Dominikanische Republik - Erfahrungsbericht

Geduld, Gelassenheit und Wasser: Alles überaus kostbar in der Dominikanischen Republik.

Meer mit Schriftzug: Wasser ist Leben.

Anfang des Jahres war es hier in den Bergen sehr ungemütlich, so gut wie jeden Tag gab es Regen und Schmuddelwetter. »Qué frío!« (Wie kalt!), war der erste Satz, den man hörte, egal wen man traf. Seit Anfang April herrscht im gesamten Land eine unglaubliche Hitze! Die Temperaturen klettern auf über 36°C im Schatten. Die Begrüßung lautet nun »Qué calor!« (Wie heiß!).

Inzwischen ist klar, dass diese Hitze ungewöhnlich für die Jahreszeit ist. Sie macht nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern auch der wunderschönen Natur und der Landwirtschaft: Pflanzen trocknen aus und für die Bauern ist es eine Katastrophe, dass sie ihre Felder nicht mehr ausreichend bewässern können. Um Constanza breiten sich Waldbrände aus. Innerhalb von Tagen war die Stadt von Smog umhüllt. Bei der Arbeit, zu Hause und in den Nachrichten sprechen alle nur noch über das eine Thema.

Brände sind nur ein Problem, mit dem das Land zu kämpfen hat. Die Abholzung der Regenwälder hat die Wasserversorgung in Gefahr gebracht. Die Turbinen bei den Wassertalsperren müssen bei Trockenheit abgeschaltet werden, Stromausfälle sind häufig. Diese Situation hat viele Menschen wach gerüttelt, gemeinsam kämpfen sie für eine gesunde Umwelt. Damit dies besser gelingt, haben sich 14 dominikanische Entwicklungsorganisationen zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Wissensnetzwerk aufzubauen. Plan Yaque, eine Organisation, die sich dem nachhaltigen Management des Wassereinzugsgebietes des Rio Yaque verschrieben hat, gehört dazu. Hier engagiere ich mich als Freiwillige.

Meine Priorität ist das Projekt Plataforma Nacional, also die digitale Vernetzung der Entwicklungsorganisationen auf nationaler Ebene, ein Projekt, das von meiner Entsendeorganisation Ecoselva initiiert wurde. Dafür hat Microsoft uns Office 365 – eine Plattform für Kommunikation und Zusammenarbeit in der Cloud – kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit einer anderen Freiwilligen habe ich über die Plattform und die App Skype for Business an einem Leitfaden zur Erstellung von Wikis gearbeitet. Diesen Leitfaden haben wir Ende Februar bei der zweiten zweitägigen Konferenz zur Plataforma Nacional in einem Workshop vorgestellt. Im nächsten Schritt galt es allen Mitgliedern meiner Organisation Zugang zur Online-Plattform zu verschaffen. Der Vorteil an Office 365 ist, dass alles online an einem Ort ist und dass von jedem Computer aus auf alle Dokumente zugegriffen werden kann.  Zusätzlich besteht die Möglichkeit direkt über den internen oder öffentlichen Bereich zu kommunizieren, um beispielsweise gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten.

Das Ziel meiner Arbeit bei Plan Yaque ist nicht nur die Digitalisierung aller physischen Dokumente, sondern auch die Erstellung eines Wissensnetzes. Jede Person hat im Laufe des Berufslebens Erfahrungen gesammelt und sich Wissen angeeignet. Wenn alle ihre Erfahrungen und ihr Wissen zusammenfassend auf ihrem Profil präsentieren, findet ein Informationssuchender hier Experten und kann die Person über die Plattform kontaktieren.

Bei meiner Gastfamilie fühle ich mich richtig wohl. Lourdes, meine Gastmutter lässt mir viele Freiheiten, im Gegenzug übernehme ich ein paar Aufgaben im Haushalt. Ich darf mich an allem im Kühlschrank bedienen, die Auswahl ist allerdings oft mager. Außerdem wasche ich meine Wäsche selbst in einer »Umrühr-Waschmaschine«: Zuerst wasche ich die Wäsche ganz normal in kaltem Wasser und Waschpulver. Nach einer guten Viertelstunde spüle und wringe ich alles per Hand aus und werfe es zum Schleudern in den rotierenden Korb. Je nach Wäschemenge brauche ich dann schon mal drei Stunden. Zum Trocknen hänge ich alles auf Drahtleinen im Innenhof auf.

Natürlich lief nicht immer alles reibungslos zwischen Lourdes und mir, es hat eine Weile und ein paar Konflikte gedauert, bis wir uns richtig kennen gelernt haben. Bei den meisten Einheimischen muss ich vorsichtig sein, wie und was ich sage. Das fällt mir nicht leicht, denn ich weiß nicht, ob »durch die Blume« wirklich ankommt, was ich sagen möchte. Aber ich freue mich sehr, dass wir voneinander lernen. Ich lerne von Lourdes zum Beispiel Gelassenheit. Es kommt eben nicht immer so, wie man es geplant hat. Aber ich muss zugeben, in einer schnelllebigen Welt bin auch ich mit meinen Gedanken oft einen Schritt weiter, anstatt mal inne zu halten. Oder vielleicht, den Moment zu leben. Inzwischen fällt es mir leichter; das Leben hier »zwingt« mich ein bisschen dazu. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Diese neuen Gefühle, Gedanken und Eindrücke haben größeren Einfluss auf mich als gedacht und sind sehr inspirierend. Für meine Zukunft und die Welt von morgen ist das nur von Vorteil.


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