technischen und naturwissenschaftlichen Berufe spannende Aufgaben.

Warum also warten? Es gibt die Einstiegsmöglichkeiten, Entwicklungs- und Karrierechancen, viele Vorteile und Spaß. Und nicht nur dann, wenn ein klischeebehafteter Witz ausnahmsweise mal gut ist. 

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Karriere im öffentlichen Dienst

/// Unter öffentlichem Dienst versteht man die Tätigkeit der Bediensteten von öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Anstalten. Dazu gehören der Bund, die Länder, die Landkreise und die Gemeinden, kurz die Gebietskörperschaften. (Quelle: www.oeffentlicher-dienst.info)

/// 2013 haben in Westdeutschland rund 3,93 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst gearbeitet, in Ostdeutschland waren es circa 705.000 Mitarbeiter.

/// Mit 938.821 Mitarbeitern waren in Nordrheinwestfalen zu diesem Zeitraum die meisten Personen im öffentlichen Dienst beschäftigt, in Bremen waren es 39.652 Beschäftigte.

/// Öffentlicher Dienst und Burka: Nach einer Umfrage im Jahr 2011 hielten 75 Prozent es für richtig, dass das Tragen von Burkas im öffentlichen Dienst während der Arbeitszeit verboten werden sollte. (Quelle: Statista)

/// Seit Anfang 2011 gilt in Hessen ein Burkaverbot im öffentlichen Dienst.