Au-pair in England

Plötzlich hatte Ulrike drei Kinder zu versorgen – mit 18 ging sie als Au-pair nach England und kam nervenstark zurück.

Junge Frau in England

Mit 18 raus in die Welt: als Au-pair in England

»Und das Essen schmeckt doch!« Ulrike Polster springt für die englische Cuisine in die Bresche. »Chips‘n‘Cheese, traditional Sunday Roast Dinner, Tuna and Sweetcorn auf Toast – ich fand’s super«, erzählt die 23-Jährige. Sie muss es wissen. Schließlich hat sie schon zweimal als Au-pair in England gearbeitet. Ihre Begeisterung für die Insel entstand in der elften Klasse. Für eine Woche lebte sie in einer Gastfamilie und kürte London zu ihrer Traumstadt. Dieser Status währte nur kurzfristig:

»Erst während meines Au-pair-Aufenthaltes merkte ich, dass London, wie viele europäische Hauptstädte, eine reine Touristenstadt ist. Das ›neue‹ England, das ich in meinen beiden Gastfamilien in der Cotswold-Gegend kennenlernen durfte, gefiel mir viel besser«, sagt Ulrike.

Sie hatte sich damals für das Ausland und gegen einen schon sicheren Ausbildungsplatz als Ergotherapeutin entschieden. Warum? »Nach dem Abitur habe ich mich nach mehr Zeit gesehnt, um mir über meine Ziele im Leben klar zu werden. Außerdem wollte ich raus in die Welt«, erklärt Ulrike ihren Entschluss. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, aus dem sie »praktisch 18 Jahre lang nicht rausgekommen ist«, war es an der Zeit, etwas Neues zu sehen und sich auszutesten.

Angst vor der Abreise nach England?

Sich austesten – das ist oft mit Ängsten verbunden. Oder? »Vor meiner Abreise war ich nicht sonderlich aufgeregt, weil ich vorher nicht einschätzen konnte, inwiefern sich die Zeit im Gastland auf meine Persönlichkeit, Ansichten und Zukunft auswirken wird«, erklärt sie. Überhaupt kein mulmiges Gefühl?

»Natürlich hatte ich Angst, dass meine Sprachkenntnisse nicht ausreichend sein würden und ich mit meiner Gastfamilie nicht zurechtkommen könnte. Außerdem hatte ich Bammel vor der Eigenverantwortlichkeit, schließlich war ich zum ersten Mal im Leben auf mich alleine gestellt.«

Trotz aller Sorgen – die Vorfreude überwog. Außerdem boten die Reisevorbereitungen eine fantastische Möglichkeit, den gedanklichen ›worst case‹ beiseitezuschieben.

Vorbereitungen für das Au-pair

Au-pair in England ErfahrungsberichtWas ist zu tun? Ulrike hat sich zuerst bei ›iSt- Sprachreisen‹ beworben. Es folgte: Schreibkram.

»Wichtig ist, die Bewerbungsunterlagen so zusammenzustellen, dass sich die Gastfamilie ein umfassendes Bild vom Au-pair in spe machen kann. Ausschlaggebend dabei: Kinderliebe und die persönliche Reife müssen zum Ausdruck kommen«, erklärt sie.

Die Agentur vermittelt dann die Aupairs an die jeweiligen Gastfamilien. Während der Wartezeit hatte Ulrike in iSt einen zuverlässigen Ansprechpartner. Die Agentur hielt sie über alle Schritte auf dem Laufenden – so konnte sie sich rechtzeitig auf das erste Telefonat mit ihren Gasteltern vorbereiten. Der Kontakt war geknüpft, die Weichen waren gestellt – was fehlte? Der passende Flug, eine gute Auslandskrankenversicherung und ein gemütliches Finanzpolster.

Auf insgesamt 500 Euro beliefen sich die Ausgaben für das Flugticket, die Vermittlungsgebühr der Agentur und der Transfer vom Flughafen zur Gastfamilie. Ulrike nahm einen Nebenjob an, um auch für spätere Eventualitäten gerüstet zu sein. Wie sich herausstellte, hätte sie sich ums Geld aber keine großen Gedanken machen müssen.

Der Tagesablauf als Au-pair in England

Au-pair England»In meiner Gastfamilie bekam ich neben der freien Unterkunft und dem Essen ein kleines Taschengeld. Dieses betrug 160 Pfund wöchentlich, was überdurchschnittlich viel ist«, erzählt Ulrike. Der höhere Lohn war berechtigt. Schließlich war sie für die drei kleinen Kinder der Gastfamilie zuständig. Von Montag bis Freitag arbeitete sie täglich zwischen zehn und zwölf Stunden. Ulrike stand jeden Morgen um 6.30 Uhr auf, bereitete das Frühstück vor, gab dem zehnmonatigen Harland ›Harry‹ sein Fläschchen, weckte um 7.30 Uhr die sechsjährige Hermione ›Mimi‹ und die vierjährige Katherine ›Kitty‹.

»Wir frühstückten gemeinsam, danach fuhren wir Mimi in die 25 Kilometer entfernte Schule«, zählt das ehemalige Au-pair auf. Und weiter ging die Fahrt: Kitty musste in die Primary School, Harry war montags, mittwochs und freitags bei seiner Tagesmutter.

Alle Kinder abgeliefert und jetzt Freizeit? Mitnichten! Die Küche musste aufgeräumt, die Betten gemacht, die Wäsche gewaschen, die Einkäufe erledigt und der Boden gewischt werden.

»Wenn ich das alles geschafft hatte, nahm ich mir Zeit zur Erkundung der umliegenden Orte, zum Shoppen oder für ein Treffen mit meinen neuen Freundinnen«, sagt Ulrike.

Um halb zwei sprang sie wieder hinters Lenkrad und sammelte die Mädchen der Gastfamilie erneut ein. Weiter ging‘s: Schwimmen, Plätzchen backen, ein Auge auf den Besuch der Kinder haben und nochmal rein ins Auto: Harry abholen. Erst nach der Gutenachtgeschichte gegen 19.30 Uhr kehrte Ruhe ein, die Gasteltern kamen zurück von der Arbeit und Ulrike hatte Feierabend.

Fazit: Selbstbewusster durch die Zeit als Au-pair in England

Endlich Zeit zum Zurücklehnen. Ein zahnendes Kind, zwei kleine Geschwister, die sich erst an das neue Au-pair gewöhnen mussten – »Streckenweise durchlebte ich nervenaufreibende Zeiten«, erinnert sich Ulrike. Aber: »Ich bin viel selbstbewusster geworden. Ich habe keine Scheu mehr, offen auf Menschen zuzugehen und mir wurde klar, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, wenn man auf sich vertraut«, fasst die 23-Jährige zusammen.

Seit ihrem Au-pair-Aufenthalt versucht sie, ihr Leben nach dem Motto ›Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied‹ zu gestalten. Dass sie heute englische Sprach- und Kulturwissenschaft studiert und das mit ›Deutsch als Fremdsprache‹ verbinden kann, kommt sicherlich nicht von ungefähr. Seit Juni 2009 gibt die Studentin auch noch Deutschunterricht für Englischlernende wie Geschäftsleute oder Schüler. Der Au-pair-Aufenthalt in England hat Ulrike in vielerlei Hinsicht geprägt. Sie kann nur jedem ans Herz legen, die gleiche Erfahrung zu machen: »In keiner Schule der Welt lernt ihr, was man als Au-pair in einem fremden Land lernt. Das Wissen, das man sich dort aneignet, nützt euch für den Rest eures Lebens!«


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